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Interview mit Murdoch MacLennan

Tue, 2007-01-09 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
3346

Als CEO der britischen Telegraph-Gruppe führte Murdoch MacLennan den Verlag durch eine Zeit des Wandels und der Reorganisation, zu der auch der jüngste Umzug von Canary Wharf in eine neue Zentrale in London zählt.

In diesem Exklusiv­interview erörtert MacLennan die von der Verlagsgruppe vorgenommenen Veränderungen sowie seine Erwartungen in Bezug auf die Zukunft der Branche.

zeitungs­technik: Können wir mit einer ganz allgemeinen Frage beginnen? Viele Ifra-Mitglieder sehen sich enormen Veränderungen in der Medien­land­schaft gegenüber. Kann die Zeitungsbranche überleben und wie wird sie in 10 Jahren aussehen?

Murdoch MacLennan: Ich hoffe, Sie werden mir eine lange Antwort auf eine sehr wichtige Frage gestatten. Es stimmt, Sie haben völlig recht. Wir befinden uns im Zentrum eines Sturms des Wandels, der wohl größer ist als jemals seit Erfindung der Druckmaschine. Lassen Sie mich betonen, dass wir uns in Großbritannien in einer starken Position befinden, um diesen Sturm zu überstehen und zu unserem Vorteil zu nutzen.

In unserem Land nehmen 25 Millionen Menschen täglich eine Zeitung zur Hand. Viele andere konsultieren Nachrichten-Websites. Dies macht uns zu einem unglaublich starken Medium mit einer gesunden Anzeigenbasis und bringt uns in eine hervorragende Position, um den Heraus­forderungen der Zukunft zu begegnen.

Es besteht daher nach meiner Ansicht kein Zweifel, dass wir – vorausgesetzt wir passen uns an – die Veränderungen, die sich nun aus der digitalen Revolution ergeben, überleben können und werden sowie zu unserem Vorteil nutzen.

In vielerlei Hinsicht sieht die Zukunft der Zeitungs­industrie ausgesprochen rosig aus, da unsere Marktplätze nun nicht nur national, sondern global sind. Dies verschafft uns ein unbegrenztes redaktionelles und geschäftliches Potenzial, eine Reihe von neuen Plattformen sowie die wunderbare Gelegenheit, eine ganz neue Lesergeneration für unsere Qualitäts­nachrichten zu gewinnen.

Die Möglichkeiten sind unermesslich und wirklich spannend. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, optimierte die Telegraph Media Group in ihren neuen Büros in Victoria im vergangenen Herbst ihre Nachrichten- und Geschäfts­prozesse.

Wir glauben – und ich nehme an, unsere Wettbewerber werden darum kämpfen, den Anschluss zu finden –, dass wir florieren, wenn wir unseren Lesern die Zeitungen zu dem von ihnen gewünschten Zeitpunkt und in der von ihnen gewünschten Form liefern.

Weltweite Bericht­erstattung und Reichweite bergen jedoch nicht nur gute Nachrichten. Der Nachteil ist, dass globale Medien­unternehmen – nicht nur einheimische Rivalen – die neuen Wettbewerber darstellen. Und dem müssen wir uns anpassen.

Doch Veränderung kann gut für uns sein. Es zwingt uns dazu, uns zu verjüngen, neue Umsatzströme zu generieren und ein neues Publikum zu gewinnen.

Wo werden wir in zehn Jahren stehen? Es wäre albern, hier Versuche einer Prognose anzustellen. Es wird uns immer noch geben, und wir werden nach wie vor Nachrichten, Kommentare und Unterhaltung liefern.

Die einzige Sache, um die ich wetten würde, ist, dass sich die Medien­unternehmen mit Marken wie denen des Telegraph in der stärksten Position befinden werden und die Menschen nach deren zuverlässiger Bericht­erstattung in einer Zeit Ausschau halten werden, in der die Anzahl der Nachrichten­absatz­märkte exponentiell gewachsen ist. (…)

zt: Sie erwähnten gerade die Konkurrenz? Wen rechnen Sie – neben anderen Zeitungen – zu Ihren größten Wett­bewerbern?

M. MacLennan: Die Konkurrenz war stets leicht auszumachen. Es waren die einheimischen Rivalen. Doch heute ändern sich diese Spiel­bedingungen.

Im heimischen Markt spüren wir neuerdings Konkurrenz von Seiten der staatlich finanzierten BBC, deren Website, die vom Lizenzzahler finanziert wird, in direktem Wettbewerb zu uns steht. Für Regional­zeitungen ist das ein noch größeres Problem.

Zu unseren weiteren Konkurrenten zählen Google, die internationalen Rundfunk­anbieter mit ihren Websites sowie jeder, der Zugang zum Web hat und sich zu einem Nachrichten­anbieter entwickeln könnte. Ich schätze, in der absehbaren Zukunft werden wir weiterhin an Dingen wie Auflagenzahlen gemessen und mit anderen britischen Zeitungen verglichen. Dies führt an der Entwicklung aber vollkommen vorbei. Der Wettbewerb ändert sich, er ist digital, global und wird von Tag zu Tag schärfer.

zt: Sind Sie davon überzeugt, dass das neue Redaktions­system in Victoria den Weg nach vorn darstellt?

M. MacLennan: Zunächst möchte ich ein allgemeines Missverständnis klären. Das neue System wurde nicht vom Management konzipiert, sondern für redaktionelle Belange von Redaktions­mitarbeitern entworfen.

Es wurde vom Chefredakteur des Daily Telegraph, William Lewis, und seinem Team entworfen, nachdem man eingehende Untersuchungen angestellt und beobachtet hatte, was im übrigen Teil der Welt geschieht.

Es handelt sich um einen integrierten redaktionellen Produktions-Hub nach dem neuesten Stand der Technik, der unserem Publikum Print-, Video-, Audio- und Online-Inhalte bietet.

Er ist seit Oktober letzten Jahres in Betrieb und arbeitet überaus erfolgreich. Natürlich sind noch Anpassungen erforderlich, doch das System ist enorm flexibel.

zt: Welche Pläne verfolgen Sie zukünftig im Print­bereich?

M. MacLennan: Zur Erhöhung der Farb­druck­kapazitäten und Seitenumfänge haben wir bereits erhebliche Investitionen in unseren Betrieben getätigt. Künftig werden wir unseren Lesern natürlich weiterhin Produkte der besten Qualität liefern.

Insbesondere werden wir unseren Kunden und Anzeigenkunden ein erweitertes Farb­druck­angebot offerieren müssen.

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