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Praxiserfahrungen mit APL

Wed, 2010-10-20 11:10 — Charlotte Janis...

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11485

Automatisierung

Oktober 2010. Seit Anfang des Jahres produziert der Mittelbayerische Verlag nun in seinem neuen Druck- und Logistikzentrum, das außerhalb Regensburgs für rund 45 Millionen Euro errichtet wurde. Ludwig Grüneisl, Geschäftsführer des Druckzentrums, das seit 2006 als eigenständige GmbH arbeitet, erläutert die Abläufe in der Plattenlogistik und die Erfahrungen mit dem APL-Plattenwechsel.

WAN-IFRA: Könnten Sie uns bitte einen Überblick über das Mittelbayerische Druckzentrum, seine gegenwärtige Produktionsstruktur und die installierte Ausrüstung geben?

LUDWIG GRÜNEISL: Das Mittelbayerisches Druckzentrum GmbH & Co. KG ist eine Tochterfirma der Mittelbayerischer Verlag KG und wirkt seit Januar 2006 als eigenständige GmbH. Die Anzahl aktiver Vollzeit-Mitarbeiter am neuen Standort beträgt 43.
Unsere Produkte sind:
– die Mittelbayerische Zeitung mit ihren 13 Lokalausgaben und einer täglichen Gesamtauflage von 130.000 bis 140.000 Exemplaren,
– das Anzeigenblatt Rundschau mit sieben Ausgaben und einer Gesamtauflage von 470.000 Exemplaren pro Woche,
– Lohndruckaufträge mit einem Volumen von zirka 200 Millionen Druckexemplaren
– sowie rund 120 Millionen Beilagen im Jahr.
Die Maschinenausstattung besteht aus folgenden wesentlichen Komponenten:
– Die Druckmaschine (Berliner Format) ist eine manroland Colorman XXL mit APL-Plattenrobotern, vier Drucktürmen und zwei Falzapparaten.
– Die Ferag-Versandraumanlage (eine Linie) verfügt über Sonderausstattung für das Schneiden und Heften.
– Im CTP-Bereich sind zwei Plattenherstellungslinien von Krause (LS Jet 350 V-Belichter, BlueFin-Entwicklungsmaschinen) mit einer Gesamtleistung von ca. 600 Platten pro Stunde installiert.
– Die Stanz-/Abkantung stammt von NELA (Sortierung mit 72 Ablagefächern),
– Wir arbeiten mit CTP-Druckplatten des Typs Agfa N91 V und
– dem Workflow von ppi Media.
Unser Materialverbrauch beläuft sich auf ca. 20.000 t Papier und ca. 400.000 kg Druckfarbe im Jahr.

WAN-IFRA: Wie hoch ist Ihr Spitzenbedarf an Druckplatten? Sind die Kapazitäten Ihrer CTP-Anlagen auf Just-in-Time-Versorgung ausgelegt bzw. mit wie viel Vorlauf werden die Platten produziert?

L. GRÜNEISL: Der Spitzenbedarf an Druckplatten wird bei der Produktion der Tageszeitung erreicht und beträgt pro Nacht im Durchschnitt ca. 1.500 Platten (die Anzahl schwankt zw. 1.200 und 2.000 Platten pro ET je nach Saison und Wochentag).
Die beiden Krause-Belichtungslinien und die NELA-Stanz-/Abkantung sind im Leitstandraum installiert. Sie erreichen eine Gesamtleistung von 600 Platten pro Stunde und liefern damit die Platten „just in time“ für den Rüstvorgang zur nächsten Druckausgabe. Die Belichtung startet zwei Stunden vor dem Andruck. Aufgrund der Erfordernisse für den APL-Einsatz erfolgt die Belichtung sequenziell, d.h. immer alle Platten für eine komplette Ausgabe.

WAN-IFRA: Von wem und zu welchem Zeitpunkt wird festgelegt, in welcher Reihenfolge die Platten zu belichten sind? Welche Systeme interagieren hierbei?

