Main Menu (DE)
Suche
IFRA - Log in, Registration
IFRA Advertisements
Advertisement Space
Interview mit Paul Jansen über das Search-Projekt von Singapore Press Holdings
Mon, 2008-01-14 00:00 — WAN-IFRA
- Article ID:
- 5338

Ende des Jahres 2006 kündigte die Singapore Press Holdings (SPH) eine strategische Partnerschaft mit dem Schibsted-
In seiner 32-
IFRA: Wie und weshalb entschied sich SPH für den Vorstoß in das Local Search-
Paul Jansen: Im Grund zielte alles, was ich bisher bei SPH mit der Unterstüzung meiner Chefs, insbesondere Leslie Fong (derzeit Marketingdirektor von SPH), unternommen habe, auf die Ausdehnung der Reichweite der Zeitungen sowie die Ausweitung der Dienste, die wir den Lesern offerieren. Die Einführung unserer eigenen Suchmaschine wird es uns ermöglichen, die Produktivität unserer Inhalte zu erhöhen, unsere Inhalte mehr Personen zu präsentieren und die Einnahmen zu steigern.
Seit langem beobachten wir mit Interesse, wie Suchmaschinen Inhalte, die von Unternehmen wie uns generiert wurden, in bare Münze verwandeln. Als Schibsted an uns herantrat, um Gespräche über eine Partnerschaft zu führen, nahmen wir das Angebot dieses Verlages aufgrund seiner Erfahrung mit der Entwicklung einer eigenen Suchmaschine an.
Wir wollen Nutzer zu den SPH-
Nach meiner Ansicht ist ein Verzeichnis-
Im Juli starteten wir ein Verzeichnis aller Unternehmen in Singapur. Wir kontaktierten diese Unternehmen und baten sie, uns alle Daten zur Verfügung zu stellen, die sie bereit waren, uns zu geben. Diese glichen wir mit dem Informationsmaterial ab, über das wir im eigenen Betrieb verfügten. Einiges davon ist vertraulich, sodass wir es nicht verwenden werden. Was den anderen Teil des Materials betrifft, sind die Leute sehr froh, wenn wir es veröffentlichen.
Grundlegend geändert hat sich, dass wir nicht mehr ausschließlich unsere eigenen Inhalte auf unserer Plattform veröffentlichen. Der Content aus anderen Quellen ermöglicht es uns, einen umfassenden Service anzubieten. Gleichzeitig steigern wir auch die Produktivität der bereits generierten Inhalte.
Alles was wir bisher gemacht haben, spielt sich auf sehr lokaler Ebene ab. Alles was von diesem Unternehmen erstellt wird, sind lokale Zeitungen für ein lokales Publikum oder für Menschen mit Interesse an Singapur. Mein Vertrauen in dieses Konzept rührt von dem Gefühl her, dass die Menschen die globale Quelle Internet eigentlich für die Suche nach lokalen Inhalten nutzen. Jeder sucht nach etwas, das ihn persönlich oder seine engen Verwandten betrifft. (…) Darum geht es bei SPH Search: Wir wollen die Menschen darüber informieren, was in ihrer unmittelbaren Umgebung vonstatten geht. Doch die zweite Sache ist, dass wir den Nutzern auch verfügbar machen wollen, was andernorts in der Welt passiert und eine Auswirkung auf den Einzelnen hat.
Stirbt beispielsweise ein Singapurianer im Ausland, könnte diese Information selbst für die Nachbarn in seinem Land von geringem Interesse sein, aber für seine Familie oder Freunde in Singapur wäre sie von enormem Wert. Wir wollen daher alles erfassen, was in Singapur vonstatten geht, aber auch alle Daten darüber, was jenseits von Singapur geschieht. Als Beispiel möchte ich die Katastrophe in der texanischen Stadt Waco nennen. Über 70 Menschen, darunter Frauen und Kinder, wurden in Waco erschossen, und die Schlagzeilen der australischen Zeitungen am nächsten Tag lauteten: „2 Australier sterben in Waco“. Dies waren offensichtlich ihre lokalen Nachrichten. Man könnte es als etwas unsensibel betrachten, doch so läuft es auf der Welt. Wir wollen daher auch lokale und globale Informationen über Singapur. So haben wir dieses Produkt geschaffen: Wir führten unsere Daten mit vorhandenen Quellen zusammen.
Es macht keinen Sinn, ein Archiv nur an ein paar Unternehmenskunden zu verkaufen. Ich denke in der breiten Öffentlichkeit besteht ein Interesse, nicht nur auf aktuelle Inhalte zuzugreifen, sondern auch auf die Inhalte in den Archiven. Wir müssen herausfinden, wie wir diese Inhalte für sie erschließen. Schreibt jemand eine Kritik über einen aktuellen Film, ist das großartig, denn es hilft Ihnen zu entscheiden, ob Sie diesen Film sehen möchten oder nicht. Doch ein Jahr später, wenn die DVD zu diesem Film auf den Markt kommt, ist die Meinung des Filmkritikers noch genauso gültig wie noch vor wenigen Monaten. Da Archivinhalte von den meisten Zeitungen in der Regel an große Unternehmenskunden verkauft werden, ist dieser spezielle Content für diese Unternehmen nicht von Wert. Von großem Wert ist er hingegen für einen Durchschnittsmenschen, der einen DVD-
Als wir das Konzept für SPH Search entwarfen, wollten wir einen gänzlich neuen Dienst anbieten, der bisher nicht zur Verfügung stand, und ein ganz neues Publikum ansprechen.
