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Managing Ink and Paper

Thu, 2009-06-04 11:45 — WAN-IFRA

Article ID:
10131

IFRA-Konferenz

26. und 27. Mai 2009 in Hamburg

Am 26. und 27. Mai 2009 fand in Hamburg eine internationale IFRA-Material-Konferenz unter dem Thema „Managing Ink & Paper“ statt, an der 45 Teilnehmer aus 13 Ländern teilnahmen. Ein Highlight der Konferenz war die nachmittägliche Hafenrundfahrt, gesponsert vom „Port of Hamburg“ und dem Papierlogistik-Unternehmen Pohl + Co. Auch EAE trat als Sponsor der Konferenz in Erscheinung.

Zusammenfassung von Manfred Werfel, Group Director and Deputy CEO, IFRA

Moderatorin Beatrix Beckmann von IFRA führte durch das Konferenzprogramm. Sie erhob den Anspruch, nicht nur altbekannte Zeitungsthemen zu behandeln, sondern auch einen Blick über die Grenzen der eigenen Industrie zu werfen, speziell in den Themenbereichen Umweltschutz und Logistik.

Konferenzthemen waren Marktentwicklung, technische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Papier und Farbe, die Interaktion von Farbe und Papier, verbesserte Materialeigenschaften, Material-Handhabung, Farb-Wasser-Balance, Tests in Materiallabors und im Praxisumfeld, Qualitätsmanagement, ökologische Produktion, Kontrolle des CO₂-Ausstoßes, Logistik und „Supply Chain Management“.

In zehn Jahren nur noch drei große Zeitungspapier-Lieferanten?

Sampo Timonen von RISI aus Finnland gab einen Überblick über den zurzeit einbrechenden Zeitungsdruckpapier-Markt. Allein im Januar 2009 ging der europäische Bedarf um 20,3% zurück. Erwartet wird ein Rückgang auf das Niveau von 1994 in diesem Jahr. Timonen sieht als Ursache vor allem strukturelle Veränderungen, die sich durch die allgemeine Wirtschaftskrise verschärft bemerkbar machen. Die Lieferindustrie reagiert mit dem Abbau von Produktionskapazität. Um 1,5 Millionen Tonnen wurde die Zeitungsdruckpapier-Produktion seit 2006 in Europa zurückgefahren. Aber gleichzeitig wird modernisiert, neue Papiermaschinen werden gerade jetzt in Frankreich, Großbritannien und in der Schweiz aufgebaut.

Zurzeit erlaube die Marktlage und das Verhältnis von Nachfrage und Angebot keine Preiserhöhungen. Seit Jahresbeginn 2009 seien die Preise um 25% gefallen. Das sei auch mit den gesunkenen Rohstoffkosten zu erklären, die sich inzwischen aber wieder stabilisierten.

Insgesamt rechnet Timonen langfristig mit weiter sinkender Nachfrage, mit Preisen, die sich an der Balance von Angebot und Nachfrage ausrichten und mit weiteren Konsolidierungen auf Anbieterseite sowie mit weiteren Stilllegungen. Die Veränderungen in Europa seien allerdings weniger dramatisch als in Nordamerika. Es könne dazu kommen, dass drei große Anbieter den Großteil des Marktes für Zeitungsdruckpapier künftig unter sich aufteilten.

Farbe für schnelllaufende Maschinen

Samir Bhaumik, Executive Director & COO von Dainippon Ink Company aus New Delhi in Indien, befasste sich mit Farben für schnelllaufende Druckmaschinen. Hohe Druckmaschinen-Geschwindigkeit definierte er in Übereinstimmung mit einem US-Patent als eine lineare Bahngeschwindigkeit von 2500 Fuß pro Minute (ca. 15 m/sek.) oder höher. Geschwindigkeit sei in diesem Zusammenhang keinesfalls mit Exemplaren pro Stunde berechenbar. Weitere kritische Parameter für Druckfarben seien Feucht- und Farbwerk, Farbwerktemperatur, Rollendurchmesser, Abstand zwischen den Druckstellen.

Bhaumik stellte dar, wie sich Farben modellartig formulieren lassen, um gute Druckeigenschaften zu gewährleisten. Ziel sei eine Farbe, die eine schnelles Eindringen in den porösen Bedruckstoff ermögliche und gleichzeitig eine niedrige Viskosität aufweise, um das Durchschlagen, Aufbauen und Ablegen zu reduzieren. Beim Druck sei auf eine Minimierung des Farb- und Wasserauftrages zu achten.

