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Bürgerjournalismus: Debatte zur Beitragsvergütung

Fri, 2005-12-16 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
1559

Ein Sprichwort lautet: „Qualität hat ihren Preis“. Und so dreht sich die Diskussion über den Bürger­journalismus neuerdings um die Frage, ob kommerzielle Pub­lishing-Unter­nehmen die Beiträge von freiwilligen Reportern vergüten sollten, wenn sie diese ver­wenden.

Be­für­worter einer Vergütung von Bürger­journalisten argumentieren, diese sei nur gerecht, könne auch auf nicht-mone­täre Weise erfolgen und werde sich langfristig auszahlen, da die besten Beitrags­lieferanten dadurch angeregt werden, die Quantität und Qualität ihrer Beiträge zu steigern. Gegner sagen, eine Vergütung, insbesondere in Form von Geld, bewirke eine falsche Motivation in Bezug auf das, was Bürger­journalisten tun, und berge das Risiko, jeden Handy-Besitzer in einen potenziellen Paparazzo zu verwandeln, der darauf aus sei, ein Foto zu machen, das er verkaufen könne.

„Das ist ein heikles Thema“, sagt Joe Breen, Managing Editor für die Bereiche Produktion, Präsentation und Design bei der Irish Times, Dublin, Irland. „Ich denke, wenn man jemanden bittet oder beauftragt, etwas zu tun, dann hat derjenige auch eine Bezahlung verdient. Wenn jemand hingegen von sich aus etwas liefert, beispielsweise einen Text oder ein Bild, und dieses verwendet wird, dann ist es die Zeitung bzw. Website, die dem Bürger­journalisten einen Gefallen erweist, da sie ihm eine Plattform für seine Beiträge bietet. Wo soll das hinführen? Sollen Reporter einem Experten, den sie ausgiebig zitieren, ein Honorar zahlen? Soll man von einem Reporter erwarten, dass er einem Augenzeugen, den er für seine Story befragt, eine Vergütung zahlt? Sollen Leute, die online oder per Leserbrief Reaktionen zu Storys beitragen, bezahlt werden? Ich denke nicht.” (Vollständiges Interview: hier)

George Brock von der Londoner Times sieht die Sache weniger kompliziert: „Eine Vergütung hängt ganz vom Wert des Materials ab, das ist nichts Neues. Sie haben das Recht darum zu bitten, wir haben das Recht, einzuwilligen oder abzu­lehnen.“

Paul Horrocks von der Manchester Evening News kommentiert kurz und bündig: „NEIN“.

Ob Publisher Beiträge von Bürger­journalisten vergüten wollen oder nicht, sie werden unter Umständen keine Wahl haben, wenn jene freiwilligen Reporter beschließen, sich einen Agenten zu suchen, der für sie den Preis aushandelt, bevor die Ware übergeben wird, insbeson­dere wenn es um ein wie eh und je heiß begehrtes Nach­richten­element geht: das Exklusiv­foto.

Mindes­tens drei Unter­nehmen sind in den letzten Monaten speziell auf Basis dieses Geschäfts­modells entstanden. Spy Media (www.spymedia.com), gegründet von Tom Quinn, dem früheren Präsidenten von Novell, Scoopt (www.scoopt.com) und Cell Journalist (www.celljournalist.com) – sie alle bieten an, für Bürger­journalisten, die über stark gefragte Bilder verfügen, die Vermittlung an Nach­richten­medien zu übernehmen, die bereit sind, für diese Bilder zu zahlen.

Soweit zum Bürger­journalismus als Alternative zu den kommerziell denkenden „MSM“ (Mainstream-Medien).

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