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Interview mit Rainer Kirschke, Agfa, zur IFRA Expo 2009
Mon, 2009-08-31 18:27 — Charlotte Janis...
- Article ID:
- 10360
IFRA Expo 2009 Interview
Rainer Kirschke ist Verkaufsleiter für das Segment Zeitung in Zentraleuropa bei der Agfa Graphics Germany GmbH & Co. KG.
WAN-IFRA: Was werden aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen dieser IFRA Expo sein?
RAINER KIRSCHKE: Die wichtigsten Themen zur IFRA Expo werden sich auf die wirtschaftliche Situation der Verlage und ihren produzierenden und druckenden Standorten fokussieren, um durch weitere Struktur- und Prozessveränderungen die wettbewerbsfähige Position zu sichern. Bei weiter sinkenden Auflagen ist ein Fokus auf die technische Möglichkeit der Rotationsmaschine gesetzt, möglichst viele Druckprodukte des Verlags variabel zu realisieren, aber gleichzeitig die Produktionskosten durch Reduktion der Rüstkosten und Maschinenbelegung weiter zu reduzieren. Damit ist der Fokus auf Automatismen zwischen Plattenherstellung und automatisiertem Rüsten der Druckzylinder klar gesetzt. Neben der rein mechanischen Aufgabe sind hier Veränderungen in der digitalen Steuerung von inhaltlichen und Planungs-/Belegungsdaten unabdingbar. Neben den ökonomischen Aspekten steht natürlich auch die Ökologie im Zentrum des Interesses unserer Kunden. Die Reduktion von Betriebsmitteln, die Vereinfachung von Arbeitsprozessen und die Vermeidung von Abfallstoffen ist dauerhaft ein wichtiger Faktor für die Zukunftsorientierung aller Unternehmen. Ökonomie und Ökologie helfen aber nicht allein, um die Zukunft der Zeitung und die Verbreitung von journalistischer Qualität zu sichern. Die Aufgabe, die an die Verlage gerichtet ist, ist die Schaffung von Attraktivität der gedruckten und digitalen Informationen im Mix für die nachrückenden Generationen. Wie treffen Kommunikationsgewohnheiten der heutigen Jugend morgen auf das Informationsangebot der Verlage, und wie ergeben sich Synergien, die den Verlagen in Zukunft eine Chance geben, journalistische Qualität an ihre Konsumenten zu verkaufen?
Seit vielen Jahren bietet Agfa Lösungen für den Zeitungsmarkt an und sieht sich als Partner in diesem Markt, der in allen Belangen zusammen mit den Kunden diese Prozessveränderungen mitgestaltet und realisiert.
WAN-IFRA: Welche Akzente wird Ihr Unternehmen in diesem Jahr setzen? Werden Sie neue Produkte/Entwicklungen vorstellen?
R.KIRSCHKE: Nichts ist wichtiger in kritischen Zeiten als durch Kontinuität und Stabilität mit der Weiterentwicklung von Lösungen den Weg in die Zukunft aufzuzeigen. Daher werden wir auf der IFRA 2009 in den Bereichen Software, Hardware und Verbrauchsmaterialien neue auf die Anforderungen unserer Kunden konzipierte Lösungen und Innovationen zeigen und die bereits gesammelten Erkenntnisse mit unseren Anwendern austauschen. Die IFRA 2009 in Wien bietet dafür die perfekte professionelle Plattform.
WAN-IFRA: Glauben Sie, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft und die Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird? Inwiefern wird sich das auf Ihr Geschäft auswirken und wie reagieren Sie darauf?
R.KIRSCHKE: Die Zeitungslandschaft ist seit geraumer Zeit von den wirtschaftlichen Einflüssen verändert worden. Das Weggehen von Auto- und Stellenanzeigen vom bedruckten Papier in das Internet liegt schon lange zurück; sie sind aus heutiger Sicht unwiderruflich verloren. Interne Controlling-Abteilungen nehmen immer stärker Einfluss auf die Entscheidungen der Verlagshäuser, Prozesse zu verändern, die den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Kosten werden weiter reduziert, um das fehlende Wachstum auszugleichen. Dies geschieht durch Senkung der Ausgaben für die Produktionsmittel, Reduktion der Mitarbeiter oder Reduktion der Umfänge gedruckter Produkte. Wir reagieren als Unternehmen Agfa schon seit vielen Jahren mit schlanken, auf die Anforderungen des Marktes abgestimmten Vertriebsteams, die sehr eng mit den Kunden die Situation vor Ort abgleichen und an die Forschung und Entwicklung die wichtigen Faktoren zur Schaffung von praxisorientierten Innovationen und Lösungen weiterleiten. Im Rahmen vieler unterschiedlicher Beratungsprojekte haben sich die Vertriebsmitarbeiter Know-how angeeignet, um die heutigen sowie die künftigen Zielvorstellungen der Kunden und Interessenten zu erkennen, Lösungen zu diskutieren, notwendige Veränderungen in ihren Prozessen aufzuzeigen und natürlich auch unsere passenden Systemlösungen zu verkaufen.
