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25 Jahre ppi Media

Wed, 2009-08-05 09:05 — TheSpooner

Article ID:
10297

INTERVIEW

mit den Geschäftsführern der ppi Media GmbH, Norbert Ohl und Martin Ruhle

Interview mit den beiden Geschäftsführern der ppi Media GmbH, Norbert Ohl und Martin Ruhle:

Vor 25 Jahren gab es Redaktionssysteme, aber noch keinen Ganzseitenumbruch, der diesen Namen verdiente. Es gab Anzeigensysteme, die Kleinanzeigen verwalten und sortierten Fahnensatz belichten konnten. Wie fing es an mit ppi, damals noch Pape + Partner Informationssysteme GmbH? Wer oder was war der Auslöser für Ihre Erfolgsgeschichte?

Peter Pape war und ist ein Visionär. Das Streben nach Fortschritt prägt ppi Media seit dem Gründungstag. Unsere Tradition ist seit 25 Jahren die Innovation.
Angetrieben von der Idee, die Produktionsautomatisierung im Verlags- und Drucksektor voranzutreiben, entwickelte Peter Pape ab 1985 Software zur Optimierung der Zeitungsplanung und -produktion. Zeitersparnis und eine signifikante Kostenreduzierung waren Ergebnisse in der Praxis. Das Konzept ging auf, und aus dem 7-Mann-Betrieb von vor 25 Jahren ist heute ein global agierendes Unternehmen mit über 160 Mitarbeitern geworden.
Die Kolleginnen und Kollegen an unseren drei Standorten Hamburg, Kiel und Chicago arbeiten rund um die Uhr daran, neue Lösungen zu realisieren. Wir entwickeln uns täglich weiter. Lassen Sie uns daher lieber über eine aufregende und aufgabenreiche Zukunft als über die Vergangenheit sprechen.

Heute gehören Ihre Systemlösungen zur Benchmark für Softwarelösungen im Bereich Blattplanung, Anzeigenproduktion und Produktionsverfolgung. Woran liegt das? Was können Sie anscheinend besser als andere?

Mit unseren 160 Mitarbeitern sind wir sicherlich kein Branchenriese. Was ich aber sagen kann, ist, dass alle bei ppi daran arbeiten, den Zeitungsworkflow sukzessive zu verbessern. Wir haben uns früh auf genau dieses Ziel festgelegt, Themen wie die automatisierte Blattplanung als erste besetzt und konsequent und kontinuierlich weiterentwickelt. Anders als die Großen sind wir Spezialisten. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Planung und Produktion von Printmedien, ohne dabei den wichtigen Blick über den „Zeitungsrand“ hinaus zu einem stark wachsenden Internet zu vergessen.
Das Internet zwingt die Verlage derzeit massiv zum Umdenken. Crossmediale Anzeigenkampagnen werden verstärkt nachgefragt. ppi hat mit AdInvent ein medienübergreifendes Anzeigenmanagementsystem zur Disposition von Werbeformaten für Online, Print und Mobile entwickelt. Wir haben damit eine Lösung auf den Markt gebracht, die eine Antwort auf die sinkenden Gewinne der Branche gibt und Verlage stark für die Zukunft macht.

Lange Zeit haben Sie Ihre Produkte im deutschsprachigen Raum vertrieben, plötzlich erhielten Sie mit der „Times of India“ Ihren ersten großen Auftrag in Asien. War das eine strategische Entscheidung?

Die Times of India ist ein ganz besonderer Kunde und außerdem das beste Beispiel dafür, dass aus Zufall eine strategische Ausrichtung werden kann. Debashish Ghosh, CIO der Times of India, hat weltweit nach den besten Lösungen für eine moderne Zeitungsproduktion gesucht. Nach intensiver Prüfung hat man sich für ppi entschieden. Seit 2001 besteht zwischen uns als Softwareanbieter und der Times of India eine hochprofessionelle und in vielerlei Hinsicht vorbildliche Zusammenarbeit. Inzwischen zählen die wichtigsten Indischen Verlage zum ppi-Kundenstamm. Eine Entwicklung, auf die wir sehr stolz sind.

Heute ist ppi Media ein weltweit tätiges Unternehmen, das auf fast allen Kontinenten zu Hause ist, wobei sich das Geschäft in den USA erst relativ spät entwickelt hat. Worin sehen Sie die Gründe dafür?

ppi Media ist bereits seit über zehn Jahren auf dem amerikanischen Markt vertreten. Sicherlich hat es einige Zeit gedauert, bis wir die Entscheider von unseren Produkten überzeugen konnten. Aber ist eine gewisse Skepsis gegenüber Neuem nicht normal?
Nachdem wir 2000 den ersten amerikanischen Kunden für unsere abteilungs- und prozessübergreifenden Lösungen gewinnen konnten, geht es nach den turbulenten wirtschaftlichen Zeiten, die der 11. September 2001 mit sich brachte, seit 2003 in großen Schritten nach vorn.
Heute zählen unter anderem die New York Times Media Group oder die kanadische Canwest zu unseren Kunden in Nordamerika.

ppi Media ist langjähriges IFRA-Mitglied und hat sich aktiv in Arbeitsgruppen zur Standardisierung eingebracht. Welche Rolle spielen Standards im Produktdesign der ppi-Lösungen?

