Die 85 Teilnehmer des Mobile Media Day (MMD) informierten sich über Best-Practice-Erfahrungen im Bereich Mobile Marketing und waren natürlich auch daran interessiert, mehr über die bereits gestarteten oder geplanten iPad-Strategien zu erfahren.
Die neue Apple-Werbeplattform iAd, die Anfang Juli an den Start gehen soll, war ebenfalls Diskussionsthema für ein Publikum, das die Möglichkeiten der Werbung im Mobilmedium nutzen will, um mit mobilen Plattformen Geld zu verdienen.

Kurz nach der Konferenz gab Apple bekannt, dass es für die iAd-Plattform bereits Zusagen von Werbegeldern für 2010 in Höhe von 60 Millionen US-Dollar gebe. „Sollte man iAd als Gefahr für die Verlage betrachten?”, fragte Stig Nordqvist, Director Emerging Digital Platforms & Business Development bei WAN-IFRA und Leiter der Konferenz.
• Nach den Worten von Florian Gmeinwieser, Mitglied der Geschäftsleitung der deutschen Mediaagentur Plan.Net Media, wird „iAd es den Werbetreibenden ermöglichen, attraktive demografische Zielgruppen zu erreichen“. Gegenüber den Zuhörern erklärte er aber auch, dass sie als Mediaagentur gegen die technischen und wirtschaftlichen Regeln seien, die Apple bei iAd vorgebe.
• Diese Bedenken teilt auch Omar Hamoui, CEO von AdMob, der am 9. Juni Folgendes schrieb: „Apple hat neue Bedingungen für Entwickler vorgeschlagen, die – falls sie so verabschiedet werden – es App-Entwicklern untersagen würden, Werbelösungen von AdMob und Google auf dem iPhone zu verwenden. Diese werbebezogenen Vorgaben betreffen sowohl Unternehmen mit konkurrierenden mobilen Technologien (wie Google) als auch Unternehmen, deren Hauptgeschäft nicht die Bereitstellung mobiler Anzeigen ist. Damit könnten Zehntausende von Entwicklern vor der Situation stehen, dass sich ihre Einnahmen verringern oder gar ganz versiegen. Die Apple-Bedingungen treffen sowohl große als auch kleine Entwickler dadurch, dass sie deren Auswahl an Möglichkeiten, wie sie am besten Geld verdienen können, drastisch einschränken. Und nachdem viele kostenlose und niedrigpreisige Apps werbefinanziert sind, könnten sich diese Bedingungen auch negativ auf die Endkunden auswirken.“

Die Stimme von Apple
Beim MMD wurden in diesem Jahr viele interessante iPhone-Applikationen präsentiert. Stig Nordqvist nutzte in diesem Zusammenhang auch die Gelegenheit, um von einem kürzlichen Gespräch mit Paul Burford, Technologie-Botschafter von Apple, zu berichten, mit dem er im Rahmen des Executive Programme eRev zusammengetroffen war:
- „Zu den Dingen, die häufig vergessen werden, zählen ein paar ganz grundlegende Sachen: Entwerfen Sie ein ansprechendes App-Icon für das iPhone und registrieren Sie die App richtig“, so berichtete Nordqvist.
- „Eine der Empfehlungen von Apple im Hinblick auf die Entwicklung von Apps lautet meist, dass man mit möglichst wenigen Funktionen beginnen, diese aber richtig machen sollte (wird damit der gewünschte Zweck erreicht? ist das Programm ansprechend?). Dann kann man später ein Update bringen, das etwas mehr kann. Wichtig bei der Konzeption einer App ist, eine klare Vorstellung von deren Einsatzzweck zu haben: eine qualitativ anspruchsvolle App sollte umfangreiche Inhalte bieten, durch die man navigieren kann, und auf die unmittelbare Nutzung hin ausgerichtet sein; eine Service-App (z.B. mit Wirtschaftsnachrichten) sollte mit grafischen Elementen gestaltet sein, ohne Scrollen auskommen und eine einfache Navigation aufweisen; und im Unterhaltungsbereich sollte eine App grafisch ansprechend gestaltet sein und vor allem auf Interaktion hin ausgelegt sein. Man sollte sich beim Entwicklungsprozess nicht daran orientieren, welche Extras man gerne verwirklichen möchte, sondern auf die wesentlichen Fragen achten: Worin liegt das eigene Differenzierungsmerkmal, welchen Ansatz will man verfolgen und welches Publikum erreichen? Die Leute lieben Neues und Verbesserungen, und bei Freigabe eines Updates kann man die Nutzer über die Einsatzmöglichkeiten informieren. Nutzen Sie die Möglichkeit von In App Purchase zur Generierung zusätzlicher Einnahmen durch Impulskäufe, aber bieten Sie in Ihrem Store innerhalb der App auch kostenlose Inhalte, weil Sie damit das Interesse der Kunden gewinnen.“

