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Interview mit Charles Lansu, Marketingleiter beim NRC Handelsblad, über deren E-Reader-Ausgabe

Tue, 2009-05-12 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
8382

E-Reading Abstract

IFRA: Wie sieht das Angebot von NRC Handelsblad für den iLiad-E-Reader von iRex aus?

Charles Lansu: Nach der Einführung unserer E-Paper-Ausgabe im März 2008 verkauften wir innerhalb der ersten Woche rund 500 E-Reader inklusive eines E-Paper-Jahresabonnements. Unsere Printabonnenten erhalten die E-Paper-Ausgabe kostenlos, wenn sie den E-Reader in unserem Web-Shop für 499 Euro (Ladenpreis: 599 Euro) erwerben. Neuen E-Paper-Kunden wird das Gerät zusammen mit einem Jahresabo für insgesamt 699 Euro angeboten, während das reine E-Paper-Abo 189 Euro kostet. Im Vergleich: Für ein Printabo berechnen wir 316,50 Euro pro Jahr.

Was unsere tägliche E-Paper-Ausgabe betrifft, so hat der Abonnent die Möglichkeit, unsere komplette Abendzeitung einschließlich Beilagen rund drei Stunden vor der Auslieferung der Printzeitung an die Haushalte (um etwa 18.30 Uhr) herunterzuladen. Das ist beispielsweise ideal für alle Pendler, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen: man kann das E-Paper im Büro herunterladen und so die neuesten Nachrichten auf dem Heimweg lesen, ohne dass dazu eine Online-Verbindung erforderlich wäre. In naher Zukunft werden wir das Spektrum der herunterladbaren Inhalte auf unsere Tabloid-Morgenzeitung nrc.next sowie Zeitschriften, Bücher und anderes erweitern. Überdies bietet das Gerät vielfache weitere Möglichkeiten, wie das Speichern von Büchern, Dokumenten oder Reports, und eignet sich auch für das Aufzeichnen von Notizen.

Innerhalb eines Jahres haben wir fast 2000 E-Reader an bestehende Abonnenten und neue E-Paper-Kunden verkauft. Wir verkaufen aber auch reine Abonnements an Kunden, die bereits über einen E-Reader verfügen. Insgesamt liegt die E-Paper-Gesamtauflage von NRC derzeit bei rund 2500. Für ein Gerät, das sich noch in der frühen Markteinführungsphase befindet und noch relativ teuer ist, liegen diese Zahlen über unseren Erwartungen. Bisher entspricht dies nur einem kleinen Anteil an unserer täglichen Gesamtauflage von rund 232.000 Exemplaren (unsere Tabloid-Morgenzeitung nrc.next erreicht fast 90.000 junge Leser). Doch angesichts der rasanten Entwicklung bei neuen Display-Technologien werden die E-Paper-Zahlen unserer Meinung nach in den nächsten Jahren deutlich steigen. Und als innovative Marke möchten wir hier zu den Vorreitern zählen.

IFRA: Wie zufrieden sind Sie mit dem iLiad in technischer Hinsicht? Bieten Sie auch eine E-Reader-Version ihrer Produkte für andere Geräte an, wie die E-Reader von Sony oder Amazon?

Ch. Lansu: Als wir im März 2008 auf diesem Gebiet aktiv wurden, entschieden wir uns bewusst für den iLiad: dies war damals das am weitesten entwickelte Gerät auf dem niederländischen Markt und überdies von einem nieder­ländischen Unternehmen. Inzwischen sind wir sehr gespannt, was die weiter entwickelten Reader der großen OEM-Unternehmen im Hinblick auf Performance, Displaytechnik (größer, bunt, flexibel), Anbindung, Internetnutzung und Design zu bieten haben werden. Für die nahe Zukunft halten wir nicht viel von geschlossenen Geschäftsmodellen, bei denen der Kunde keine Wahl hat. Unsere Philosophie ist es, journalistische Inhalte in hoher Qualität bereitzustellen – für alle Geräte oder Kanäle, jederzeit und an jedem Ort. Der Kunde entscheidet, was seinen Anforderungen am besten entspricht, ob Print oder eine digitale Plattform. Wie bereits gesagt: die neuen Technologien entwickeln sich sehr rasch. Wir selbst setzen nicht ausschließlich auf die E-Ink-Technologie, sondern verfolgen auch sehr genau die sonstigen Innovationen bei Displays und mobilen Geräten.

IFRA: Wie ist der Workflow für die Bereitstellung Ihrer Produkte auf dem iLiad gestaltet?

Ch. Lansu: Der Workflow wird zum großen Teil intern durch unsere Abteilung für Neue Medien abgewickelt, die für die Erstellung all unserer digitalen Produkte und Dienste zuständig ist. Wir nutzen das Workflow-Steuerungssystem Elara und die E-Paper-Suite Callisto unseres System­partners SoliDAM für die vollautomatische Erstellung der E-Paper-Ausgabe. Derzeit stellen wir unsere Inhalte noch nicht für den Kindle oder andere Reader bereit, doch dies wird in wenigen Monaten der Fall sein.

IFRA: Bietet ein E-Reader besondere Werbemöglich­keiten, die Sie nutzen oder für die Zukunft in Erwägung ziehen?

Ch. Lansu: Es gibt vielfältige Werbemöglichkeiten, von eher traditioneller Displaywerbung bis hin zu interaktiven Lösungen. Zunächst begannen wir bewusst ohne Werbung, doch inzwischen erörtern wir die bestehenden Möglichkeiten mit mehreren Werbekunden. Insbesondere die Premiummarken sind ernsthaft interessiert, nicht nur weil sie damit einen neuen Kanal nutzen könnten, sondern auch weil die innovationsfreudigen Frühanwender als Zielgruppe für sie sehr interessant sind.

IFRA: Was halten Sie von einem Kioskmodell, bei dem die Besitzer eines E-Readers verschiedene Zeitungen abrufen könnten, ohne einen speziellen Titel abonnieren zu müssen?

Ch. Lansu: Das ist ein interessantes Beispiel für die Digitalisierung des herkömmlichen Zeitungskiosks und eine prima Alternative für Berufstätige, im Ausland lebende Mitbürger, Pendler und die echten Nachrichtenfreaks – zusätzlich zu ihrer bevorzugten Lieblingszeitung.

IFRA: Wie unterscheidet sich Ihrer Ansicht nach das Lesen am E-Reader vom Lesen eines Printproduktes?

Ch. Lansu: Nicht so sehr. Es geht um den Inhalt und darum, die digitale Leseerfahrung mindestens so angenehm zu gestalten wie das Lesen eines Print­exemplars.

IFRA: Glauben Sie, dass die Zahl der E-Reader-Abonne­ments eines Tages die Zahl der Printexemplare über­steigen wird? Wird E-Reading das Lesen in Printform ergänzen oder gänzlich ablösen?

Ch. Lansu: Dies ist keine Frage der Technologie; entscheidend ist, was der Kunde will. Und es könnte durchaus sein, dass dies sich eher als Ergänzung denn als Ersatz erweist. Print ist nach wie vor bei Weitem am kundenfreundlichsten: billig, mobil und flexibel – etwas, was man in einer online-dominierten Welt allzu schnell vergisst.

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