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IFRA Expo 2010 Vorschau: Expo-Expertentipps

Mon, 2010-07-19 13:31 — WAN-IFRA

Article ID:
11398

Die IFRA Expo 2010 – 4. bis 6. Oktober in Hamburg – rückt näher. Daher werden im WAN-IFRA Magazine einige wichtige Themen rund um die Zeitungsproduktion, die Messebesucher im Auge behalten sollten, näher beleuchtet. Wir haben unsere Experten gebeten, die Schlüsseltrends in ihren jeweiligen Fachgebieten aufzuzeigen. Dies ist der erste Teil ihrer Berichte aus unserer vor Kurzem veröffentlichten Juli/August-Ausgabe. Teil 2 folgt in der Anfang September erscheinenden September/Oktober-Ausgabe.

Automation des Prepress-Workflows

Die Zeiten in der Zeitungsproduktion mit hoher Personalausstattung und einer Vielzahl von Einzelarbeitsplätzen für Texterfassung, Bildbearbeitung und Retusche sowie individueller Seitenbearbeitung sind lange vorbei. Kostendruck und Rationalisierung in Kombination mit fortschrittlichen IT-Lösungen erlauben die Installation eines integrierten Workflows, der nur noch in Teilbereichen manuelle Eingriffe vorsieht.

Das anschließende Datenhandling kann weitgehend automatisiert erfolgen. Am Markt existierende Software und Workflow-Systeme machen Personal überflüssig für die Produktionsschritte ab der Online-Anzeigenanlieferung bis hin zur Druckplattenherstellung. Datenbankgestützt und basierend auf einer individuellen Job-Nummer kann die Anzeigenanlieferung erfolgen, mit anschließender drucktechnischer Optimierung der Datei und datenbankgestützter Platzierung der Anzeige am gewünschten Erscheinungstag.

Als mandantenfähiges System ist eine Datenbank in der Lage, mehrere bzw. beliebig viele Titel zu verwalten. Die verfügbaren Systeme zur Bildoptimierung, insbesondere bei integrierter EXIF-Auswertung, ermöglichen einen hohen Qualitätsgrad. Angesichts der Masse und qualitiver Inhomogenität des Bildmaterials ist eine Optimierungssoftware ein hilfreiches Werkzeug. Im Redaktionssystem erfolgt die Vervollständigung der Seiten; die unterschiedlichen Systeme ermöglichen spezifische Automatisierungs- und Publikationsmöglichkeiten. Ein Pre-Flight-Check der vollständigen Seiten, evtl. Ink-Saving, Trapping, Fan-out-Korrektur etc., können über entsprechende Server oder direkt beim RIP-Prozess berücksichtigt werden. Softproofing auf einem Monitor direkt an der Druckmaschine, idealerweise von den gerippten Daten, ermöglicht eine kostengünstige Endkontrolle und vereinfacht die Farbeinstellung an der Druckmaschine. Grundsätzlich sollte jedes dieser Softwareprodukte in der Lage sein, die Daten an die Voreinstellungroutinen der Druckmaschine zu übergeben.

Auf der IFRA Expo in Hamburg finden Sie eine Vielzahl von Anbietern dieser Systeme, welche Ihre Druckvorstufe sicher und gleichzeitig qualitativ hochwertig ausstatten. – Von Roland Thees (roland.thees@wan-ifra.org)

Automatische Farbmessung und Dichteregelung

In den meisten Druckereien regeln Drucker die Farbe bzw. Dichte nur visuell. Einige Zeitungen haben Druckkontrollelemente in ihr Layout integriert, um eine bessere Qualitätskontrolle zu erreichen. Am effektivsten ist die Verwendung von Graubalance-Keilen, die idealerweise über die Breite der gesamten Papierbahn (außer bei zonenlosen Farbwerken) angeordnet werden.

