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Interview mit Klaus Schmidt, KBA

Mon, 2009-08-31 18:08 — Charlotte Janis...

Article ID:
10355

IFRA Expo 2009 Interview

Klaus Schmidt ist Vice President und Director Marketing bei der Koenig & Bauer AG in Würzburg.

WAN-IFRA: Was werden aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen dieser IFRA Expo sein (technische und Business-Trends allgemein sowie auf Ihren Sektor bezogen)?

KLAUS SCHMIDT: Im Zeichen der globalen Wirtschaftskrise und den daraus resultierenden Problemen für die werbeabhängige Zeitungsbranche werden Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung durch moderne Techniken und Automatisierung wie schon seit Jahren wieder zentrale Themen für die Zeitungsbetriebe aus den hoch entwickelten Industrieländern sein. Daneben spielen verfahrenstechnische Lösungen für die optische Aufwertung der Zeitung in Richtung Tagesmagazin weiterhin eine bedeutende Rolle. Bei den Zeitungsbetrieben aus den Schwellenländern mit geringeren Lohnkosten steht dagegen eher die Kapazitätssteigerung durch weniger automatisierte Maschinen zu geringeren Investitionskosten im Vordergrund.

WAN-IFRA: Welche Akzente wird Ihr Unternehmen in diesem Jahr setzen? Werden Sie neue Produkte/Entwicklungen vorstellen (wenn ja, welche)?

K. SCHMIDT: Nachdem KBA in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer Produkte, u.a. die Kompaktrotationen Cortina und Commander CT vorgestellt hat, konzentrieren wir uns in diesem Jahr auf Weiternetwicklungen bei unseren konventionellen Rotationsmaschinen, verfahrenstechnische Neuerungen und neue Kooperationen. Mehr möchte ich dazu heute noch nicht sagen.

WAN-IFRA: Glauben Sie, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft und die Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird? Inwiefern wird sich das auf Ihr Geschäft auswirken und wie reagieren Sie darauf?

K. SCHMIDT: Wir spüren bereits seit dem vergangenen Jahr einen deutlichen Einbruch der globalen Nachfrage nach neuer Zeitungsdrucktechnik in der Größenordnung von fast 50 % gegenüber den noch sehr guten Jahren 2005 und 2006. Die Ursachen sind vielfältig. Neben der in fast überall schwachen Werbekonjunktur, sinkenden Auflagen in vielen Industrieländern und der inzwischen vielerorts abgeschlossenen Umstellung auf den Vierfarbendruck bremsen Konzentrationstendenzen und der Trend zum Outsourcing oder zu gemeinsamen Druckzentren insbesondere in Europa und Nordamerika die Nachfrage. Investitionen zur Erweiterung der Druckkapazität finden fast nur noch in Schwellenländern wie China, Indien oder der Türkei statt. Die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Wirtschafts- und Medienentwicklung und das wachsende online-Engagement der Verlage –in den meisten Fällen ohne den notwendigen Return on Investment- hemmen zusätzlich die Bereitschaft, in Print zu invetieren. Hinzu kommen insbesondere in den USA hausgemachte Probleme, die in einigen Fällen sogar die Existenz renommierter Zeitungen gefährden.

Wir und unsere Mitbewerber erwarten auch in den nächsten beiden Jahren eine verhaltene Nachfrage deutlich unter dem Niveau der Jahre 2004 bis 2006. Entsprechend werden wir und die gesamte Lieferindustrie nicht an einer Kapazitätsanpassung vorbei kommen. Dies wird leider nicht ohne Personalabbau gehen, denn einen Nachfrageeinbruch in der genannten Größenordnung kann man auf Dauer nicht alleine über das Instrument Kurzarbeit ausgleichen.

WAN-IFRA: Wie kann die Marktposition der Print-Zeitung neben elektronischen Angeboten gestärkt werden?

K. SCHMIDT: Zunächst dadurch, dass die Macher in der Zeitungsbranche selbst wieder an die Zukunft ihres Kernmediums gedruckte Zeitung glauben und die fast nur dort erwirtschafteten Gewinne weiter ohne kritischen Blick auf den bisher erzielten ROI zu einseitig in alle möglichen online-Abenteuer mit ungewissem Ausgang investiert werden. Es kann nicht gut gehen, wenn Print nur als in die Jahre gekommene Cash Cow für unrentable Online-Aktivitäten herhalten muss. Es ist kein tragfähiges Geschäftsmodell, Print fast nur noch unter Kostengesichtspunkten, die nur in seltenen Fällen profitablen online-Kanäle dagegen als allein selig machende Zukunftsinvestition zu betrachten. Wo dies hin führt, sieht man derzeit in den USA.

