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Interview mit Georg Riescher

Mon, 2010-11-15 09:54 — Charlotte Janis...

Article ID:
11512

IFRA Expo 2010

Georg Riescher ist Leiter des Geschäftsfelds Zeitung bei manroland in Plauen. Im Vorfeld der IFRA Expo 2010 äußerte er sich zu den aktuellen Trends und zur wirtschaftlichen Situation im Zeitungsdruckbereich.

WAN-IFRA: Wo setzt manroland ihre Schwerpunkte bei dieser IFRA Expo? Werden Sie neue Produkte oder Dienstleistungen vorstellen oder sind Ankündigungen geplant?

 

GEORG RIESCHER: Wir haben in der Zeitungsproduktion mit der One Touch-Strategie und der autoprint-Baureihe Lösungen hin zu Vollautomatisierung erfolgreich eingeführt. Die zahlreichen APL-Roboter- und die ersten APL logistics-Installationen sprechen für sich, hier haben wir viel bewegt und erreicht im letzten Jahr und können eine Reihe zufriedener Kunden aufweisen. manroland-Kunden sind aus den unterschiedlichsten Gründen von der autoprint-Baureihe überzeugt: geringere Investitionskosten, da sie nur zwei statt drei konventionellen Maschinen benötigen, schnellere Produktion von Teilauflagen und reduzierte Personalkosten. Jetzt gilt es, diese Erfolgsgeschichte zu erzählen, aus der Praxis zu berichten.

Wichtig ist es uns, mit der manroland-Workflowkompetenz Zukunftssicherheit zu vermitteln: Bei den heute so schlank ausgelegten Produktionssystemen von enormer Bedeutung. Das Angebot umfasst Wartung, 24-Stunden-Service im TeleSupport Center, Drucksaalvernetzung, kurze Rüstzeiten für schnelle Umfangwechsel bis hin zum vollautomatischen APL logistics. Die Anlagen beinhalten außerdem eine zeitgemäße Ergonomie und eine ökologisch interessante Energiebilanz. Makulaturreduzierung ist dafür eine Schlüsselgröße.

Neben der Vollautomatisierung möchten wir mit den Kunden als führender Heatset-Coldset-Spezialist über die Produktionsflexibilität und Veredelungsvielfalt in der Zeitungsproduktion sprechen. Im Bereich Dienstleistungen werden wir unser PRINTVALUE-Portfolio präsentieren. Wir beraten zu printservices-Lösungen wie dem neuen manroland STORE zur Online- Bestellung von Ersatz- und Verschleißteilen, zu bewährten und neuen zertifizierten printcom- Verbrauchsmitteln sowie zur Drucksaal-Vernetzung mit printnet. Hier arbeiten wir eng mit der manroland-Tochter-ppi media zusammen, die auf unserem Gemeinschaftsstand crossmediale Anzeigenlösungen oder auch individuelle Applikationen für Smartphones und Tablet-PCs vorstellt.

 

WAN-IFRA: Der APL-Plattenwechselroboter ist bei mehreren Zeitungsdruckereien im Produktionseinsatz. Ist die von manroland angebotene Plattentransportanlage APL logistics, wie bei der vorigen IFRA Expo angekündigt, in Magdeburg und bei der Times of India Mannheim bereits in Betrieb? Liegen weitere Bestellungen vor?

G. RIESCHER: APL logistics ist bei Kunden in Magdeburg und Mannheim erfolgreich in Betrieb gegangen. Hier sieht man auch die Bandbreite des Systems. In Magdeburg verlaufen alle Schritte von der Vorstufe über den Transport der Druckplatte bis zum Plattenwechsel in der Druckeinheit vollautomatisch. In Mannheim werden die Platten manuell in die Boxen gesetzt und über das Schienennetz an die Druckeinheit gefahren. Weitere Kundenanlagen sind für eine eventuelle Nachrüstung mit APL logistics vorbereitet. Hier setzt auch das neue manroland-futureproof-Konzept an. Es werden bei der Maschineninstallation mögliche spätere Upgrades vorbereitet, die sich später garantiert und bei geringeren Investitionskosten umsetzen lassen. Wesentliche Features sind APL, Bahnbreitenvariabilität und Hybrid-Konfigurationen.

 

 

WAN-IFRA: Kommt die Feuchtmittelregelung schon irgendwo im Produktionsalltag zur Anwendungoder befindet sich diese Neuentwicklung noch im Teststadium?