Dabei könnten höher pigmentierte Farben behilflich sein. Deren Einsatz setze allerdings eine gute Steuerung des Prozesses voraus. Es gehe dabei um mehr als nur um erhöhte Ergiebigkeit der deutlich teureren Farben. Deren Einsatz müsse mit wirtschaftlichen Vorteilen wie reduzierter Makulatur oder dem Einsatz von Papier mit geringerem Flächengewicht einhergehen, um gerechtfertigt werden zu können.

Robert Warren, Labormanager von Sun Chemical, Großbritannien, sprach über optimierte Farben, für die er den Begriff „Mileage Benefit“ verwendete. Nicht nur auf die Pigmentierung komme es dabei an, sondern auch auf Faktoren wie Farbstärke, Pigmentverteilung und Füllstoffe. Ziel sei es, die Ergiebigkeit der Farbe zu verbessern anstatt ausschließlich den Pigmentanteil zu erhöhen. Schließlich könne sich dieselbe Farbe auf unterschiedlichen (Coldset-) Papieren sehr unterschiedlich verhalten.

Als Kundenvorteile nannte Warren neben der Ergiebigkeit die Reduktion der Farbfilm-Schichtdicke, das verringerte Durchschlagen, die reduzierte Tonwertzunahme, weniger Farbnebel sowie verringertes Ablegen und Abschmieren. Auch er betonte die erforderliche verbesserte Prozesskontrolle beim Einsatz solcher Farben.

Seine Hauptbotschaft lautete: Eine höher pigmentierte Farbe ist möglicherweise nicht so robust in der Anwendung und daher nicht empfehlenswert.

Material-Tests im Labor und in der Druckpraxis

Dr. Klaus Pfanner von AMRA Waterline aus der Schweiz berichtete über eine Methode zur Messung von Wasser in Farbe mit der Hilfe eines neuen Messgerätes (LithoTack). In Zusammenarbeit mit der Basler Zeitung und TA Media setzt AMRA Waterline das System ein. Gemessen werden die durch Feuchtmittel verursachte Reflexion, die Zügigkeit der Farbe und das Farbspaltungs-Verhalten. Bestimmt werden kann die Überfeuchtungs-Toleranz einer bestimmten Farbe.

David Keenan von AbitibiBowater aus Kanada sprach über standardisierte Berichterstattung über die Be- und Verdruckbarkeit von Zeitungsdruckpapier, die in enger Zusammenarbeit von Hersteller und Drucker erfolgt. Auf diese Weise konnte sowohl die Qualität erhöht als auch die Kosten gesenkt werden. Er rief die Teilnehmer zur Zusammenarbeit auf: „Gebt uns gute Daten und wir können helfen, die Gründe von Problemen herauszufinden anstelle unnötig Zeit und Geld zu verschwenden bei dem Versuch, lediglich vermutete Fehler zu korrigieren.“ Auf diese Weise kann ein Benchmarking zwischen Anwendern aufgebaut werden, die womöglich die gleiche Art Druckmaschine einsetzen, aber dennoch zu unterschiedlichen Resultaten gelangt sind.

Matthias Presotto, Labor-Manager von Prinovis, und Jörg Schönemann von Axel Springer, beide aus Ahrensburg, präsentierten gemeinsam die Leistung des Anwenderlabors in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber.

Getestet werden, ob die Anforderungen an Farben und Papiere erfüllt werden. Dazu zählen beispielsweise bei den Farben Grundeigenschaften wie Färbung und Farbkraft, Verdruckbarkeit (Fließverhalten, Zügigkeit) und Sekundäreigenschaften wie Durchschlagen, Scheuerfestigkeit und Ablegen. Genutzt werden unter anderem Testgeräte für Farbverbrauch und Farbortbestimmung bei definierten Farbmengen. Weitere Untersuchungsfragen sind: Lieferkonstanz und Unterschiede zwischen Farben verschiedener Hersteller. Weitere Tests betreffen Farbnebeln und Zügigkeit der Farben.

Papier wird getestet nach Verdruckbarkeit, Bedruckbarkeit und Druckqualität, wie optische Eigenschaften und Oberflächeneigenschaften.

Der Nutzen für den Verlag und die Druckereien besteht in der Zuordnung von Produktionsproblemen, dem nachhaltigen Einsatz von Materialien, der Kostensenkung, der verbesserten Kenntnis von Einflussgrößen, der Qualitätsoptimierung sowie einem Imagegewinn und der Stärkung des Wiedererkennungswerts. Schließlich gelangt der Auftraggeber so zu verbindlichen Vereinbarungen und Vorgaben für Lieferanten.