Ich denke die Tatsache, dass wir jeden Tag so viele Zeitungen verkaufen, ist auf die Stärke unserer Marke zurückzuführen. Auch dass die Werbetreibenden nach wie vor unsere Print-
IFRA: Welche Art von personellen und finanziellen Ressourcen setzt ein solches Projekt voraus?
P. Jansen: Im Rahmen dieses Projekts werden im Unternehmen rund 40 Personen an verschiedenen Aufgabenstellungen arbeiten. Dies ist jedoch nur möglich, weil wir die zugrunde liegende Suchtechnologie-
Ich kann nicht im Detail auf die Ausgaben eingehen, die für SPH Search getätigt werden, kann jedoch auf die jüngste Erklärung des SPH Vorsitzenden Dr. Tony Tan verweisen, in der er bekannt gab, dass SPH 100 Millionen SGD für Investitionen in Internet-
ien bereit gestellt hat, zu denen auch unsere Rubrikanzeigensektionen zählen, die wir nun auch ins Online-
IFRA: Worin besteht das Geschäftsmodell?
P. Jansen: Unser Geschäftsmodell basiert hauptsächlich auf Werbung sowie einigen Premium-
Die Verwaltung dieser verschiedenen Plattformen stellt eine weitere Herausforderung dar. Denn anscheinend verkaufen unterschiedliche Teams unterschiedliche Produkte. Einige Unternehmen haben sich für ein sehr aggressives Vorgehen entschieden: Jede Einheit innerhalb des Unternehmens übernimmt eigene Verantwortung für ihren Erfolg und wirft unter Umständen auch die eigenen Produkte des Unternehmens aus dem Rennen. Wenn sie Erfolg hat, gut für sie. Wenn nicht, Pech! Dies ist ein ziemlich hartes Vorgehen. Mein Vorschlag wäre, Print, Portale und Suchen auf eine gewisse Weise zu integrieren.
IFRA: Sind die Anzeigenverkaufsteams Ihrer verschiedenen Plattformen integriert?
P. Jansen: Nein, es ist aufgeteilt. Es gibt zurzeit mehrere Teams für den Online-
Für ein großes Ereignis wie der erste F1 Grand Prix in Singapur (der im September 2008 stattfindet) wird jeder Bereich in dieser Organisation (Print, Search, Online-
IFRA: Welche Art von Technologie setzen Sie für Werbe-
P. Jansen: Auf der Display-
Die Möglichkeit, Informationen über den Nutzer im Internet zu sammeln und zu verarbeiten, ist von entscheidender Bedeutung. Auf dem Wege der Nutzung unserer eigenen Suchmaschine önnen wir ein Online-
In diesem neuen Geschäft ist der ROI einfacher zu verfolgen als bei allen anderen Prozessen. Wenn ich eine Anzeige schalte, die Nutzer sie aber nicht anklicken und auf eine andere Site gehen, weiß ich genau, wie viel mich das kostet und ich kann das exakte Ergebnis meiner Investition messen. Diese exakte Ermittlung des ROI ist ein wichtiger Service, der mit unserem neuen Produkt einhergeht. Pay-
IFRA: Haben Sie bereits mit Media-
P. Jansen: Bisher haben wir nur mit wenigen von ihnen gesprochen. Aber von denen, mit denen wir sprachen, haben einige sehr schnell verstanden, was wir vorhaben und was wir erreichen können. Doch viele wollen sich ansehen, wie unser Dienst funktioniert. Da er so neu ist, sind sie nicht sicher, wie das Modell der integrierten Suche funktionieren wird. Sie wissen, dass es Verzeichnisdienste gibt und sie wissen, dass die Nutzer etwas sehr Spezielles suchen: eine Geschäftsadresse oder eine Telefonnummer – aber was ist mit einer Filmkritik oder einem Nachrichtenbericht? Die Media-
IFRA: Welche Art von externen Quellen haben Sie integriert? Welche Art von Partnerschaften haben Sie aufgebaut?
P. Jansen: Es gibt drei verschiedene Ebenen von Quellen. Eine sind Quellen, die wir durchforsten können, die frei verfügbar sind. Wenn wir also unsere Spider aussenden und sie entdecken eine Site mit auf Singapur bezogenen Inhalten, ermittelt unser Algorithmus den Wert, den die Seiten dieser Site für unsere Leser haben. Sind sie „wertvoll“, durchforsten wir die Site und nehmen sie in unseren Index der relevanten Materialien auf. Die zweite Ebene der Quellen sind Organisationen, die Inhalte, die wir wollen, besitzen oder hosten. Dies könnten beispielsweise ein Singapur-
IFRA: Auf die gleiche Weise wie es Schibsted mit ihrer Suchmaschine Sesam handhabt, die von Yahoo! unterstützt wird?