L. GRÜNEISL: Die Belichtungsfreigabe je Seite erfolgt durch den Verlag, mit dem es ausgabenspezifische Absprachen bezüglich der einzuhaltenden Zeiträumer für die Erteilung der Belichtungsfreigaben gibt. Die Reihenfolge der Belichtung richtet sich nach der Druckreihenfolge. Es interagieren printnet OM und Pecom.

Die komplette Druckplattenlogistik von der Auslösung der Belichtung, über die Plattensortierung bis zum Bereitstellen der Platten in der Druckmaschine liegt in der Verantwortung unserer Drucker. Jeweils zwei Kollegen des vierköpfigen Teams sind in der Nacht für die Plattenlogistik zuständig, während die anderen beiden für den Druckprozess verantwortlich sind. Dabei gibt es keine reinen Platten- oder Druckexperten, sondern jeder Mitarbeiter kann beziehungsweise muss alle Aufgaben erfüllen (können) aufgrund unseres rollierenden Team- und Schichtsystems.

WAN-IFRA: Welche Vorteile bietet printnet OM in Bezug auf den Einsatz des APL- Plattenwechsel-Roboters?

L. GRÜNEISL: Der printnet OM-Workflow sorgt dafür, dass die Druckplatten in der für APL korrekten Reihenfolge und Ausrichtung (Kopf-Fuß) belichtet und im jeweils korrekten Ablagefach der Plattensortiereinrichtung abgelegt werden. Dies reduziert den manuellen Handling-Aufwand enorm.

WAN-IFRA: Wie gelangen die fertigen Platten zur Druckmaschine und wie ist die Übergabe der Druckplatten an die APLs gelöst?

L. GRÜNEISL: Aus den Ablagefächern werden die Platten dann manuell durch die beiden Plattenlogistiker in die manroland-Plattenbehälter einsortiert. Die Plattenbehälter stehen dabei auf speziell entwickelten Transportwagen, die jeweils sechs Behälter (also die benötigte Anzahl je H-Einheit) aufnehmen können. Die Plattenlogistiker befördern die Behälter dann mittels der Transportwagen an die Druckmaschine. Dort gibt es dann einen speziell entwickelten Lift, der die Behälter mit den Druckplatten für die oberen Druckwerke auf die obere Galerie befördert. Die Plattenlogistiker hängen dann die Behälter in die Druckmaschine ein. Von dort holt sich dann der APL die Platten.

WAN-IFRA: Wie lange dauert es, wenn die Rotation für eine neue Produktion komplett mit Druckplatten bestückt werden muss? Wie viel Zeitersparnis bringt Ihnen der APL-Einsatz?

L. GRÜNEISL: Der reine APL-Zyklus, d.h. vom Stillstand der Druckmaschine über das Abnehmen der alten Platten bis zum Beenden des Auflegens der neuen Platten, dauert bei uns aktuell etwas weniger als vier Minuten. Dabei ist es egal, ob nur eine einzige Platte oder 384 Platten (also vier Türme à 24 Seiten à vier Farben) gewechselt werden. Der Zeitgewinn gegenüber einer manuellen Plattenbestückung der Maschine ist also enorm.

Allerdings hat man diesen Gewinn nur, wenn ausschließlich die Platten gewechselt werden. Muss für die nächste Ausgabe beziehungsweise den nächsten Druckauftrag auch noch die Umfangsstruktur geändert werden, d. h. eine oder mehrere Papierbahnen müssen neu gewendet werden, dann dauert der Rüstvorgang länger als vier Minuten.

WAN-IFRA: Inwiefern stört es den geplanten Ablauf, wenn einzelne Platten aufgrund von Fehlern oder Aktualisierungen nachproduziert und ausgetauscht werden müssen? Wie flexibel kann Ihre Plattenversorgung darauf reagieren?

