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Interview mit Andreas Funke zum Thema Rotationsheftung
Wed, 2010-09-29 14:36 — Charlotte Janis...
- Article ID:
- 11475
IFRA Expo 2010
Andreas Funke ist Vice President EMEA bei Tolerans AB, Hersteller von Speedliner Rotationsheftaggregaten für den Einsatz in der Zeitungs- und Semicommercial-Produktion.
WAN-IFRA: Zeitungen sind traditionell nicht geheftet. Wann ist das Heften nötig bzw. von Vorteil?
ANDREAS FUNKE: Das Heften von Zeitungen im Tabloid-Format ist grundsätzlich ein Vorteil. Die einzelnen Zeitungsbögen fallen nicht auseinander, was die Lesefähigkeit des Produktes entscheidend erhöht. Auch wird die Haltbarkeit der Zeitung durch die Heftung verbessert, die Zeitungen können auch von vielen Personen nacheinander gelesen werden, ohne dass die Struktur der Zeitung verloren geht; ein wesentlicher Vorteil bei Gratiszeitungen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln gelesen werden. Die Heftung ist bei Gratiszeitungen deshalb oft nötig bzw. sogar vorgeschrieben, damit diese an öffentlichen Plätzen überhaupt verteilt werden dürfen. Das Einsammeln der gelesen Zeitungen wird erheblich vereinfacht. Ein wesentlicher Vorteil auch aus Umweltgründen. In Schweden sind seit 2004 alle überregionalen Zeitungen sowie der Großteil der regionalen Zeitungen im gehefteten Nordischen Tabloid Format. Die großen Tageszeitungen wie Dagens Nyheter oder Svenska Dagbladet bestehen aus mindestens drei, an manchen Tagen vier bis fünf gehefteten Sektionen. Ein Vorteil der Heftung: Auch im Tabloid Format muss die Zeitung ihre Buchstruktur nicht aufgeben, da die Sektionen geheftet werden können und dadurch separiert werden. Natürlich müssen die Produktionsmöglichkeiten dies erlauben.
WAN-IFRA: Man kann in der Rotation oder im Versandraum heften. Welche Vor- bzw. Nachteile haben diese unterschiedlichen Ansätze?
A. FUNKE: Der Vorteil der Rotationsheftung liegt auf der Hand: Die Heftung erfolgt bei voller Druckmaschinengeschwindigkeit ohne Produktionseinbußen; ein zusätzlicher Arbeitsgang wird vermieden. Preislich sind Rotationsheftaggregate deutlich günstiger als integrierte Aggregate im Versandraum.
WAN-IFRA: An welchen Stellen in der Rotationsmaschine kann geheftet werden und welche Möglichkeiten der Produktgestaltung ergeben sich daraus?
A. FUNKE: In erster Linie entscheiden die Platzverhältnisse in der Druckmaschine. Grundsätzlich unterscheidet man beim Rotationsheften in Strangheftung und Lagenheftung. Stranghefter werden bevorzugt unter den Trichtern eingesetzt und ermöglichen damit die geheftete Sektion. Die Stränge, die über den Stranghefter laufen, können geheftet werden. Es können sich dabei sehr vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten ergeben, die aber alle von den Verhältnissen in der Druckmaschine abhängen. Kombiniert mit einem Skip-Slitter – das ist ein spezielles Schneidmesser in Papierlaufrichtung, das jeweils nur den halben Abschnitt aufschneidet –, können in der Druckmaschine geheftete Tabloidprodukte in den Broadsheet-Mantel eingelegt werden.

Der Lagenhefter, auch Zylinderhefter genannt, heftet das auf dem Falzzylinder liegende Produkt. Mit diesem Gerät kann auch ein in Sammelproduktion hergestelltes Produkt geheftet werden.
WAN-IFRA: Mit welchem Aufwand (Zeit- und Kosten) lassen sich Heftaggregate nachträglich in die Zeitungsrotation einbauen?
A. FUNKE: Sowohl Strang- als auch Lagenheftaggregate lassen sich relativ problemlos nachträglich in die Druckmaschine integrieren. Druckmaschinen neueren Fabrikats sind in der Regel für die Nachrüstung von Heftaggregaten vorbereitet. Generell entscheiden die Platzverhältnisse, wir haben aber auch für die geringsten Platzverhältnisse ein Aggregat, das durch seine Bauhöhe von nur 10 cm in die engsten Plätze eingepasst werden kann. Der Zeitaufwand liegt dabei im Rahmen von ca. zwei Wochen, der Produktionsausfall beträgt dabei höchstens zwei Tage. Preislich sind Rotationsheftaggregate deutlich günstiger als integrierte Aggregate im Versandraum.
WAN-IFRA: Erkennen die Zeitungen, welche Möglichkeiten sich Ihnen durch die Option des Heftens eröffnen? Wie hat sich die Nachfrage nach Heftaggregaten in den letzten Jahren entwickelt?
A. FUNKE: Das ist marktabhängig, aber generell ist ein gestiegenes Interesse für geheftete Produkte festzustellen. Wir bemerken durchaus, dass die Zeitungen anfangen, die Vorteile des Heftens zu sehen. Neue Zeitungsdruckmaschinen werden kaum mehr ohne Rotationsheftung ausgeliefert. Jedoch ist es vor allem in den konservativen Zeitungsmärkten wie z.B. Deutschland noch ein langer Weg. In Schweden dagegen ist eine nicht geheftete Zeitung für den Leser kaum vorstellbar.
WAN-IFRA: Können Sie uns ein paar Zeitungsanwender nennen, die Ihre Heftanlagen einsetzen?
A. FUNKE: Ouest France, Handelsblatt, Abendzeitung, Yedioth Ahronoth, i, metro, Dagens Nyheter, Göteborgs Posten, Sun, The Times, …
