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Interview mit Klaus Schmidt

Mon, 2010-11-15 10:05 — Charlotte Janis...

Article ID:
11513

IFRA Expo 2010

WAN-IFRA: Wo setzt KBA seine Schwerpunkte bei dieser IFRA Expo?

KLAUS SCHMIDT: Neben den weitgehend automatisierten Kompaktmaschinen KBA Cortina und Commander CT werden natürlich auch unsere konventionellen Maschinen, neue kreative Werbeformen für die gedruckte Zeitung, die Automatisierung der Papier- und Plattenlogistik, spezielle Serviceangebote für unsere Kunden und weitere Themen eine Rolle spielen. In den letzten Monaten waren wir mit der konventionell mit Feuchtwerken druckenden Commander CT, der Schwestermaschine der wasserlosen KBA Cortina in Deutschland und Österreich mit vier bestellten 6/2-Anlagen für bis zu 2.100 mm Papierbahnbreite sehr erfolgreich. Hinzu kommt der im Frühsommer platzierte Großauftrag von Express Newspapers aus England über vier Commander CT 4/2-Anlagen mit zusammen 22 Drucktürmen. Immerhin stehen für die Commander CT nur drei Jahre nach der Markteinführung schon 15 doppelt- und dreifachbreite Anlagen mit zusammen 82 Achtertürmen in unserer Referenzliste. eine weitere Rotation in 4/2-Ausführung aus Mitteleuropa wird in Kürze dazu kommen.

WAN-IFRA: Die KBA-Kompaktmaschinen finden zunehmend Zuspruch, insbesondere die Cortina. Warum ist die Cortina gerade in Deutschland so beliebt?

K. SCHMIDT: Der wasserlose Zeitungsdruck mit der KBA Cortina hat 2005 bei Rodi Rotatiedruk in den Niederlanden begonnen, dann aber nach der überzeugenden Premiere bei Freiburger Druck (Badische Zeitung) Anfang 2006 zunächst die meisten Anhänger in Deutschland gefunden. Von bisher 18 verkauften Cortina-Anlagen mit zusammen 84 Drucktürmen in 4/1,- 4/2- und 6/2-Ausführung produzieren acht Anlagen mit 29 Drucktürmen in Deutschland. Die letzte ist erst vor einigen Monaten erfolgreich bei der Rheinisch-Bergischen-Druckerei (Rheinische Post) in Düsseldorf in Betrieb gegangen. Die deutschen Anwender schätzen vor allem das enorme Qualitätspotenzial des wasserlosen Offsetdrucks weit über die reine Zeitungsproduktion hinaus, die mit der hoch automatisierten Cortina möglichen enormen Einsparungen bei Rüstzeiten, Makulatur, Wartung und Bedienpersonal und den schlanken, sauberen Produktionsprozess. Zunehmend gewinnen auch Umwelt-, Marketing- und Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkte bei der Entscheidung für den wasserlosen Offsetdruck an Bedeutung. Die Erfahrungen und das konstruktive Feedback der deutschen Cortina-Nutzer helfen uns sehr bei der Vermarktung der wasserlosen Offset-Technologie im Ausland. Die Entscheidungskriterien bei den ausländischen Cortina-Anwendern sind die gleichen. Man darf nicht vergessen: Die größten und längsten Cortina-Anlagen drucken in Frankreich, Belgien und schon bald auch in Dubai. Bei einigen der ausländischen Anwender wird die Cortina zudem als Hybridmaschine im Coldset- und Heatsetdruck eingesetzt, was in Deutschland noch nicht der Fall ist, da hier Hybridmaschinen noch die seltene Ausnahme sind.

WAN-IFRA: Gibt es weiterhin Optimierungspotenzial bei den Verbrauchsmaterialien (Druckfarben, Papier, Druckplatten und Gummitücher) und deren Abstimmung für den Wasserlos-Offsetdruck?

K. SCHMIDT: Optimierungspotenzial gibt es im Zeitungsdruck sowohl im konventionellen als auch im wasserlosen Offsetdruck. Beim Papier ist der wasserlose Offsetdruck eher toleranter als der konventionelle Druck. Bei den Gummitüchern gibt es inzwischen einen sehr guten Stand mit diversen Herstellern. Auch hier sehe ich keinen Nachholbedarf zum konventionellen Druck. Bei den für die Cortina geeigneten Farben gibt es inzwischen ebenfalls mehrere praxistaugliche Fabrikate mit guten Ergebnissen, aber sicher auch noch das meiste Entwicklungspotenzial in punkto Stabilität und Wiederholgenauigkeit. Dabei spielen die am Markt oft unter Preisgesichtspunkten eingekauften und in der Qualität zuweilen schwankenden Pigmente, Bindemittel usw. eine wichtige Rolle. Dies gilt aber auch für den seit Jahrzehnten eingesetzten Nassoffsetdruck. Das dort bekannte Farbnebeln bei schnelllaufenden Maschinen und den zuweilen für die Qualität lästigen Kampf zwischen Farbe und Wasser auf der Druckplatte gibt es allerdings im wasserlosen Offset nicht.
 

WAN-IFRA: Wird die typische Zeitungsrotation in ein paar Jahren eine Semicommercial-Rotation sein? Was macht eine Semicommercial-Rotation aus Ihrer Sicht aus? Zu welcher „Sonderausstattung“ der Druckmaschine raten Sie, wenn eine Zeitung ihre Produkte optisch aufwerten bzw. im Semicommercial-Bereich aktiv werden will (gehört beispielsweise ein Trockner dazu)?

