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Interview mit Georg Riescher und Anton Hamm zur IFRA Expo 2009

Mon, 2009-08-31 18:13 — Charlotte Janis...

Article ID:
10356

IFRA Expo 2009 Interview

Interview mit Anton Hamm, Leiter des Geschäftsfelds Zeitung bei manroland in Augsburg, und mit Georg Riescher, Leiter des Geschäftsfelds Zeitung bei manroland in Plauen

WAN-IFRA: Was werden aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen dieser IFRA Expo sein?

ANTON HAMM: Das große Thema auf der IFRA Expo wird Kosteneffizienz sein: ein Schwerpunkt in der Branche generell, bei einer Großzahl der Zulieferer und auch bei uns. Wir setzen dabei auf die One Touch-Lösungen zur durchgängigen Automatisierung der Drucktechnologie im Zeitungsdruck.

GEORG RIESCHER: Ein weiteres Thema wird automatisiertes Multimedia-Publishing sein. Es gibt inzwischen hervorragende Produkte, die Verlagen und Anzeigenkunden die Möglichkeit bieten, ihre Werbekampagnen crossmedial und zielgruppengerecht zu platzieren. Ein Beispiel ist AdInvent von ppi Media.

A. HAMM: Neben Technologie und Workflows werden die Unternehmen sicherlich ihrem Serviceangebot mehr Bedeutung einräumen. Wir werden auf unserem Stand neben printnet über printservices und printcom-Verbrauchsmaterialien sowie printadvice- Beratungsleistungen informieren. Der steigende Informationsbedarf beim Kunden wird durch unsere Dienstleistungen erfüllt. Damit schaffen wir uns ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu unseren Kerngeschäften und betreuen unsere Kunden noch umfassender.

WAN-IFRA: Welche Akzente wird Ihr Unternehmen in diesem Jahr setzen? Werden Sie neue Produkte/Entwicklungen vorstellen?

G. RIESCHER: Ich erinnere mich noch genau an Amsterdam vor einem Jahr: Dort haben wir auf der IFRA Expo erstmals unsere One Touch-Vision und unsere neuen autoprint-Baureihen präsentiert. Dabei haben wir Automatisierungslösungen für alle wichtigen Schritte im Produktionsprozess aufgezeigt und eingeführt. Inzwischen ist in der Entwicklung und Umsetzung natürlich einiges passiert: Im Mittelpunkt der Präsentation von manroland auf der IFRA Expo 2009 steht folglich die Weiterentwicklung der One Touch-Vision für die Einmann-Bedienung. Wir werden erste Erfolge vorstellen.

A. HAMM: Der vollautomatische Plattenwechsel APL (Automatic Plate Loading), dessen Robotertechnik für Furore sorgte, ist mittlerweile bei mehreren Kunden erfolgreich im Einsatz. Die berichten, dass die Rüstzeiten deutlich verkürzt werden konnten und sich zusätzlich die Andruckzeiten weiter in die Nacht hinein verschoben haben. Wir können also direkt aus der Druckpraxis Erkenntnisse gewinnen. Auch APL logistics, der automatische Transport von Druckplatten zum Druckturm, ist inzwischen geliefert. Neben der Technologie ist unser Printvalue-Dienstleistungsangebot umfassend präsent. In den Bereichen Services, Verbrauchsmittel und Vernetzung geht die Entwicklung rasch voran. Da lohnt es sich für die Kunden immer, sich über die Neuheiten zu informieren, um ihre Produktivität und Profitabilität weiter zu steigern.

WAN-IFRA: Glauben Sie, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft und die Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird? Inwiefern wird sich das auf Ihr Geschäft auswirken und wie reagieren Sie darauf?

G. RIESCHER: Die Krise, die Sie ansprechen, ist vielfältig. Der angeschlagene Finanzmarkt, die Rezession, ein verändertes Mediennutzungsverhalten, all das sind Faktoren. Nach meiner Auffassung sieht die Zukunft von Druckerzeugnissen positiv aus, wenn sie Wandlungsfähigkeit beweisen und von der Öffentlichkeit als positiv wahrgenommen werden. Denn was wollen Verleger? Die Antwort ist einfach: Erfolg. Verleger wollen Geld verdienen. Ihr Gebiet verteidigen. Zusatzgeschäft generieren. Zielgruppen zeitnah, glaubwürdig und verlässlich informieren und damit Leser binden. Dafür ist Wandel notwendig. Tageszeitungen und Zeitschriften müssen sich erneuern, sich mit elektronischen Medien in Geschäftsmodellen ergänzen und wo nötig, in den Wettbewerb treten. Der Wandel fördert eine Wettbewerbsfähigkeit, die gut für die Druckindustrie ist. Die Druckbranche ist dem gewachsen, sie ist eine sehr innovative Industrie. Auch manroland folgt mit ihren technologischen Entwicklungen den Marktbedürfnissen. Wir entwickeln gemäß dem Prinzip der Effizienz, der besten Qualität, geringen Produktionszeiten. Die Krise treibt die Kreativität der Druckbranche voran, fordert und fördert einen neuen Pioniergeist – beinhaltet sicherlich aber auch eine Marktkonsolidierung.