Nachhaltiges Produzieren wird wichtiger

Minna Nors vom finnischen Papierinstitut KCL aus Espe sprach über Nachhaltigkeit bei verschiedenen Druckverfahren und Produkten. Dabei geht es um die Betrachtung der kompletten Medien-Wertschöpfungskette während des gesamten Lebenszyklus des Produktes. Dieser beginnt bei der Forstwirtschaft und umfasst die Papierherstellung, den Druck und die Weiterverarbeitung, die Distribution der Produkte, sowie deren Nutzung durch den Leser bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung.

Minna Nors stellte dar, dass sich die Energieeffizienz in unserer Industrie seit 1992 positiv entwickelt hat. Der Materialverbrauch ging im gleichen Zeitraum zurück, lediglich der Einsatz von Buntfarbe im Coldset-Bereich nahm um mehr als 170% dramatisch zu, was auf die Durchsetzung der vollfarbig gedruckten Zeitung zurückzuführen ist.

Ebenfalls positiv verringerte sich der Verbrauch von Film und Chemikalien. Abfallstoffe werden besser sortiert und der Wiederverwertung zugeführt. Der CO₂-Ausstoß pro gedruckter Tonne Zeitung beträgt laut Nors zwischen 750 und 940 kg.

Künftig wird erwartet, dass die Entscheidung über die Vergabe eines Druckauftrags sich verstärkt auch an der Nachhaltigkeit während des Produkt-Lebenszyklus orientieren wird. Dazu werden sinnvolle Indikatoren und eine standardisierte Berechnungsmethode für die CO₂-Emission entwickelt werden müssen. Die Methode des „Life Cycle Assessment“ kann dabei wertvolle Dienste leisten.

Tanja Mett-Bialas vom Print und Media Forum, Wiesbaden, berichtete über den neuen CO₂-Rechner des bvdm und dessen Anwendung für den Zeitungsdruck.

Erforderlich ist ein umweltschonender Einsatz von Energie. Die Identifikation von Einspar-Potenzialen wird in Deutschland gefördert von der KfW. Der Bundesverband Druck und Medien entwickelte in Zusammenarbeit mit „Öko-Invent“ und Materialherstellern einen web-basierten CO₂-Rechner. In seiner heutigen Form kann er genutzt werden für Bogenoffset-, Rollenoffset- und Zeitungsdruck. In der Entwicklung befindet sich eine neue Version, die zusätzlich Tiefdruck-Rotation, Digitaldruck und Flexodruck abdeckt.

Die Eingaben im CO₂-Rechner umfassen 11 Schritte für den Zeitungsdruck: Auftragsdaten, Papier, Farbe, Feuchtmittel, Reiniger, Platten, Vorstufe usw. Zum Schluss erfolgt eine Vorschau auf das Verbrauchsprotokoll. Eine angestrebte CO₂-Kompensation erfolgt zusammen mit dem Partner FirstClimate. Dabei handelt es sich um die Finanzierung von „GoldStandard“-Projekten in Entwicklungsländern. Dies wird zertifiziert mit einer FirstClimate-Urkunde, die an den Druckkunden oder an die Druckerei gehen kann. Eine Tonne CO₂ wird heute in der Kompensation mit 17 EUR veranschlagt.

Ähnliche CO₂-Initiativen gibt es in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Der CO₂-Rechner des bvdm soll künftig auch in Englisch angeboten werden. Er soll sich an künftigen internationalen Normen orientieren.

In der Materiallogistik steckt viel Einspar- und Innovationspotenzial

Andreas W. Otto, Geschäftsführer von Pohl + Co, Deutschland, stellte den Leistungsumfang des Unternehmens dar, das sich seit mehr als 40 Jahren als integrierter und multimodaler Papierlogistik-Dienstleister zwischen Papierhersteller und Drucker versteht. Zu seinen Kunden zählt Pohl + Co. Hersteller in Nordamerika, Europa und dem Fernen Osten. Gehandhabt werden Papiere für den Publikations- und den Verpackungsdruck. Bis Mitte der 90er Jahre war Axel Springer einer der Besitzer von Pohl + Co. Heute werden 1.500.000 Tonnen pro Jahr umgeschlagen. Der Transport nutzt die See- und Binnenschifffahrt, den Bahn- und Lkw-Transport. Lagerung und Verteilung erfolgen auf Basis des Bedarfs der Druckereikunden und werden von verschiedenen See- und Binnenterminals in Deutschland aus gesteuert.