Solche Graubalancestreifen können durch weitere Kontrollelemente ergänzt werden, die z. B. mit einem Spektralfotometer im Bezug auf Farbe und Dichte ausgewertet werden. Viele Techniker befinden sich in einem Dilemma, weil sie keine Kontrollelemente verwenden dürfen (Redaktion und Verlag sträuben sich), aber auf der anderen Seite eine immer höhere und konstante Qualität von ihnen gefordert wird.

Der stark zunehmende Einsatz von Softproof-Systemen an Rotationsleitständen ist eine Variante, um hier Verbesserungen zu erwirken. Eine zweite Möglichkeit stellt der Einsatz von Mess- und Regeltechnik dar. Lange Zeit hat man sich mit Messgeräten, die im Offline-Betrieb verwendet wurden, beholfen.

Die Akzeptanz derartiger Lösungen war bei Zeitungsdruckern jedoch immer sehr begrenzt. Daher arbeiten mehrere Hersteller seit einigen Jahren an einer für den Zeitungsleser unsichtbaren und weitestgehend automatisierten Lösung: Eine Inline-Messung von Graubalancestreifen wird nun durch Messungen direkt im Sujet abgelöst. Dabei werden Solldaten aus der Druckvorstufe verwendet und mit Messdaten, die inline gemessen wurden, verglichen. Neben der schnelleren und automatisierbaren Regelung bietet die Inline-Messung im Druckbild noch weitere Vorteile: Sie erlauben das Verifizieren, ob die Druckplatten an den richtigen Positionen platziert wurden, die fortwährende Dokumentation des Qualitätsniveaus und stellen geringere Anforderungen an das Bedienpersonal.

Aufgrund der schnelleren Reaktionszeit werden sich vermutlich Systeme am Markt durchsetzen, die nicht traversieren, sondern die gesamte Bahnbreite gleichzeitig z. B. auch beim Hochlauf der Rotation auswerten und steuern können. Um Metamerieeffekte zu minimieren, wäre es wünschenswert, wenn anstelle von RGB-Kameras Spektralfotometer mit möglichst engen Bandbreiten zum Einsatz kommen. Alternativ kann eine genaue Farbmessung mittels der Bestrahlung der Bahn mit spektral schmalbandigem Licht verschiedener Wellenlängen erfolgen. Eine derartige Messung kann die Steuerung der Farbgebung komplett übernehmen, sodass der Zeitungsdruck ohne Drucker möglich wird. – Von Moritz Schwarz (moritz.schwarz@wan-ifra.org)

Automatische Rollenlogistik

Die Lagerung und der Transport von Papierrollen erfolgt besonders in Hochlohnländern zunehmend ohne Gabelstapler- und Personaleinsatz. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde die Automatisierung in diesem Bereich der Zeitungsproduktion in Angriff genommen. Anfang der 90er Jahr wurden zunehmend mehr Anlagen so konzipiert, dass man von einer Vollautomatisierung der Papierlogistik sprechen kann. Damals wurden einige ebenerdige Lager, die zum Teil auch heute noch mit Kransystemen bedient werden, realisiert. Der Flächenbedarf und folglich auch die Baukosten sind bei Hochregallagern allerdings günstiger, sodass sich diese Form der Papierlagerung zunehmend durchgesetzt hat.

Papierlagerkapazitäten werden bei neuen Druckereien oft minimiert, da sich der Just-in-Time-Gedanke mit der einhergehenden Reduzierung der Kapitalbindung zunehmend durchsetzt. Bei der Auslegung der Lagerkapazität ist man gut beraten, auch ungewöhnliche Produktionssituationen mit ins Kalkül zu ziehen, da Planungsfehler in diesem Bereich zu erheblichen Produktionseinschränkungen oder z. B. zu sehr kostspieligen nachträglichen Veränderungen am Gebäude führen können. Ähnliches gilt auch bei der Planung der internen Transportkapazität. Innerhalb eines Begutachtungsprojekts hatten wir vor einiger Zeit bei WAN-IFRA einen Fall analysiert, bei dem ein auf AGVs basierendes Papierlogistiksystem nicht mit der Kapazität der schnell laufenden Druckmaschinen mithalten konnte und daher entweder langsamer gedruckt werden musste oder der Papiertransport nur mit manuellem Rollentransport zu bewerkstelligen war.