WAN-IFRA: Wie kann die Marktposition der Print-Zeitung neben elektronischen Angeboten gestärkt werden?

A. HAMM: Die Druckindustrie unterliegt einem rapiden Strukturwandel. Sie muss sich innerhalb eines multimedialen Marktes neu positionieren. Das Internet und andere Neue Medien sind jedoch nicht unser Feind, wie es oft geschrieben steht. Viele Leute vereinfachen das Problem und polemisieren, als ob das Internet einzig und allein im Wettbewerb mit den gedruckten Medien steht. Das sehe ich nicht so. Aus meiner Sicht verhalten sich die beiden Medien komplementär zueinander. Sie können das gleiche Publikum bedienen, ein Medium schwächt nicht zwangsläufig das andere. Seit jeher werden Informationen über verschiedene Kanäle verteilt, jeder Kanal mit spezifischen Eigenschaften. In ihrem Geschäftsmodell müssen Verlagsgesellschaften deshalb beide Kommunikationswege berücksichtigen und nutzen, das erwartet der Kunde. Dort wo es notwendig ist, müssen sich die Medien erneuern. Das trifft auf den Druck, das Internet und andere Medien zu. Wir aus der Druckindustrie müssen neue Ideen suchen und finden, müssen attraktive Produkte und Applikationen anbieten.

WAN-IFRA: Welche Rolle spielt das Thema Ökologie für Sie als Hersteller und welche Stellung nimmt es zz. bei den Zeitungsdruckereien ein – im Verhältnis zu Kostensenkung, Qualitäts- und Effizienzsteigerung?

G. RIESCHER: Die Sensibilität der Kunden und Hersteller im Umgang mit Umweltthemen wird künftig weiter steigen. Ökologische Faktoren sind schon heute mitbestimmend bei der Druckmaschinenproduktion in Fertigung und Montage und bei der Herstellung von Druckerzeugnissen. Wir sagen dazu CMYK+GREEN und haben den Umweltschutz in unserer Konzernstrategie verankert.

A. HAMM: CMYK + Green ist unsere Antwort auf die zentralen Kundenanforderungen von Druckprodukten zu günstigen Preisen und Druckprodukten mit einer guten Ökobilanz. Das beginnt für uns mit der Herstellung der Druckmaschinen an den Standorten Augsburg und Plauen, die nach der Umweltmanagementnorm 14001 zertifiziert sind. Die eingesetzte Technologie entwickeln wir kontinuierlich im Sinne der Ressourcenschonung, der Makulatur- und Emissionsreduzierung sowie der Energieeffizienz. Unsere Produkte stehen also für „Ökonomie durch Ökologie“.

G. RIESCHER: Praxisbeispiele dazu gibt es viele. Das kann sowohl die printadvice-Beratung bei der Gebäudeplanung,Technologie zur Wärmerückgewinnung oder die Senkung des Energieverbrauchs sein. XXL-Modelle wie bei Pressedruck Augsburg reduzieren den spezifischen Energieverbrauch pro gedrucktem Exemplar. Das Druckhaus spricht von einem um mehr als 25 Prozent gesenkten Energieverbrauch gegenüber den alten 4-2-Maschinen. Ein Maschinenfeature wie Quickstart trägt zur Minimierung der Hochfahrmakulatur bei. Die Kieler Nachrichten produzieren dadurch Zeitungen mit nur 75 Exemplaren Anlaufmakulatur bei Wiederandruck. Neben diesen manroland-Leistungen ist die gemeinsame Arbeit der Wertschöpfungskette für die umweltschonende Produktion wichtig, zum Beispiel in der PrintCity oder der Klimainitiative des bvdm (Bundesverband Druck und Medien). Hier zeigt sich, allen ist bewusst: Neben CMYK gehört auch ökologische Verantwortung auf jeden Druckbogen.

 

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