L. GRÜNEISL: Nachproduzierte oder aktualisierte einzelne Platten werden vom Plattenlogistiker manuell an die Druckeinheit gebracht und – falls der APL-Vorgang bereits abgeschlossen ist – per PPL aufgelegt. Falls der APL-Vorgang für die betroffene Ausgabe noch nicht erfolgt ist, tauscht der Plattenlogistiker die einzelne Platte im betroffenen Druckplattenbehälter (bereits in der Maschine oder noch auf dem Transportwagen) aus. Dies ist ein manueller Vorgang, jedoch der flexibelste und am wenigsten zeitaufwendige. Jede Anwendung einer Automatisierung würde in dieser Situation einen höheren Zeitaufwand und ggf. Kosten bedeuten.

WAN-IFRA: Wie viele Bediener werden für die Einrichtung und Steuerung der Rotation gebraucht? Wird der Plattenwechsel vom Steuerpult aus ausgelöst?

L. GRÜNEISL: Wir benötigen vier Bediener, davon zwei Plattenlogistiker und zwei Rotationsmanager. Alle vier haben die Qualifikation „Drucker“, wie eingangs bereits erwähnt. Der Start des APL-Zyklus erfolgt per Knopfdruck am Leitstand.

WAN-IFRA: Welche Gewähr bzw. Kontrollmöglichkeit hat der Bediener in Bezug darauf, ob die richtigen Platten an den einzelnen Zylinderpositionen aufgelegt wurden?

L. GRÜNEISL: In der Druckmaschine ist ein Barcode-Scanner eingebaut, der vor dem Start des APL-Zyklus die Barcodes aller Platten liest, die in den Plattenbehältern in der Druckmaschine vorhanden sind. Mittels Lichtsignal erhalten die Bediener dann eine Info, ob alle Platten am richtigen Platz sind oder ob beziehungsweise wo Fehler aufgetreten sind.

WAN-IFRA: Wie zuverlässig arbeiten die Plattenroboter? Gab es Anfangsschwierigkeiten (welcher Art)?

L. GRÜNEISL: Die APL-Roboterarme arbeiten derzeit relativ zuverlässig, aber es gibt immer noch Verbesserungspotential. Zu Anfang hatten wir vor allem bedienerbedingte Schwierigkeiten, wie zum Beispiel schiefes Einlegen der Platten in die Behälter oder Vertauschen von Platten. Mit der zunehmenden Gewöhnung an die neue Technik und an die Ausschießschemata einer XXL-Anlage treten solche Fehler nun kaum noch auf.

Ansonsten mag diese komplexe Technik sehr gut gepflegt werden. Die Plattenkanäle/-spannkeile neigen sehr leicht zur Verschmutzung durch den Sprühnebel der Farbe sowie der Feucht- und Waschmittel. Erfolgt hier keine regelmäßige Reinigung/Wartung, kommt es vor, dass Platten im Kanal kleben bleiben und vom Roboterarm nicht verarbeitet werden können. Der APL-Vorgang geht dann auf „Störung“ und es muss manuell eingegriffen werden. Gleiches gilt für die Initiatoren, die bei Verschmutzung keine einwandfreie Plattenerkennung/-auflegung mehr gewährleisten. Weiterhin kommt es zu diversen Saug- und Kinematik/Software-Problemen.

 

WAN-IFRA: Wo gibt es noch Optimierungsbedarf?

L. GRÜNEISL: Optimierungspotenzial sehe ich in zwei Bereichen:
– Bei der Zusammenarbeit der verschiedenen System-Lieferanten und ihrer Unterlieferanten, z.B. generell bei der Kommunikation/Verteilung der wichtigen Informationen zum Kundenprojekt (Anforderungen, Ziele und Lieferumfang des Kunden) an (Sub-)Lieferantenmitarbeiter oder bei der Abstimmung zur Durchführung von Software-Updates (falscher Zeitpunkt = produktionsgefährdend).
– Bei der Marktreife der Produkte. Wenn man sich ansieht, wie viele Funktionen häufig erst im Feldversuch an der Kundenmaschine optimiert werden, erhält man den Eindruck, dass die Marketingabteilungen den Konstrukteuren häufig einen oder mehrere Schritte voraus sind.

 

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