K. SCHMIDT: Hier gibt es keine allgemein gültige Aussage, da es erhebliche regionale Unterschiede gibt. Die typische Zeitungsrotation wird wohl auch in fünf Jahren keinen Heatset- oder UV-Trockner haben, da heute bereits im Coldset mit modernen Maschinen wie der Cortina oder Commander CT hervorragende Qualitäten erzielt werden können. Mit der wasserlosen Cortina sind auch ohne Trockner auf aufgebesserten Papieren akzidenznahe Drucke im 60er oder 70er Raster möglich, wie einige Cortina-Anwender immer wieder eindrucksvoll beweisen. Kosten- und Umweltgesichtspunkte haben in Europa zuletzt sogar zu einer gewissen Renaissance des Coldset-Druckes geführt, wovon Cortina-Anwender durch Zusatzaufträge von umweltsensiblen Kunden profitieren. Sie drucken heute Kataloge, Beilagen und Zeitschriften im Coldset, die vor kurzem noch im Heatset produziert wurden. Ähnliche Beispiele gibt es auch für die Commader CT, wie die Würzburger Main-Post mit kreativen Werbeformen und Beilagen immer wieder beweist.

Stärker verbreitet sind die sogenannten Hybrid-Anlagen bei Lohndruckunternehmen, aber auch Zeitungsdrucker in Skandinavien, Benelux, der Türkei und dem Mittleren Osten nutzen gerne die Möglichkeit der gemischten Produktion auf gestrichenen und ungestrichenen Papieren, um ihr Produkt optisch aufzuwerten und neue Werbekunden zu gewinnen. Dies zeigen beispielhaft die Cortinas mit Trockner in Skandinavien, Belgien und Dubai, die gerade laufende Inbetriebnahme von vier KBA Commander CT 6/2-Anlagen mit zusammen sechs Heißlufttrocknern bei Transcontinental Inc. in Kanada, die Commander 4/1-Rotationen mit Trocknern bei Habaturk in der Türkei und der kürzliche Auftrag über eine konventionelle KBA Commander-Achterturmrotation mit Heißlufttrockner von der Jordan Press Foundation aus Amman. Schon länger und deutlicher verbreitet ist der Trocknereinsatz bei einfachbreiten Maschinen. Dies hat neben der größeren Flexibilität bei den eingesetzten Bedruckstoffen auch etwas mit dem Handling und den mit der Papierbahnbreite wachsenden drucktechnischen Anforderungen an das Bedienpersonal zu tun.

WAN-IFRA: Finanzielle Situation: Nach einer Reihe schwieriger Jahre für die Zeitungsbranche und die Zulieferindustrie scheint nun eine leichte Erholung spürbar zu werden. Ist die Talsohle durchschritten, beginnen sich die Auftragsbücher wieder zu füllen?

K. SCHMIDT: Wir spüren nach dem drastischen Einbruch in Folge der Finanzkrise im Zuge der aktuellen Konjunkturbelebung und der dadurch schwindenden Verunsicherung bei manchen Investoren seit Mai vor allem in Deutschland und Europa eine Belebung der Nachfrage. Mit unseren innovativen Kompaktrotationen Cortina und Commander CT konnten wir zusätzlich Marktanteile gewinnen, unsere Auftragsbücher besser füllen und die Auslastung unserer Werke für Rollendruckmaschinen deutlich verbessern. Insgesamt ist das Weltmarktvolumen für Zeitungsrotationen allerdings immer noch weit von früheren Höhen entfernt. Es dürfte sich in diesem Jahr bei Neumaschinen mehr oder weniger deutlich unter 500 Mio. € einpendeln, während es in früheren Durchschnittsjahren um die 1Mrd. € und im Spitzenjahr 2005 sogar um die 1,5 Mrd. € waren.

Aufgrund der strukturellen Veränderungen am Medienmarkt und des technischen Fortschritts im Druckmaschinenbau mit enormen Produktivitätsgewinnen wird der Weltmarkt für Zeitungsdruckanlagen auch nach vollständiger Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise etwas kleiner sein als früher. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass er sich unter normalen Konjunkturbedingungen bei etwa 700 Mio. € per anno einpendeln wird. Dabei wird der Anteil bevölkerungsreicher und wachstumsstarker Märkte wie China, Indien, Indonesien, Türkei oder Brasilien weiter steigen, während das Absatzvolumen in Westeuropa, Nordamerika oder Japan auch aus demografischen Gründen kleiner werden wird. KBA richtet sich mit seinen Kapzitäten und dem Produktportfolio darauf ein.

WAN-IFRA: Ist in den nächsten Jahren eine weitere Konsolidierung bei den Anbietern von Zeitungsrotationen zu erwarten? Welche Angebotssituation werden potenzielle Käufer von Zeitungsmaschinen in fünf Jahren vorfinden?


K. SCHMIDT: Davon gehen wir aus, denn die Kapazitäten der Hersteller sind immer noch deutlich höher als die Nachfrage. In fünf Jahren dürften bei doppelt- oder dreifachbreiten Großanlagen zwei Anbieter das Gros der international vergebenen Aufträge abdecken. Bei kleineren und einfachbreiten Anlagen werden es einige Hersteller mehr sein, wobei die zusätzlichen vor allem aus China und Indien kommen werden.

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