P. Jansen: Ja. Sesam entschied sich für einen Zusammenschluss mit Yaho
o! Wir haben mit den wichtigsten Suchmaschinenanbietern gesprochen und evaluieren zurzeit, welcher der beste Partner für uns wäre.
IFRA: Lassen sich die Kenntnisse und Erfahrungen, die sie nun in Singapur erwerben, in andere Länder Asiens exportieren?
P. Jansen: SPH könnte es vielleicht, aber hätte wahrscheinlich kein Interesse daran, in Nachbarländer zu gehen und eine eigene Suchmaschine aufzubauen. Wenn wir aber einen Partner wie uns in Singapur finden, wäre die Sache anders. Ein sehr wichtiges Problem besteht für uns darin: Wäre ich ein deutsches Unternehmen, das sich für alles interessiert, was für Deutsche relevant ist, kämen alle Internet-
Wir erarbeiten zurzeit Geschäftsregeln zur Lösung dieses Problems. Diese Fähigkeit, Regeln zur Identifizierung spezieller lokaler Inhalte zu erarbeiten, ist wahrscheinlich der größte Wert, den dieses Unternehmen in ein Projekt in einem anderen Land einbringen könnte.
Um Ihre Frage direkter zu beantworten, haben wir schon ein Interesse daran, die Qualifikationen, die wir entwickeln, zu einem späteren Zeitpunkt zu exportieren. Doch erst müssen wir unser eigenes Produkt lancieren, den Erfolg und die Misserfolge beoachten, Veränderungen vornehmen und uns dann auf die Suche nach neuen Partnern begeben. SPH Search selbst wird ein lokales Unternehmen bleiben und unser Regionalunternehmen 701Search wird dann entscheiden, ob es unsere Fertigkeiten nutzen und exportieren will.
IFRA: Haben Sie diese Kompetenzen intern entwickelt oder zählen diese zum Know-
P. Jansen: Wir arbeiten mit Fast, einem Unternehmen mit Sitz in Norwegen, zusammen, das eine Möglichkeit zum Durchforsten des Webs, zur Index-
Darüber hinaus arbeiten wir mit Forschern zusammen. Unsere derzeitigen Dienste reichen für die heutigen Bedürfnisse der Nutzer aus, doch wir blicken bereits fünf Jahre weiter und erörtern neuere Technologien und weitere Fortschritte. Unsere Diskussionen mit den Forschern konzentrieren sich auf unsere Suche nach neueren Technologien, neuen Entwicklungen. Wir sind froh darüber, in diese Art von Forschung zu investieren und hoffen die Erkenntnisse nutzen zu können. Wir verfügen auch über eine kleine Gruppe, die bis weit in die Zukunft hinausblickt.
Wir haben die Absicht, lange im Geschäft zu bleiben und dazu muss man in Forschung investieren, um in der Lage zu sein, sich in der Zukunft neu zu erfinden. Wenn Sie die Leute fragen, was sie wollen, werden sie Ihnen sagen, was sie wissen, aber um Erfolg zu haben, müssen Sie innovativ sein und etwas anbieten, an das vorher niemand gedacht hätte.
IFRA: Wird SPH Search auf Mobiltelefonen zur Verfügung stehen?
P. Jansen: Auf alle Fälle. Wir dachten von Anfang an, dass wir zeitgleich mit der Einführung des Portals eine mobile Site lancieren müssen. Einige mobile Dienste bieten wir bereits jetzt an. Die Leser senden uns Fotos oder Videos über ihre Mobiltelefone. SPH Search wird auf dem Mobiltelefon abrufbar sein, auch wenn der Dienst nicht völlig identisch mit der Web-
IFRA: Werden die Unternehmen, die in ihrem Verzeichnis aufgeführt sind, die Möglichkeit haben, ihre Daten selbst zu aktualisieren?
P. Jansen: Ja. Ein Unternehmen, das in einem Verzeichnis erscheinen möchte, muss in der Regel dafür bezahlen. Doch wir sind der Ansicht, dass es einige sehr grundlegende Informationen gibt, für die einem wirklich nichts berechnet werden sollte. Für die übrigen Inhalte, die Sie hinzufügen möchten und die andere Leute nicht haben, wäre dann zu zahlen.
Wenn Sie sich im privaten Bereich für einen Telefonanbieter entscheiden, werden Sie automatisch in das Telefonbuch aufgenommen, und wenn Sie dort nicht aufgeführt werden möchten, müssen Sie mehr bezahlen! Wenn Sie sich jetzt entscheiden, im Verzeichnis geführt zu werden und sogar noch mehr Informationen hinzuzufügen als nur Ihre Telefonnummer, dann können Sie das tun. Im Grunde richten wir eine Plattform ein, die größtenteils kostenlos ist, und wir werden nur für sehr spezielle Premium-
Das Interview führte Gilles Demptos.