Tanguy Westerlund von Emsys in Belgien ging es um neue Konzepte für Papierlogistik. Dies kann bis zum kompletten Outsourcing gehen. Eine Firmen-Kooperation (Emsys, rve, valpaco, Westerlund) übernimmt dabei die verschiedenen Aufgaben. Dabei ist die exakte vollautomatische Steuerung des Geschäftsprozesses die Grundlage der Just-in-Time-Bereitstellung. Selbst Lagerkapazitäten von Druckereien werden als virtuelles Lager genutzt. Solange das Papier sich im Besitz von z.B. Valpaco befindet, kann es aufgrund kurzfristiger Bedarfsverschiebungen von einer in eine andere Druckerei verlagert werden. Im Ergebnis profitieren alle Beteiligten von der Kostenreduktion.

Das Leistungsspektrum umschließt auch die Logistik von Einsteckprodukten, die beispielsweise mit Hilfe von RFID-Kennzeichnung gesteuert werden können.

Die folgende Panel-Diskussion zum Thema „Papierrollen-Identifikation und Steuerung“ vereinte die folgende Expertenrunde:
- Michael Wack, IdentPro GmbH, St. Augustin, Deutschland (semi-aktive RFID-Tags)
- Dr. Klaus Weingarten, stonegarden technologies GmbH, Aachen, Deutschland (passive RFID-Tags)
- Martin Gercke, RFTRAQ Ltd, Guildford, Großbritannien (aktive RFID-Tags)

Michael Wack stellte dar, dass Papierrollen-Identifikation in verschiedenen Szenerien – stationär und mobil (Klammerstapler) – funktionieren muss. Das erfordert nach seiner Darstellung die „Intelligente Rolle“ mit semi-aktiven RFID-Transpondern, die auf dem Rollenkern aufgebracht werden. Er betonte: Jede Anwendung verlangt eine angepasste Transponder-Technik.

Dr. Klaus Weingartens Unternehmen entwickelte einen speziellen Transponder für genau die Anforderung von Papierrollen, welcher auf den Rollenkern geklebt wird. Eine Herausforderung war die Bereitstellung einer RFID-Lösung für den manuellen Klammerstapler, die mit der Firma Cascade zusammen entwickelt wurde. Inzwischen liefen verschiedene Praxistests seit 2007 mit Herstellern und Druckern. Der produktive Einsatz von Lösungen ist seit 2008 bei zwei Papierfabriken realisiert. Neben Cascade ist StoraEnso ein wichtiger Partner.

Martin Gerckes RFTRAQ kommt vom Datenmanagement her. Aktive RFID-Tags kommen zum Einsatz, wenn wiederverwendbare Transportbehältnisse genutzt werden. Dies ist in Großbritannien in einigen Großdruckereien der Fall, die Papierrollen-Hülsen aus Aluminium oder aus einer Materialmischung (Composite) nutzen. Auch Gerke betonte: Die Wahl der Technik richtet sich nach der Anwendung.

Die Diskussion ergab, dass aktive RFID Tags ausschließlich zusammen mit wiederverwendbaren Transportbehältnissen sinnvoll sind. Der Einsatz von passiven Tags, die wesentlich preisgünstiger sind, geht dagegen davon aus, dass es keine wiederverwendbaren Transportbehältnisse gibt. Die etwas teureren semi-aktiven Transponder, mit einer gedruckten Batterie ausgestattet, sind dann sinnvoll, wenn passive Tags nicht prozesssicher funktionieren können, weil z.B. die Lesedistanzen zu groß sind. Semi-passive Tags können laut Michael Wack bis zu 30 Meter Lesereichweite erreichen.

Entscheidende Fragen für die Einführung von RFID-Tags und den zugehörigen IT-Systemen sind: Was will ich erreichen, was will ich messen, was will ich tun, das ich mit konventioneller Technik noch gar nicht tun konnte? Das Applizieren von RFID-Tags kann auf der Verpackung, außen auf der Hülse, innen in der Hülse oder im Hülsenmaterial erfolgen (bei der Hülsenproduktion zwischen die Papplagen eingebaut).

In den nächsten drei Jahren wird eine größere Verbreitung von RFID im Papierrollen-Handling erwartet. Generell wird es aber noch Jahre dauern, bis RFID allgemein den Barcode ablöst, so die Expertenmeinung. Zuerst wird sich RFID bei der Weiterverarbeitung von gedruckten Zwischenprodukten und im Handel durchsetzen, später erst als Standard bei der Papierlieferung.

Beatrix Beckmann schloss die inhaltsreiche Konferenz, dankte den Sponsoren, den Vortragenden für viele neue Erkenntnisse, den Teilnehmern für rege Beteiligung sowie den Übersetzern und Technikern für die perfekte Unterstützung.

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