G. RIESCHER: Die Feuchtmittelregelung InlineTemperature Control, so der offizielle Name für die Temperaturkompensation bei der Feuchtmittelführung, startete vor circa zwei Jahren an einer Druckeinheit bei Presse Druck Augsburg in einer Pilotinstallation. Seit einem dreiviertel Jahr ist die Feuchtmittelregelung bei einer COLORMAN autoprint im Praxisbetrieb. Es liegen weitere Aufträge für kommende Installationen vor.

 

WAN-IFRA: Wird die typische Zeitungsrotation in ein paar Jahren eine Semicommercial-Rotation sein? Was macht eine Semicommercial-Rotation aus Ihrer Sicht aus (gehört z. B. ein Trockner dazu)?

G. RIESCHER: Flexibilität ist der Schlüsselbegriff. Das trifft absolut auf die Produktion von Werbedrucksachen auf einem Zeitungsdrucksystem zu. Die Ausstattung kann variieren, ein Trockner, auch ein UV-Trockner ist ein wichtiges Modul. Ebenso spielt das richtige Format, zum Beispiel das A4-nahe Berliner Format, eine Rolle. Mehr Flexibilität gibt die Bahnbreitenvariabilität. Weitere mögliche Ausstattungsmerkmale sind die Heftung, besondere Falzvarianten wie unser neuer Minipflug, und ein gut funktionierender Workflow mit Vorstufenanbindung. Nicht zu vergessen: gut ausgebildete und motivierte Drucker, die die Produktionsmöglichkeiten ausschöpfen können. Zu Ihrer ersten Frage, ob die Zukunft des Zeitungsdrucks in Hybridkonfigurationen liegt, lässt sich sagen, dass sie verstärkt am Markt gefragt sind. manroland hat dabei in den letzten 15 Jahren jede zweite Maschine geliefert und ist damit klarer Marktführer. Ob reiner Zeitungsdrucker oder zusätzlicher Commercial-Drucker, entscheidend ist immer das Geschäftsmodell. Beides wird schon heute immer häufiger gemeinsam gesehen und ausgebaut. Eindeutig einer der stärksten Trends derzeit.

 

WAN-IFRA: Ist die Talsohle der Krise durchschnitten und eine Erholung des Marktes auch für Zeitungsrotationen erkennbar? Beginnen sich die Auftragsbücherwieder zu füllen?

 

G. RIESCHER: Auch im Rollendruck ziehen die Nachfrage und Projekttätigkeit wieder an, jedoch deutlich verhaltener als im Bogenoffsetdruck. Wir gehen davon aus, dass wir das Vorkrisenniveau bei Auftragseingang und Umsatz dauerhaft nicht mehr erreichen werden. Die nächsten Monate sind nach unserer Einschätzung weiterhin mit Unsicherheit behaftet. Fest steht: Lösungen für den wirtschaftlichen Druck in mittleren Auflagen sind gefragt. Kunden wollen Auftragswechsel für regionale und zielgruppengenaue Teilausgaben der Zeitung schnell und effizient produzieren können. Dazu bietet die autoprint-Baureihe zahlreiche Lösungen an, denn sie kann ihre Automatisierungsstärke bei Auftrags- und Umfangswechsel wie kaum eine andere Maschine ausspielen.

 

WAN-IFRA: Ist in den nächsten Jahren eine weitere Konsolidierung bei den Anbietern von Zeitungsrotationen zu erwarten? Welche Angebotssituation werden potenzielle Käufer von Zeitungsmaschinen in fünf Jahren vorfinden?

 

G. RIESCHER: Eine Konsolidierung in der Branche ist notwendig und wir werden weiter aktiv daran mitarbeiten. Der Wettbewerbsdruck ist seit Jahren hoch. Unsere Entwicklungen und Konzepte fokus3 sieren auf die Bedürfnisse unserer Kunden und auf die Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz ihrer Printprodukte. Deshalb wird der Kunde bei uns auch in fünf Jahren die Druckmaschine bekommen, die er sich für seine Anforderungen wünscht. Möglicherweise wird sie anders aussehen als heute und noch höher automatisiert sein. Die Positionierung der Druckmaschine im Geschäftsmodell eines Verlages wird sich wohl ändern. Verleger und Druckunternehmer stehen weiter vor großen Herausforderungen: Bestehende Geschäftsmodelle wollen überdacht, neue kreiert werden. Hier wird es um Cross-Media-Plattformen gehen, die bedient werden wollen. Auch hier sind wir mit unserer Tochter ppi media bestens aufgestellt.
 

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