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Indiens Marktdynamik

Tue, 2010-06-22 18:09 — WAN-IFRA

Article ID:
11364

Mit Blick auf die Jahreskonferenz WAN-IFRA India 2010 (15.-16. September in Jaipur), haben wir mit Brancheninsidern gesprochen, um einen besseren Einblick in die derzeitige Lage der indischen Zeitungsbranche zu gewinnen. Norbert Ohl, Geschäftsführer der ppi Media GmbH, erläutert, wie der in Deutschland beheimatete Systemanbieter es geschafft hat, in diesem Wachstumsmarkt Fuß zu fassen, und was das Zeitungs-Publishing in Indien so einzigartig macht.

WAN-IFRA: ppi ist seit geraumer Zeit in Indien präsent, insbesondere bei der Times of India und der Hindustan Times. Was haben Sie – vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrung – in Bezug auf Innovation und Arbeitsweisen in Indien gelernt?

Norbert Ohl: Sechs der zehn führenden Medienhäuser in Indien sind Kunden von ppi Media. Doch dies ist nicht deren einzige Gemeinsamkeit. Ihnen allen gemeinsam ist ein fast unbegrenzter Optimismus. Während Medienunternehmen überall sonst in der Welt mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben, ist die Branche in Indien von Wachstum bestimmt.

Die indischen Verlage haben eine glänzende Zukunft vor sich und die meisten von ihnen folgen der Devise, dass das was heute gut ist, morgen noch besser sein kann. Trial-and-Error ist daher eine beliebte Geschäftsstrategie. Regelmäßig werden neue Zeitschriften und Zeitungen eingeführt, beobachtet und getestet. Wenn die Zahlen gut sind, überleben sie, wenn nicht, werden sie eingestellt. Eine solche Strategie ist derzeit in Europa oder den USA undenkbar.

WAN-IFRA: Nach meinem Eindruck scheut der indische Markt auch keine Zukunftsinvestitionen. Wie würden Sie die Investitionsstrategien in Indien beschreiben?

N. Ohl: In Indien wird Geld mit Print verdient. Und je stärker die lokale Ausrichtung der Zeitungen, desto erfolgreicher ist Print. Der indische Zeitungsmarkt wird zurzeit von zwei wesentlichen Faktoren bestimmt: dem Trend zur betont lokalen Ausrichtung und dem zur Automatisierung des Anzeigen-Workflows.

Ziel der hyperlokalen Strategie ist es, die Zahl der Leser im gesamten Land zu erhöhen. Daher werden neue Druckereien in Betrieb genommen und Investitionen in Software-Lösungen getätigt. Von noch größerer Bedeutung aus ökonomischer Sicht sind die Anzeigen- und Werbeeinnahmen. Da die Exemplarpreise niedrig sind, werden Einnahmen vorwiegend mit Anzeigen und Werbung generiert. Indische Medienhäuser benötigen daher Lösungen für die Optimierung des Werbemittelverkaufs, der Werbemittelproduktion und der Vernetzung der Standorte. Es gibt da eine Anekdote, die das wohl am besten illustriert. 2003 war Debashish Ghosh als Gastredner bei den ppi Open Days vertreten. Er wurde gefragt, warum die Times of India sich für die verhältnismäßig teuren Lösungen von ppi Media entschieden hatte, um ihren Redaktions- und Anzeigenworkflow zu automatisieren, wo Arbeitskräfte in Indien doch so billig seien. Ghosh antwortete, dass die Reduzierung der Arbeitskosten zwar ein ausgezeichneter Nebeneffekt sei, aber nicht der eigentliche Grund für die Entscheidung zugunsten von ppi Media. Dass die ganze Investition ein so unglaublicher Erfolg sei, läge an etwas anderem. Vor der Einschaltung von ppi lag der Schlusstermin für Anzeigen, die in mehr als einer Lokalausgabe der Times of India erscheinen sollten, bis zu 36 Stunden vor dem Andrucktermin. Mit den ppi-Lösungen hat sich diese Zeitspanne auf eine Stunde vor dem Andruck verkürzt.

WAN-IFRA: Was bedeutet es hinsichtlich der Markterweiterung für ppi, in Indien vertreten zu sein?

N. Ohl: Indien ist einer der am schnellsten wachsenden und bedeutendsten Märkte von ppi. Dabei begann alles mit einem Zufall. Die Times of India war auf der Suche nach der besten Lösung für eine Zeitungsproduktion nach neuestem Stand der Technik. Dabei stieß sie auf ppi. Diese hochprofessionelle Kooperation setzt sich bis heute fort und hat uns die Tür zu einem großen Markt geöffnet – Asien! Derzeit stehen wir mit mehreren Medienhäusern auf dem Kontinent in Verhandlung und sind sehr optimistisch, dass wir eine Reihe von Aufträgen erhalten werden.

In unserer November/Dezember-Ausgabe wird ein Best Practice-Bericht über die Times of India erscheinen, die in großem Umfang Lösungen von ppi einsetzt.

 

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