Wir freuen uns, dass die IFRA das Thema Standardisierung seit Jahren beispielhaft vorantreibt. Wir sind bekannt als der „Integrator“. Standards sind für uns daher enorm wichtig und sie erleichtern unsere Arbeit. Auch Kunden profitieren im großen Maße von Standardisierung im Bereich Software. So können beispielsweise normierte Anwendungen viel schneller und leichter gegen neue, modernere Lösungen ausgetauscht werden.
Doch nicht nur beim Kunden, auch intern nutzen wir Standardschnittstellen, und das sogar ausschließlich. Sollten Kunden keine Normschnittstelle verwenden, nutzen wir einen Konverter, so dass intern sichergestellt ist, dass alle Schnittstellen der Norm entsprechen.

Seit 2002 gehört ppi Media zu manroland. Welchen Einfluss hat diese Konzernzugehörigkeit auf die Produkt- und Geschäftsentwicklung?

Bereits vor 2002 haben mehrere Häuser eine Beteiligung an ppi Media angestrebt. Es lagen einige Angebote auf den Schreibtischen der Geschäftsführung. Dass es zu der Mehrheitsbeteiligung der manroland AG gekommen ist – Peter Pape, Martin Ruhle und ich sind Minderheitsgesellschafter – liegt an der Qualität des Angebots. manroland wollte ppi als starken, eigenständigen Softwarepartner, der wie ein selbstständiger Mittelständler auf dem Markt agiert. Und das tun wir auch.
Die Produktentwicklung wird sowohl vom technischen Standard als auch von der fachlichen Auslastung durch ppi Media selbstständig gesteuert und verantwortet.
Die Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern ist bis heute geprägt von einer konstruktiven Kooperation. manroland ist für uns ein wichtiger Türöffner auf den internationalen Märkten.
ppi beliefert jedoch auch weiterhin Kunden, die Druckmaschinen anderer Hersteller einsetzen.

Unter dem Code-Namen „felix“ wurde der Versuch unternommen, auch den redaktionellen Workflow und in das Produktportfolio von ppi Media zu übernehmen. Das Projekt wird nicht mehr weiter verfolgt. Können Sie uns etwas über die Gründe erzählen, die dazu geführt haben?

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Konzept „felix“ gestimmt hat, obwohl Sie natürlich recht haben und das Projekt derzeit nicht weiter verfolgt wird. Die technischen Grundlagen und Innovationen von „felix“ leben jedoch in anderen ppi-Neuentwicklungen weiter. Die InDesign-Integration oder unsere iPhone-Applikation AdInvent basieren in wesentlichen Dingen auf „felix“-Technologien.
Wir haben aus „felix“ viel gelernt, vor allem, dass die Arbeit nicht umsonst gewesen ist.

Das CCC-Konzept (Customer Centric Communication) der IFRA will Verlage dabei unterstützen, den Anzeigenverkauf cross-medial zu gestalten und sich als Media-Agentur für den Werbungtreibenden zu positionieren, der nicht nur die eigenen Werbeplattformen verkauft. Wie weit unterstützt AdInvent einen Verlag auf dem Weg in diese Richtung schon jetzt und was ist noch zu erwarten?

Wo vor einigen Jahren noch Print und TV marktführend waren, gewinnen heute das Internet und Mobile-Dienste an Bedeutung. Informationsbeschaffung wird aktueller, schneller, interaktiver und stellt Verlage vor große Herausforderungen. Mit sinkender Leserzahl werden Printanzeigen weniger nachgefragt, doch die Preise auf den wachsenden Internetplattformen und bei den Online-Angeboten sind so niedrig, dass sie den Gewinneinbruch nicht auffangen können.
Wir sehen eine große Chance in diesen Herausforderungen. Warum nicht alle Medien kombinieren und dem Anzeigenkunden neue Möglichkeiten, wie die erwähnten Premium Packages, anbieten? Mit AdInvent haben wir eine Software entwickelt, die Brücken baut und eine moderne Informationsbeschaffung via Handy, E-Book oder Laptop mit der gemütlichen Zeitungslektüre am Frühstückstisch verbindet. Anzeigenkunden erreichen somit schnell, einfach und umfassend ihre Zielgruppen und die Verlage verkaufen wieder Anzeigen.
Wir sind mit AdInvent schon einen Großteil des Weges gegangen und doch liegt noch viel Entwicklungsarbeit vor uns. Denn auch nach der überstandenen Medienkrise werden weiter spannende Aufgaben auf uns warten.

Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte
Harald Löffler
Research Manager
IFRA GmbH & Co. KG
Business Unit Editorial, Advertising and General Management.
 

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