Der Trend zu größeren Rollen (breiter – für dreifachbreite Rotationen – und mit mehr Durchmesser) reduziert die erforderliche Rollentransportkapazität. Die Nutzung einer dreifachbreiten Rotation bedeutet, dass die Bereithaltung von zwei weiteren Rollenkategorien (Rollenbreiten: 5/6 und 6/6) gegenüber von doppelbreiten Maschinen nötig und das Lager dadurch entsprechend auszulegen ist. Das Gewicht der breiteren bzw. dickeren Rollen (bis zu 3 Tonnen) führt dazu, dass der manuelle Transport in der Regel abgelöst werden muss. Dies alles muss man bei der Gesamtplanung einer Druckerei berücksichtigen.

Neben dem Transport im Lager bzw. Tageslager kann die Automatisierung auch beim Auspacken und Vorbereiten der Papierrollen zum Tragen kommen. Eine wesentliche Vereinfachung dieser Arbeitsschritte brachte die Entwicklung der geraden Klebestelle und der Multifunktionsklebebänder, welche seit Jahren mit gutem Erfolg weltweit eingesetzt werden.

Neben der möglichen Einsparung von Personal sollte man beim Eruieren der Automationsmöglichkeiten in diesem Bereich auch das Potenzial der Makulaturreduktion berücksichtigen, die durch eine Automatisierung der Papierlogistik möglich wird. – Von Moritz Schwarz (moritz.schwarz@wan-ifra.org)

Ink-Saving

Farbeinsparungssoftware in der Druckindustrie ist seit langem aus dem Experimentierstadium für Datenhandling- und Vorstufenspezialisten herausgewachsen. Viele Systemanbieter von Softwareprodukten für Redaktion, Bildbearbeitung, Prepress und RIPs bzw. Belichtersysteme haben eine Anwendung im Portfolio, die den Einsatz eines eigenen Ink-Savers oder einer Fremdsoftware ermöglicht. Das Einsparpotenzial beim Farbverbrauch ist unbestritten; im Durchschnitt aller Anbieter und unter Berücksichtigung von Praxiserfahrungen sind ca. 15 % Einsparung an Druckfarbe eine realisierbare Größenordnung. Die Kosteneinsparung ist jedoch nur ein Aspekt von mehreren. Die technischen Vorteile sind ebenfalls gravierend. Die Gefahr des Ablegens und Abschmierens ist geringer, der verminderte Farbauftrag sorgt für eine verkürzte Trocknungszeit (eigentlich Wegschlagzeit) und zusätzlich für geringeres Durchscheinen. Selbst der störende Farbnebel in der Maschine wird weniger. Insgesamt wird die Druckproduktion dadurch einfacher und qualitativ hochwertiger.

Die kommende IFRA Expo bietet eine gute Gelegenheit, die entsprechenden Anbieter detailliert nach den Möglichkeiten ihrer Software zu befragen. Die breite Auswahl an Produkten macht die Entscheidung nicht einfacher, insbesondere die richtige Einbindung der Ink-Saving-Software in den Workflow bedarf einiger Planung.

Anwendbar ist Ink-Saving bereits bei der Bildkonvertierung über ein entsprechendes ICC-Profil als reine Bildoptimierungslösung. Nach dem Erstellen der Ganzseiten im Redaktionssystem kann ein Ink-Saver die gesamte redaktionelle Seite mit allen Elementen optimieren. Ink-Saving kann sich ausschließlich auf Anzeigenseiten beziehen und dadurch Bestandteil des Preflight-Checks sein. Sofern eine Datenbereinigung mit drucktechnischer Optimierung aller Zeitungsseiten vor dem RIP-Prozess im Workflow vorgesehen ist, kann diese Prozedur um Ink-Saving erweitert werden; dieser Vorgang bedingt meist einen eigenständigen Server. Abschließend kann Ink-Saving ein integraler Bestandteil des RIP-Prozesses sein, wobei darauf zu achten ist, dass alle RIPs gleichartig ausgestattet sind.