Neben der redaktionellen Qualität ist es für die gedruckte Zeitung wichtig, ihre ganz spezielle Identität in Optik und Haptik zu betonen und ihre Vitalität immer wieder neu zu demonstrieren. Neue Techniken senken nicht nur die Produktionskosten. Sie schaffen in Verbindung mit neuen Materialien auch neue Möglichkeiten bei der Gestaltung und Veredelung des Druckprodukts. Einen Bildschirm kann man nicht veredeln. Deshalb ist es wichtig, dass in beide Richtungen investiert wird, in Print und in Online. Wir werden eine immer stärkere Korrelation beider Mediengattungen erleben. Online können viele, Print dagegen relativ wenige. Nur die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage beherrschen beides auf der Basis einer etablierten Marke. Diese Sonderstellung gilt es zu nutzen.

WAN-IFRA: Wo gibt es noch Potenziale für weitere Automatisierung im Zeitungsproduktionsprozess?

K. SCHMIDT: Beim automatischen Plattentransfer in die Maschine und bei allen noch denkbaren Automatisierungsoptionen stellt sich für den Anwender angesichts des bereits erreichten hohen Automatisierungsniveaus zunehmend die Frage der Wirtschaftlichkeit. Gleiches gilt für alle Lieferanten mit knappen Budgets in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aus Sicht des Herstellers macht die Automatisierung nur dann Sinn, wenn der Anwender auch wirklich bereit ist, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. Mit kostenlosen Dreingaben oder Nice-To-Have Features lässt sich auf beiden Seiten kein Geld verdienen. Man muss zwischen Marketing-Gags wie der „One-Button“-Druckmaschine und gezielter Automatisierung mit einem nachweisbaren finanziellen Nutzen (ROI) unterscheiden. Ganz ohne Menschen wird es in der Zeitungsproduktion wohl auch künftig nicht gehen. Nachdem Vorstufe, Papierlogistik und Druck bereits weitgehend automatisierbar sind, gibt es die größten Potenziale wohl im immer noch recht personalintensiven Versandraum.

WAN-IFRA: Welche Rolle spielt das Thema Ökologie für Sie als Hersteller und welche Stellung nimmt es zz. bei den Zeitungsdruckereien ein – im Verhältnis zu Kostensenkung, Qualitäts- und Effizienzsteigerung?

K. SCHMIDT: Auf dem Gebiet der Ökologie im Zeitungsdruck ist KBA mit der ohne Feuchtwerke, ohne Zonenschrauben, ohne Farbnebel und mit geringster Makulatur produzierenden Cortina eindeutiger Vorreiter. Wir haben die Notwendigkeit einer umweltorientierten Zeitungsproduktion schon mit der Premiere des Cortina-Prototyps zur drupa 2000 und bei vielen anderen Gelegenheiten, zuletzt wieder zur drupa 2008 adressiert. Cortina-Anwender wie de Persgroep (ECP= Eco Print Center) im belgischen Lokeren haben Umweltpreise erhalten Andere beschäftigen sich bereits mit dem Thema klimaneutrale Druckproduktion. Diverse Öko-Institute, die sich im Auftrag der EU-Kommission mit der Reduzierung der Emissionen im Druck beschäftigen sind bereits auf die Cortina aufmerksam geworden. Und KBA sponsert alljährlich selbst einen Preis für das umweltorientierte Druckunternehmen des Jahres, um das Bewusstsein in der Branche für eine nachhaltige Druckproduktion zu fördern. Es ist verständlich, dass in der aktuellen Krise andere Themen wie Kostensenkung in vielen Zeitungshäusern Priorität haben, aber wir stellen fest, dass auch mit Blick auf die Außenwirkung gegenüber Lesern und Anzeigenkunden die Themen Nachhaltigkeit oder Energieeffizienz zunehmend an Bedeutung gewinnt. Mit dem Recycling von Restfarbe, verbrauchten Platten und Makulatur sowie dem Einsatz von Recycling-Papier wird es schon bald nicht mehr getan sein.

 

 

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