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Interview mit Maurizio Barucca: Second Life

Tue, 2007-07-10 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
4313

zeitungstechnik: Second Life hat sieben Millionen Bewohner – wie viele lesen den Avastar?

Maurizio Barucca: Die Auflage der ersten Zeitung im Second Life bewegt sich im fünfstelligen Bereich. Sie entwickelt sich kontinuierlich positiv. Es ist nach wie vor so, dass „Second Life“ in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird. Wir sind jetzt im sechsten Monat. Die Nachfrage wächst.

zt: Wer sind die Leser?

M. Barucca: In unseren Erfahrungen zeigt sich, dass das einhergeht mit der Bevölkerung von Second Life im allgemeinen. Die Bewohner sind etwa 30 bis 32 Jahre alt, sehr gut ausgebildet, sehr kreativ – klassische „Early Adapters“.

zt: Welche Themen ziehen da besonders?

M. Barucca: Sehr großes Feedback bekommen wir zu aktuellen News-Themen. Das ist der erste Teil der Zeitung. Aber auch die ganzen Servicebereiche sind wichtig. Wir kriegen viel Feedback – zum Beispiel zum Reiseteil, aber auch zum Style- und Designteil.

zt: Themen wie Wimbledon und Paris Hilton waren bei Ihnen ja auch sehr prominent aufgemacht.

M. Barucca: Richtig. Geschichten aus dem realen Leben werden übertragen in die virtuelle Welt. Dort werden sie allerdings ganz anders aufbereitet und gezeigt, sie entwickeln eine eigene Interpretation. Das ist für uns auch ganz interessant.

zt: Wie haben Sie Redaktion und Verlag organisiert?

M. Barucca: Wir haben ein Redaktionsteam in Berlin, und wir haben freie Mitarbeiter in Second Life, die für uns arbeiten. Etwa 50 Prozent der Zeitung sind nutzergeneriert, also Gastbeiträge und Beiträge aus dem Second Life. Aber alle Beiträge werden nach den Leitlinien unserer journalistischen Qualitätskriterien behandelt, aufbereitet und veröffentlicht.

zt: Kommen diese nutzergenerierten Beiträge spontan oder fordern Sie etwas von den Autoren an?

M. Barucca: Es ist eine Mischung. Wir haben einen großen Stamm von freien Mitarbeitern unter den „Residents“ in Second Life, mit denen wir die Themen besprechen und an die wir auch Aufträge vergeben. Darüber hinaus machen uns Leute jede Woche Vorschläge, die wir integrieren.

zt: Wie betreiben Sie das Anzeigengeschäft in Second Life? Wollen Ihre Kunden im Second Life etwas verkaufen oder real?

M. Barucca: Wir haben hier in Berlin auch Leute, die das abwickeln. Beide Welten sind wichtig. Die reale Welt ist bei den Anzeigen schon sehr attraktiv. Wir haben eine Reihe von sehr bekannten Markenartikeln, das ist ein sehr schönes Geschäft.

Sie haben auch ein sehr spektakuläres Verlagsgebäude im Second Life bezogen. Gibt es denn dafür auch spezielle Architekten, die so etwas speziell für die dortigen Bedürfnisse entwickeln?

M. Barucca: Auf jeden Fall! Die gibt es schon seit einigen Jahren. Wir haben mit Aimée Weber und ihrem Produktionsteam zusammengearbeitet, einer der wichtigsten Designer in Second Life.

zt: Bezahlt man einen solchen Bau in Linden-Dollars?

M. Barucca: Es ist das klassische Dienstleistungsgeschäft. Man beauftragt die Person, und dann setzen die das um.

zt: Können Sie uns einen Hinweis geben, mit welchem Budget Sie arbeiten?

M. Barucca: Leider nein.

zt: Kann man denn mit Linden-Dollars tatsächlich Geschäfte machen oder ist das dann im wirklichen Geschäftsbetrieb doch nur eine Spielerei?

M. Barucca: Die Redaktion und die Leute, die in Second Life für uns arbeiten, werden in Linden-Dollars bezahlt. Ansonsten wickeln wir die ganzen Anzeigengeschäfte real ab. Für uns ist es eher erschwerend, dass es das Wirtschaftssystem mit Linden-Dollars gibt.

zt: Wie bewerben Sie den Avastar?

M. Barucca: Wir haben Verkaufsautomaten auf Inseln stehen, also ein sehr großes Distributionsnetz. Darüber hinaus gibt es Aktionen: Wir sponsern viele Messen und Events in Second Life und treiben mit Zusatzgeschäften das virale Marketing an. Die Mundpropaganda unterstützen wir, indem wir Gadgets in Umlauf bringen.

zt: Ist das nicht sehr ähnlich wie im realen Vertriebsgeschehen?

M. Barucca: Es ist ähnlich. Man muss mit den Besitzern der Inseln sprechen und das Aufstellen dieser Verkaufsautomaten abklären. Jede Insel hat ja einen Besitzer, und der muss überzeugt werden. Entsprechend gehen wir auf diese Eigentümer zu. Ansonsten kann die Zeitung natürlich auch unabhängig von diesen Verkaufsautomaten von Web sites heruntergeladen werden. Wir haben auch die Leser, die nicht zwingend Second-Life-Nutzer sind, sich aber sehr stark mit dem Thema auseinandersetzen. An die richtet sich natürlich auch der Avastar. Für uns ist das ein Testlabor. Es geht grundsätzlich um das Thema 3-D-Welten, in dem wir uns noch weitere Experimente vorstellen können. Es ist aber zu früh, darüber heute schon etwas zu sagen.

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