Das Konzept der Kontinuität wird von unseren Kunden hochgeschätzt und bietet kurze Wege, verknüpft mit hoher Kompetenz und schneller Umsetzung.
WAN-IFRA: Hält Agfa weiterhin ausschließlich an der Violet-Technologie fest? Warum?
R.KIRSCHKE: Die Violet-Technologie hat sich im Markt durchgesetzt und wird im Vergleich zu den anderen verfügbaren Belichtungsquellen am häufigsten eingesetzt. Dabei geht es nicht um das Festhalten an einer Technologie, sondern um die kontinuierliche Optimierung und Abstimmung mit dem Gesamtprozess der Plattenherstellung. Die Kunden im Markt entscheiden welche Technologien für die Zukunft eingesetzt werden, wir liefern die Lösung dazu. Violet-Technologien sind hochpräzise und langlebig, kostengünstig, ermöglichen mit einfachem Aufbau höchste Belichtungsleistungen und erfahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung, da ihre Verwendung im Bereich der Elektronik auf einer breiten Basis stattfindet. In Verbindung mit den neuesten Entwicklungen im Bereich der violetten chemiefreien Druckplatten von Agfa für die Zeitungsanwendung zeigt die violette Lichtquelle beste Ergebnisse. Entscheidend ist ein störungsfreies Verdrucken der Platten in der Rotation – das ist, was den Verlags- oder Druckereileiter interessiert.
WAN-IFRA: Wie ist die Nachfrage nach chemiefreien bzw. chemie-reduzierten Platten für den Zeitungsbereich?
R.KIRSCHKE: Da wir mit einer neutralen Auswaschgummierung das druckende Bild der N92 VCF Platte erzeugen, können wir von einer sehr hohen Nachfrage nach chemiefreien Druckplatten für die Zeitungsproduktion sprechen und beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit der Anwendung in der Praxis und nicht mit Diskussionen um Wortdefinitionen. Nach den ersten Praxiseinsätzen vor eineinhalb Jahren, haben wir aus den unterschiedlichsten Kundensituationen viele Erkenntnisse gewonnen und dies in die Optimierung der chemiefreien Platte einfließen lassen. Parallel dazu haben wir schon seit vielen Jahren mit der chemiefreien Druckplatte Azura großen Erfolg im Akzidenz-Bereich. Chemiefrei ist der Trend. Prozessstabilität, Reduktion der Betriebsmittel und Wartungs-/Reinigungszyklen sind Faktoren, die immer mehr Zeitungsbetriebe dazu veranlassen, sich für die Migration zur „chemfree violet polymer“-Technologie von Agfa zu entscheiden.
WAN-IFRA: Gibt es bereits durch die Praxis gestützte Erkenntnisse darüber, in welchem Umfang Kosten für Chemikalien und Entsorgung eingespart werden können?
R.KIRSCHKE: Natürlich haben wir in dem Mix der Anwender und den Einzelsituationen Erkenntnisse gesammelt welches Potenzial in der chemiefreien Entwicklung steckt. Da sich nicht über alle Betriebe die Kostenzuordnung und Wertedefinitionen gleich erstrecken, kann als Anhaltspunkt eine Reduktion der Betriebsmittel auf ein Drittel der Menge angegeben werden. Reinigungs-Wartungszeiten können ebenfalls auf ein Drittel reduziert werden. Die positive Auswirkung durch die Reduktion der Einzelprozesse und damit die Fehlervermeidung auf den Bereich Druck, ist sicherlich von Haus zu Haus unterschiedlich zu bewerten. Unser Ziel für die nahe Zukunft ist es, eine weitere Straffung und Optimierung der Prozesse im Gesamtsystem zu bewirken.
