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Interview mit Ron Reason, Designer

Mon, 2007-05-07 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
3905

Ron Reason ist Designer, Consultant und Dozent und lebt in Chicago, Illinois, USA.

zeitungstechnik: Wie hat sich das Zeitungsdesign in den letzen Jahren entwickelt und wie stark wird es sich ihrer Einschätzung nach in den nächsten zwei oder drei Jahren verändern? Gehen Sie davon aus, dass es in naher Zukunft grundlegende Veränderungen geben wird oder eher Detailverbesserungen gegenüber dem heutigen Stand?

Ron Reason: In den letzten Jahren hat sich der zeitliche Abstand zwischen zwei Redesigns drastisch verkürzt.

Früher war dies ein Zeitraum von rund 10 Jahren. Dann schien es sich bei 5 Jahren einzupendeln. Inzwischen sind einige Zeitungen – sogar große Titel – bereit, alle ein bis zwei Jahre eine Umgestaltung vorzunehmen. (Ein Beispiel hierfür ist die Chicago Sun-Times, die kürzlich eine Umgestaltung vorgenommen und dabei das Redesign von vor drei Jahren ausgemustert hat.)

Gründe hierfür sind das zunehmend verzweifelte Bemühen der Verlage, schrumpfende Märkte zu erreichen; die wachsende Tolerenz vonseiten der Leser, die heutzutage daran gewöhnt sind, dass sich Designs jährlich, monatlich oder sogar wöchentlich (im Web) ändern; und schließlich die Notwendigkeit, dem anhaltenden Trend hin zu kleineren Seitenformaten Rechnung zu tragen.

Ich wäre nicht überrascht, wenn in den nächsten drei bis fünf Jahren immer mehr mit Templates gearbeitet würde und es zu einer zunehmenden Standardisierung von Layouts käme, um so Kosten für Gestaltung und Personal einzusparen.

Zeitungsdesigner und Art-Direktoren wollen das zwar nicht gerne hören, doch ich glaube, das wird kommen. Ich war nie sonderlich davon überzeugt, dass Designs von Markt zu Markt radikal unterschiedlich sein müssen, um beispielsweise dem jeweiligen Typografie- oder Farb­geschmack zu entsprechen.

Die globale Standardisierung bei der Gestaltung von Blogs beispielsweise zeigt, dass es den Lesern auf den Inhalt ankommt, nicht auf „neue“ Fonts oder ein­drucks­volle Farbpaletten. Online-Leser haben bewiesen, dass Gestaltungsvarianten nicht die Bedeutung besitzen, die ihnen viele Print-Traditionalisten lange Zeit zugeschrieben haben.

zt: Sie haben an Redesigns außerhalb der USA mitgearbeitet und an Journalismus-Instituten in verschiedenen Ländern gelehrt. Gelten die Grund­prinzipien für gutes Zeitungs­design überall gleicher­maßen oder gibt es größere Unterschiede je nach Land oder Kultur?

R. Reason: Natürlich gibt es verschiedene Alphabete und in manchen Kulturen liest man von rechts nach links. Doch alle Kulturkreise, die ich besucht habe, zeigten in den letzten Jahren einen unersättlichen Appetit nach allem Visuellen und Grafischen.

Die Gulf News aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, an deren Redesign ich vor einigen Jahren beteiligt war, beschleunigten hinsichtlich Grafik und Design von Null auf Hundert – und eine erheblich verbesserte Zeitung war das Ergebnis.

zt: Welche Aspekte sollten Zeitungen beachten, wenn sie eine Neugestaltung vornehmen?

R. Reason: Dazu sollten Sie sich den Beitrag auf meiner Website anschauen. (Anmerkung der Redaktion: Siehe dazu unseren „Links“-Bereich.)

Dem würde ich gerne noch Folgendes hinzufügen: Zeitungen müssen in allererster Linie den enormen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Leser berücksichtigen. Wichtig ist, das Design klar und übersichtlich zu gestalten. Die Leser müssen sich blitzschnell zurechtfinden und es muss eine gute Lesbarkeit gewährleistet sein.

Redaktionen in aller Welt müssen viel tun, um von der ausführlichen Form der narrativen Berichterstattung nach dem Muster der umgekehrten Pyramide weg- und hin zu einer besseren Aufgliederung und Segmentierung der vermittelten Inhalte zu kommen – also zu nicht-traditionellen Story-Formen.

zt: Welchen Rat würden sie normalen Zeitungsdesignern (d.h. den internen Layoutern, die Tag für Tag die Zeitung gestalten) geben, die besser werden wollen?

R. Reason:

Halten Sie sich an die Regeln, d.h. an das Stilbuch Ihrer Zeitung, falls es ein solches gibt.

Wenn es keines gibt, fragen Sie, an welche Standards Sie sich halten sollen. Erklären Sie sich eventuell bereit, ein solches Stilbuch zu erstellen; klären sie mögliche Inkonsequenzen und Missverständnisse hinsichtlich der Erstellung der Zeitung.

Achten Sie auf klare Seitenlayouts, ausdrucksstarke Auswahl und Größenwahl der Fotos (die, wie die neue Poynter EyeTrack-Studie kürzlich erneut bestätigte, das Interesse der Leser auf sich ziehen) sowie die Erstellung von Übersichtskästen und Infografiken (selbst von einfachen).

Setzen Sie eine offene, ehrliche Kritikrunde an, z.B. einmal pro Woche oder zumindest einmal pro Monat, in deren Rahmen einzelne Seiten durchgegangen werden können. Ein Supervisor sollte anwesend sein, der die besten Beispiele hervorhebt und aufzeigt, was nicht gut funktioniert und warum.

Stattdessen können Sie sich auch einen Mentor – entweder innerhalb der Zeitungsredaktion oder bei einer anderen Zeitung – suchen, der eine solche regelmäßige Überprüfung Ihrer Arbeit vornimmt. Ein ehrliches Feedback, von welcher Seite auch immer, ist der einzige Weg, sich zu verbessern.

zt: Sie waren fünf Jahre lang Direktor für visuellen Journalismus am Poynter-Institut, das kürzlich die Ergebnisse der EyeTrack07-Studie, der ersten größeren Untersuchung zu Printzeitungen seit 16 Jahren, vorgestellt hat. Wie stark werden Ihrer Ansicht nach die Erkenntnisse aus dieser Studie das Zeitungsdesign beeinflussen?

R. Reason: Ich glaube, die größte Veränderung wird vielleicht der vermehrte Einsatz alternativer, leicht lesbarer Formen der Berichterstattung sein.

Kurze Zusammenfassungen mit Infoboxen im Magazinstil, die verschiedenen Lesergruppen zur raschen Information dienen.

Die neue Untersuchung zeigt, dass die Leser auf diese Art von Informationen ansprechen und die Inhalte besser behalten als bei der herkömmlichen Darstellung mit langen Texten.

zt: Sind solche Ergebnisse – auf der Grundlage einer Untersuchung an Zeitungslesern in einem bestimmten Land – auch für Zeitungen in anderen Ländern von Nutzen?

R. Reason: Sie sind nützlich für Redakteure englisch­sprachiger Zeitungen in aller Welt.

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