Gary Cosimini, Business Development Director bei Adobe Systems, beantwortet im Folgenden zwei zentrale Fragen für die Zukunft von E-Reading-Geräten.
WAN-IFRA: Das iPad von Apple unterstützt kein Flash. Ist HTML5 eine Alternative?
Gary Cosimini: HTML5 ist ein Standardentwurf, der sich noch in der Entwicklung befindet und der von den meisten gängigen Webbrowsern wie dem Internet Explorer noch nicht unterstützt wird. Adobe wirkt an der Arbeitsgruppe für HTML5 mit und wir werden den Standard bei unseren Autorenprogrammen wie Dreamweaver unterstützen.
Doch es ist kein Ersatz für Flash oder AIR; es handelt sich mehr um eine HTML-Weiterentwicklung. Es erfordert nach wie vor eine entsprechende Umsetzung in jedem einzelnen Browser, der diesen Standard unterstützt, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führen wird, wie das auch heute bei HTML der Fall ist. Außerdem ist eine Lizenzierung des H.264-Codec erforderlich, der nicht kostenlos angeboten wird.
Flash ermöglicht ein breites Einsatzfeld in den Bereichen Vektorgrafiken, Typografie, Nutzerinteraktion und Video und bietet entsprechende Tools für die Schaffung dieser Nutzererlebnisse – wie Flash, Flash Builder (früher bekannt als Flex Builder), Catalyst und InDesign – die es für HTML5-Anwendungen nicht gibt. Darum wird Flash bei Millionen von Websites eingesetzt und bei praktisch allen Formen von Rich-Media-Werbung.
Letztlich lässt sich die Ansicht, dass HTML5 ein Ersatz für Flash oder AIR sei, kaum stützen.
WAN-IFRA: Ist eine Light-Version von Adobe Air denkbar, um kreative Möglichkeiten für High-End-Lesegeräte zu eröffnen?
G. Cosimini: Das Interesse an E-Reading nimmt rasant zu. Dies ist sicherlich zum großen Teil auf die Markteinführung des iPad zurückzuführen, aber im gleichen Maße auch auf die zunehmende Zahl reiner Lesegeräte. Geräte mit dem Reader Mobile SDK (RMSDK) unterstützen durchgängig das EPUB- und das PDF-Format und, sofern der Gerätehersteller dies ermöglicht, auch die Interoperabilität zwischen Geräten sowie die digitale Rechteverwaltung mit Adobe Content Server. Mehr als 25 Gerätehersteller weltweit haben sich für RMSDK entschieden und mehr als 100 Content-Anbieter nutzen Adobe Content Server. Die Zahl der verschiedenen Lesegeräte mit RMSDK steigt fast täglich.
Für 2010 und 2011 ist mit vielen neuen Geräten vom Slate-Typ zu rechnen. Anders als die derzeitige Generation von Handheld-Lesegeräten werden diese Slates über berührungsempfindliche Farbdisplays und die Möglichkeit verfügen, Flash- und AIR-Anwendungen auf Betriebssystemen wie Android 2 und Windows 7 zu nutzen. Natürlich arbeitet Adobe daran, Vollversionen von Flash und AIR auf so vielen Geräten wie möglich verfügbar zu machen, und ich denke, Sie werden vom Ergebnis beeindruckt sein. Dies wird ein großer Schritt gegenüber dem sein, was derzeit von Apps für Geräte wie dem iPad geboten wird.
Das Problem mit dem Einsatz von AIR auf der derzeitigen Generation von E-Ink-Geräten liegt darin, dass die reichhaltigen Funktionalitäten, die AIR-Anwendungen so attraktiv machen – Farbe, Animation, gestenbasierte Navigation und Interaktion, Video, direkter Webzugang – einfach aufgrund der Hardware nicht verfügbar sind. AIR wäre darum weniger leistungsfähig als das RMSDK. E-Reading-Geräte der nächsten Generation werden vermutlich alle über Touchscreens und Light-Betriebssysteme auf Linux- oder Android-Basis verfügen und dann auch AIR-Anwendungen unterstützen.
