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Interview mit Tanja Hackner, Projektleiterin von BILDmobil, Axel Springer

Tue, 2009-02-24 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
8005

IFRA: BILDmobil wurde im Oktober 2007 eingeführt und wurde seither bereits um weitere Angebote für die Nutzer erweitert. Wie ist die Akzeptanz dieses Dienstes, nachdem die User nun Zugriff auf mehr Inhalte und Services haben? Was sind die meist genutzten Bereiche?

Tanja Hackner: Mit der Einführung von BILDmobil können wir einen sensationellen Erfolg verbuchen. Von Anfang an hat sich der USP des kostenlosen BILDmobil-Portals durchgesetzt. Im Unterschied zum stationären Internet setzt sich der mobile User intensiver mit den Inhalten und Services auseinander. Verweildauern von 60 Sekunden pro Site und mehr als 8 Minuten pro Visit haben uns zu Anfang positiv überrascht. Die meist genutzten Channels sind News, Sport und Unterhaltung. Gefolgt von Services wie Wetter und TV-Programm.

IFRA: Von Anfang an hat Bild auf ein ganz besonderes Geschäftsmodell gesetzt, das sich von dem anderer Zeitungen unterscheidet. Sie bieten eine Bild-Prepaidkarte an, mit der man für 10 Cent – derzeit 9 Cent – telefonieren kann und überdies kostenlos auf dem Bild-Mobilportal surfen kann. Hat sich diese Entscheidung bewährt? Haben Sie viele Prepaid-Karten verkauft und surfen Ihre Nutzer auf Ihrer Site häufiger als dies normale Zeitungskunden per Handy tun?

Tanja Hackner: Der oligopolistisch strukturierte Mobilfunkmarkt macht es jedem Content-Angebot schwer, den User direkt zu erreichen. Jeder MNO hat ein eigenes Portal, über das der User erst umständlich zu BILDmobil gelangen muss. Mit der BILDmobil SIM-Card ist es uns gelungen, einen kostenlosen und damit auch barrierefreien Zugang mit einem Klick auf das Portal zu ermöglichen. Damit haben wir dem Kunden die Angst genommen, dass er hohe, intransparente Datentransferkosten in Kauf nehmen muss. Er hat die Sicherheit, dass er sich ständig aktuell informieren kann, ohne dass am Monatsende die böse Überraschung folgt. Das haben unsere Konsu­menten erkannt! Die durchschnittliche Usage liegt bei unseren direkten Kunden um ca. 25% höher, was Ausdruck der Kostensensibilität ist. Würden wir heute noch einmal starten, so wäre es auch jetzt noch der richtige Weg.

IFRA: Ist Ihre Website optimiert für die Darstellung auf allen verschiedenen Browsern (Opera, Opera Mini, Safari, Firefox, Nokia-Browser) und Geräten auf dem Markt? Auf welche technischen Einschränkungen oder Schwierigkeiten sind Sie dabei gestoßen?

Tanja Hackner: Wir arbeiten in der Auslieferung der BILD-Inhalte und der Entwicklung spezieller Applikationen wie Polls mit unserem Dienstleister Netbiscuits zusammen. Sie aggregieren den Content und liefern ihn nach festgelegten Templates auf die unterschiedlichen Endgeräte aus.

IFRA: Einige Verlage haben Bedenken geäußert, dass einige Browser die Inhalte für die Darstellung auf den einzelnen Geräten so aufbereiten, dass a) die Gestaltung nicht ansprechend ist und b) die Zeitung nicht genau nachvollziehen kann, von welcher IP-Adresse genau die User zugreifen… Welche Erfahrung haben Sie in dieser Hinsicht gemacht?

Tanja Hackner: Eine automatische Um- oder Verwandlung kann nur negativ sein, sowohl aus Marken- als auch Content-Gesichtspunkten. Die Marke muss das Erscheinungsbild und damit die Tonalität zu 100% kontrollieren. Hier haben Techniker versucht, den Prozess zu vereinfachen, ihn aber dadurch verschlechtert.

IFRA: Seit etwa einem Jahr wird das iPhone in Deutschland verkauft, und seit etwa einer Woche nun das Mobiltelefon von Google. Diese beiden Geräte haben die Art und Weise revolutioniert, wie die Leute Informationen auf ihren Handys konsumieren – dank nativer Applikationen (die vom App Store bzw. vom Android Market kostenlos oder gegen Gebühr heruntergeladen werden können). Erwägen Sie, spezielle Applikationen für diese Smartphones zu entwickeln?

Tanja Hackner: Das iPhone und alle nachfolgenden und noch folgenden Endgeräte mit speziellem Schwerpunkt „mobiles Surfen“ sind uns sehr wichtig. Dennoch kommen mehr als 90% unserer Unique Users mit anderen als den genannten Geräten auf unser Portal. Daher konzentrieren wir uns auf alle Arten der viel verkauften Handsets gleichermaßen.

Zum anderen ist der iPhone-Traffic durch die rigorose Apple-Blockade in Form von m-commerce für Medien-Portale zur Zeit kaum zu refinanzieren. Die Frage bleibt offen, wie lange sich Medien diesen Showcase noch leisten werden.

IFRA: Welche Vorteile hat es Ihrer Ansicht nach, die Nutzer direkt auf ihre mobile Website zu lenken, anstatt dass sie Ihre Nachrichten über eine solche native Applikation lesen, wie sie die Zeitung 20 Minuten in der Schweiz oder die New York Times in den USA bieten?

Tanja Hackner: Bild ist inzwischen eine multimediale Marke. Wir nutzen alle Potenziale der neuen Medien­landschaft und liefern unseren Content inzwischen über alle möglichen Verbreitungswege aus. Und jeder Kanal hat seinen eigenen Nutzwert. Wir ersetzen nicht das gedruckte Blatt, sondern ergänzen es. Über das mobile Portal können sich unsere Kunden an jedem Ort spontan mehrmals täglich aktuell informieren. Außerdem werden zusätzliche Services wie z. B. regionale Staumeldungen oder das aktuelle Wetter angeboten.

IFRA: Wie ist Werbung in Ihre mobile Website eingebunden? Wie war die Resonanz vonseiten der Werbetreibenden auf BILD mobil?

Tanja Hackner: Die mobile Vermarktung in Deutschland kann stetiges Wachstum verzeichnen. Immer mehr Werbetreibende entdecken für sich den Nutzen unserer mobilen Werbeplattform. Wir bieten auch viel Leistung für das Budget: Targeting der Zielgruppen, Übernahme von Kreation und Conversion Rates, die es im stationären Internet vor fünf bis sieben Jahren einmal gegeben hat.

Somit nutzen inzwischen viele verschiedene Branchen mit cross- aber auch monomedialen Kampagnen das mobile Netz.

IFRA: Wenn Sie anderen Zeitungen in anderen Teilen der Welt einen Rat dahingehend geben sollten, wie man eine mobile Strategie angeht, was würden Sie empfehlen?

Tanja Hackner: Das mobile Web ist ein eigenständiges Medium - und das nicht nur aufgrund der Bildschirmgröße, sondern aufgrund der Verwendungssituation. Erfolgreich wird nur derjenige sein, der seine Marke zu 100% auf die mobile Nutzung ausrichtet und dabei immer berücksichtigt, dass das Handy 24 Stunden sieben Tage die Woche aktiv ist.

Das Interview führte Mari Pascual.

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