Unternehmensspezifisch und individuell muss festgelegt werden, an welcher Stelle im Workflow der Ink-Saver eingebunden werden sollte. Basierend auf diesen Vorüberlegungen und der Identifikation der möglichen Systempartner lässt sich der Anbieterkreis eingrenzen. Im nächsten Schritt sollte mit Echtdaten aus der Produktion geprüft und die Optimierungsergebnisse durch einen Testdruck verifiziert werden, um aussagekräftige Ergebnisse vor der Investitionsentscheidung zu bekommen. Professionelle, marktübliche Software bewegt sich in einem Preisrahmen von unter 10 000 bis über 20 000 Euro. Die Kosten für Hardware und Schulung sind zusätzlich zu berücksichtigen. Je nach bisheriger Bildqualität, Auflagenhöhe und Farbkosten ist ein ROI von unter 12 Monaten möglich. – Von Roland Thees (roland.thees@wan-ifra.org)

Alles öko?

Schon 1995 beginnt ein WAN-IFRA Special Report (6.17) mit der Aussage „Der Umweltschutz nimmt heute in der Unternehmenspolitik von Fertigungsbetrieben den gleichen Rang ein wie z. B. die Produktqualität, die Wirtschaftlichkeit und die Sicherheit von Mensch und Maschine.“ Heute sind Schlagworte wie Umweltfreundlichkeit, Ökologie und grünes Drucken präsenter den je.

Aber was bedeutet das wirklich? Worin bestehen ökologisch orientierte Maßnahmen (bezüglich Emission, Abwasser, Abfälle, Ressourceneinsatz usw.) für Druckereien, Verlage, Zulieferindustrie und Rohstoffproduzenten?

Zunächst geht es darum, Naturressourcen zu managen und negative Umwelteffekte zu minimieren. Makulaturreduzierung und Einsparung von Verbrauchsmaterialien sind nicht erst angesichts des Klimawandels ein Thema – wenngleich früher eher die Ökonomie zum Handeln motivierte.

Ein Blick auf das Stoffflussschema einer Druckerei zeigt auf der Input-Seite die Ressourcen (Energie, Wasser) und Farbe, Papier sowie Hilfs- und Betriebsstoffe und auf der Output-Seite das Druckprodukt und Abfälle, Abwasser, Emissionen. Man sollte sich die Prozesse in der Druckerei anschauen und evaluieren, wo es Ansatzpunkte für mehr Umweltmaßnahmen, materialseitige Einsparpotenziale gibt.

Umweltfreundliches Produzieren, beginnt mit einem umweltbewusstem Management. Beispiele für nachhaltige Maßnahmen von Druckereien sind ein optimierter Druckfarbeneinsatz und somit eine Minimierung der Farbabfälle, Druckplattenrecycling, Papierrecycling, Einsatz von umweltfreundlichen Materialien, Energieregelungssysteme für den optimierten Verbrauch von Strom und Heizenergie, Einsatz erneuerbarer Energien, Einsparung von Emissionen (z. B. durch emissionsarme Reinigungsmittel), umweltfreundliche Transportlösungen und eine optimierte Logistik.

Eine effiziente Ausnutzung von Energie und Material bringt auch finanzielle Einsparungen!

Unternehmen, die ein echtes nachhaltiges Engagement zeigen und das aktiv nach außen kommunizieren, werten damit ihr Image auf und überzeugen den Verbraucher. Die Messe gibt die Gelegenheit den Kunden zu überzeugen. Konkrete „grüne“ Angebote gilt es auf der Messe nachzufragen. – Beatrix Beckmann (beatrix.beckmann@wan-ifra.org)

Ein Focus-Bericht zum Thema „Grün produzieren“ ist im WAN-IFRA Magazine, Ausgabe April 2008, erschienen.

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