„Zeitzonen“ und Simplexity
Zwei der Empfehlungen von Philipp Sugai, dem Leiter des Mobile Consumer Lab an der Internationalen Universität von Japan, sorgten bei den Konferenzteilnehmern aus dem Mobilsektor ganz besonders für Gesprächsstoff. Zum einen schlägt er eine Festlegung von „Zeitzonen“ als Grundlage für die Konzeption von Diensten und Anwendungen vor: „Unser heutiges Leben ist sehr schnell-lebig und in hohem Maße von Terminen bestimmt. Wir hetzen von einem Termin zum anderen und wechseln zwischen Arbeit und Zuhause, Arbeit und Freizeit hin und her, doch es gibt dabei immer auch die ‚Zeiten dazwischen’ (In-Between Times). Die Inhalte und Dienste, die wir in diesen ‚Zwischenzeiten’ nutzen, müssen knapp, gut verständlich, einfach zugänglich und so konzipiert sein, dass man leicht unterbrechen kann. Am anderen Ende des Zeitzonen-Spektrums gibt es die „Premiumzeit“ (Golden Time), die gekennzeichnet ist durch eine längere, gezielte Nutzung des Mobilmediums. Inhalte und Dienste für diese Zeitzone können mehr Breite und Tiefe haben. Aus Sicht des Konsumenten kann es sich bei gleicher Tageszeit und gleichem Ort mal um ‚Zwischenzeiten’ oder mal um ‚Premiumzeiten’ handeln – je nach verfügbarer Zeit und Nutzerbedürfnis. Zwar schätzen die Nutzer die Inhalte und Dienste für ‚Zwischenzeiten’, doch das was für die ‚Premiumzeit’ konzipiert ist, sollte Vorrang haben.“ Ein weiteres zentrales Prinzip, auf das er abhebt, ist das der Simplexity: „Der Durchschnittsnutzer ist kein Technikfreak. Simplexity im Mobilbereich sollte die Technologie, integrierte Dienste, intelligente Analyse (Präferenzen, verhaltensbasiert) und eine an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Nutzer orientierte Bedienoberfläche umfassen.“
Im Folgenden finden Sie verschiedene Abbildungen zu einigen weiteren Themen, die in diesem Jahr beim Mobile Media Day zur Sprache kamen.

Edipresse nutzt alle Möglichkeiten des Mobilmediums. Marc Lamarche, der Verantwortliche für die mobilen Dienste von Edipresse, legte den Schwerpunkt seiner Präsentation auf mobile Werbung: „Die meisten unserer Inhalte sind kostenlos zugänglich, mit Ausnahme von zwei Nischenprodukten. Und das wird auch so bleiben, weil wir vom Potenzial mobiler Werbung überzeugt sind.“


- Nischen-Apps haben zwar vielleicht eine begrenzte Reichweite, doch damit lassen sich spezielle Publikumszielgruppen ansprechen, an denen die Werbetreibenden interessiert sind. Beim MMD wurden zwei Beispiele hierfür vorgestellt: Femina von Edipresse und AutoPilot von Gannett/USA Today
- Nach Angaben von Matt Jones, Vice President Mobile Strategy & Operations Gannett Digital, schätzen Werbekunden die Effizienz von vertikalen Applikationen: „Die 40.000 regelmäßigen Nutzer unserer AutoPilot-App sind beispielsweise eine attraktive Zielgruppe für einige unserer Werbekunden.“
Matt Jones ging beim MMD eingehend auf die kürzlich eingeführte iPad-App von USA Today und das entsprechende Geschäftsmodell ein. Wenige Wochen nach dem Start dieser iPad-App in den USA verzeichnete USA Today bereits 375.000 Downloads.
„Unser Ziel ist es, ein größeres Publikum zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die Nutzer mehr Zeit im Umfeld unserer Marke verbringen. Es geht nicht um die Nutzung einer anderen Plattform.“
Die RCS-Gruppe, die u.a. die Zeitungen Corriere Della Sera und Gazzetta Dello Sport herausgibt, bietet ihren Kunden die Möglichkeit, auf die Inhalte ihrer Tageszeitungen per iPhone zuzugreifen, aber auch über Apps für andere Mobilgeräte, die über die Online-Stores von Nokia (OVI), Blackberry, Vodafone und Samsung erhältlich sind. Federico Vittadello, Leiter für Mobile-Dienste bei RCS, ist mit den ersten Ergebnissen der in diesem Jahr eingeführten kostenpflichtigen Angebote zufrieden.
Das iPad ist nach Ansicht von Federico Vittadello jedoch etwas Anderes. Dies erläuterte mit der folgenden Darstellung:
