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Matthias Tietz zum Thema Semicommercial

Thu, 2010-10-21 07:56 — Charlotte Janis...

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11486

Semicommercial

Oktober 2010. Die Rheinisch-Bergische Druckerei (RBD) hat bei der Erweiterung ihres Druckzentrums in Düsseldorf Heerdt in neue Technik investiert, die ihr besonders im Semicommercial-Bereich neue Möglichkeiten eröffnet. Matthias Tietz, Geschäftsführer der RBD, erläutert, wie man sich dieses Marktsegment weiter erschließen will.

Wodurch können Zeitungsdruckereien im Semicommercial-Bereich mit Akzidenzdruckereien konkurrieren? Welche Argumente sprechen für das Zeitungsproduktionsverfahren?

MATTHIAS TIETZ: Die Coldset-Zeitungsdruckmaschine kann heute im 52er Raster mit aufgebessertem Zeitungspapier schon ungeahnt gute Produkte liefern. Die Zeitungsdruckereien haben im Regelfall freie Kapazitäten und die heute angebotenen Druck- und Versandanlagen bieten viele Ansätze für den Einstieg in das Akzidenzgeschäft. Diese drei Argumente in Verbindung mit einem Markt, in dem niedrige Stückpreise eine immer wesentlichere Rolle spielen, machen auch die moderne Zeitungsrolle attraktiv.

Wo fängt Semicommercial für Sie an und wo hört es auf?

M. TIETZ: Semicommercial fängt für mich bei guter Coldset-Qualität an, einer Rasterfeinheit von etwa 52 Linien/cm und aufgebessertem Zeitungspapier. Und es endet dort, wo der Akzidenzdruck anfängt, d.h. beim glänzenden Papier.

Sie setzen nicht auf Heatset, warum? Ist der Trocknereinsatz eine Option für die Zukunft?

M. TIETZ: Heatset ist zurzeit für uns kein Thema. Erst müssen die Produktionsmöglichkeiten, die heute mit den neuen Maschinen geschaffen wurden, in den Markt getragen werden. Gegen Trocknung spricht auch, dass es teurer ist. Als Option für die Zukunft würde ich diese Möglichkeit nicht ganz und gar ausschließen, aber nur, wenn ein Kunde das fordert (und die Investition von ca. 1 Mio. Euro indirekt über Aufträge wieder hereinbringt).

Gibt es in Ihrem Hause Verkäufer, die dieses Angebot gezielt vermarkten? Ist die Verlagsgesellschaft bei der Auftragsbeschaffung involviert?

M. TIETZ: Natürlich bieten wir die neuen Produktmöglichkeiten unserem Verlag an, der sie zur Optimierung der Sonderveröffentlichungsangebote nutzt. Wir betreiben aber im Wesentlichen unser Akzidenzgeschäft mit einem eigenen Verkauf. Die Verlagsgesellschaft bietet uns mit den Dienstleistungsgesellschaften des Verlages viele Netzwerkmöglichkeiten. Dies reicht z.B. vom NDV-Magazinverlag, der für den Kunden die Idee in ein Produkt umsetzen kann, bis zur Logistik und Zustellung. Je nach Bedarf hat unser Verkauf so eine Angebotstiefe, die ansprechend ist und aus einer Hand abgefordert werden kann. Alles dies mit Partnern, die wir aus dem täglichen Zeitungsgeschäft mit ihren Stärken kennen.

Spielte bei Ihrer Entscheidung für eine Wasserlos-Offset-Rotation die Aussicht auf eine Ausweitung des Semicommercial-Geschäfts eine wesentliche Rolle?

M. TIETZ: Ja natürlich. Wir wollten eine Akzidenzmaschine kaufen, die auch Zeitung drucken kann. Dieser Idee ist die Cortina sehr nahe gekommen. 70er- oder FM-Raster sind einsetzbar, Grammaturen bis 120g und auch ein leicht gestrichenes Papier ist verdruckbar. Die Qualität des Produktes wächst sichtbar, nur durch den Wechsel zum höherwertigen Papier und Raster. Wir können formatvariabel drucken, Rheinisches oder Berliner Format oder Zwischenformate. Aber die beste Referenz für die Entscheidung ist sicherlich der Kunde, von dem wir heute immer wieder hören: „Nie hätten wir geglaubt, dass solche Produkte mit einer Zeitungsrolle herstellbar sind.“

Sie wickeln in Ihrem Versandraum auch Aufträge ab, die nicht auf den eigenen Druckmaschinen produziert wurden. Um welche Arten von Aufträgen handelt es sich dabei?

M. TIETZ: Direktvertrieb ist das Thema, d.h. wir stecken bis zu 12 Beilagen in einen vierseitigen Bogen regionalisiert ein. Ein aus unserer Wahrnehmung wachsender Markt, der zunehmend aufgrund der Belegungsdichte und Kleinteiligkeit nach guter technischer Verarbeitung verlangt.

Daneben haben wir Druckkunden, die uns weitere Produkte liefern, die für eine gemeinsame Logistik aufbereitet werden sollen, etc. Auch diese Angebote sind im Verkaufsportfolio enthalten.

Gehört die Zustellung auch zum Angebot?

M. TIETZ: Nein, um die Zustellung kümmert sich der Kunde in der Regel selbst. Bei Bedarf kann die Zustellung allerdings, gegen Aufpreis, durch Partnerschaft mit dem Direktvertreiber angeboten werden.

Welche technischen und sonstigen Voraussetzungen müssen in der Weiterverarbeitung vorhanden sein, um sich ein solches Zusatzgeschäft erschließen zu können?

M. TIETZ: Heften und Schneiden macht aus einem Cortina-Produkt eine attraktive Zeitschrift oder einen Katalog. Einstecktechnologie mit einem Mantel von 4-48 Seiten und der Fähigkeit regionalisiert, kleinteilig die Verarbeitung zu gestalten, fördert alle Geschäftsfelder. Postbeanschriftung in unterschiedlicher Form, variabler Deckblattdruck für unterschiedliche Vertriebskanäle – ob Zeitungs-Anzeigenblattvertrieb oder Postdienste, etc. – sind wichtige technische Komponenten. Daneben aber der Anspruch, dass Akzidenzverarbeitung abschmierfrei im Versand erfolgen muss.

Würden Sie Zeitungsdruckereien empfehlen, in Ausrüstung und Mitarbeiter zu investieren, um höherwertige Druckprodukte (Semicommercials) in Druck und Weiterverarbeitung anbieten zu können? Lohnt sich das?

M. TIETZ: Unsere Lieferanten sind in den letzten 10 Jahren der Anlagenentwicklung weit in den Akzidenzbereich vorgestoßen. Die Zeitung hat ihre Ansprüche deutlich weiterentwickelt. D.h., wenn man in Ruhe überlegt, was man für das Akzidenzgeschäft denn noch so braucht, dann sind es bei Neu- und Reinvestitionen nur kleine Investitionsmehrkosten, die die Tür in den neuen Geschäftsbereich technisch öffnen. Daneben muss aber auch ein Umdenken im Betrieb auf allen Ebenen, in allen Köpfen, stattfinden. Akzidenz verlangt eine andere Qualität der Arbeit, einen anderen Zeitablauf, kein Auftrag ist wie der andere, das gilt es, zu lernen und zu sichern. Daneben muss man in einen Verkauf investieren, ein gutes Netz-werk aufbauen – aber ja, es lohnt sich!

Wie ist das Verhältnis zwischen dem Kerngeschäft Zeitungsdruck und Fremdaufträgen heute. Könnten die Nebengeschäfte eines Tages das Hauptgeschäft überflügeln?

M. TIETZ: Heute beträgt das Verhältnis etwa 60:40, angestrebt wird ein Verhältnis von 50:50.

Welche Ziele haben Sie sich für die nahe Zukunft gesetzt?

M. TIETZ: Wir haben jetzt seit 2003 unsere Zeitungsdruckerei in ein Druckzentrum gewandelt.
Wenn Sie nach Zielen fragen:
• konzentriert weiter an dieser Entwicklung arbeiten
• und natürlich die neuen Produktchancen der Cortina in den Markt hineintragen,
• vermitteln, dass ein modernes Zeitungsdruckhaus heute in der Wahrnehmung neu zu definieren ist.
Ich bin überzeugt, dass es so gelingen kann, trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten weiter zu wachsen.

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