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PRISA schließt finanzielle Umstrukturierung ab

Fri, 2010-04-09 13:42 — anonymous

Article ID:
11261

Einstieg von Investmentsfonds Liberty Acquisition Holdings bei Prisa: Familie Polanco reduziert Beteiligung

Die spanische Mediengruppe Prisa unterzeichnete am 6. März einen Vertrag, der das letzte Kapitel auf dem Weg zur Restrukturierung des finanziell angeschlagenen Unternehmens besiegeln könnte. Gemäß einer Vereinbarung mit der US-Investmentgesellschaft Liberty Acquisition Holdings erhält das Medienunternehmen der Familie Polanco rund 660 Millionen Euro, was in Verbindung mit den in den vergangenen Monaten getätigten Verkäufen die Verschuldung von Prisa von 5,011 Mrd. Euro auf 3,31 Mrd. verringern wird. Überdies war Prisa Ende Februar zu einer Vereinbarung mit den Gläubigerbanken gelangt, wonach Prisa für die Rückzahlung ihres ursprünglich am 31. März fälligen Darlehens in Höhe von 1,835 Mrd. Euro – mit dem die 100-prozentige Übernahme des Pay-TV-Anbieters Sogecable finanziert worden war – Aufschub bis zum 19. Mai 2013 erhielt.

Die Vereinbarung mit Liberty beinhaltet eine komplexe Transaktion, wonach der der amerikanische Fonds komplett in Prisa aufgeht, während die Liberty-Anteilseigner die Hälfte des Aktienkapitals der spanischen Gruppe erhalten; die Leitung des Unternehmens verbleibt in den Händen der Familie Polanco. „Wir sind lediglich Investoren und werden uns nicht einmischen. Es wird sich nichts ändern“, betonte Martin Franklin, der Vorstandsvorsitzende von Liberty. Auch wenn die Liberty-Aktionäre die Kapitalmehrheit besitzen, werden ihre Stimmrechte die der Familie Polanco nicht übersteigen, da neue Stimmrechtsbegrenzungen eingeführt wurden. Die Transaktion basiert auf zwei Kapitalerhöhungen, eine von den Liberty-Aktionären gezeichnete und eine weitere mit Bezugsrechten für die derzeitigen Aktionäre von Prisa zu gleichen Bedingungen wie für die Liberty-Aktionäre, zu einem Preis von 3,80 Euro pro Aktie. Die Vereinbarung bedarf der Zustimmung der Aktionäre beider Unternehmen sowie der zuständigen Behörden.
Wie Ignacio Polanco, der Präsident von Prisa, betonte, „zeigt diese Allianz, dass Liberty fest auf unsere Führungsposition im Presse-, Rundfunk- und Digitalsektor sowie auf unsere Wachstumsstrategie vertraut. Juan Luis Cebrián, der CEO von Prisa, erklärte, dass diese Vereinbarung „Prisa stärken und ihre Entwicklungsmöglichkeiten im Digital-, Rundfunk- und Verlagssektor in den spanisch- und portugiesischsprachigen Märkten, insbesondere in den USA, verbessern“ werde.

Auch wenn die Transaktion mit einer erheblichen Liquiditätssteigerung für Prisa und einer Erhöhung des Free Float einhergeht – die Aktien werden sowohl am spanischen Markt sowie mittels ADRs (American Depositary Receipts) in den USA gehandelt – konnte die Vereinbarung den Markt nicht überzeugen, denn die Prisa-Aktien gaben in den Tagen nach der Ankündigung des Einstiegs von Liberty um 7% nach. Eine Abstrafung durch die Börse, die die Analysten auf die Komplexität der Transaktion und darauf zurückführen, dass sich die Familie Polanco bei diesem Geschäft finanziell nicht einbringt. „Wenn der Hauptaktionär nicht mitmacht, warum sollten das dann die anderen tun?“, so heißt es. Eine weitere Unbekannte ist die Frage, ob die Finanzspritze von Liberty ausreicht, um die Schulden der Gruppe zu begleichen, sodass manche Investoren das Geschäft eher als verzweifelte Rettungsaktion angesichts der komplizierten finanziellen Lage der Mediengruppe ansehen. Manche betrachten Liberty auch als rein spekulativen Fonds mit keinerlei Bindung an den Mediensektor.

Nicolas Berggruen – CEO von Liberty – äußerte sich gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE folgendermaßen zur Frage, ob es sinnvoll sei, in den Mediensektor zu investieren: „In schwierigen Zeiten gilt es zu investieren; wenn alle erschrocken abwarten, ergeben sich die besten Gelegenheiten“. Berggruen betonte, dass das Plus von Prisa darin liege, dass das Unternehmen Geschäftsbereiche hat, die der Krise trotzen können, wie die Zeitung El País, die weiterhin führend in Spanien bleiben wird, ähnlich wie dies für die New York Times und das Wall Street Journal gilt, die sich halten können und zunehmend an Einfluss gewinnen. Dazu kommt noch, dass Prisa in anderen Bereichen wie etwa dem lateinamerikanischen Verlagssektor auf eine gute Geschäftsbasis bauen kann. Dazu zählen die Verlagsgruppe Santillana, die Grupo Caracol in Kolumbien (an der Prisa 19% hält) sowie die Grupo Latino de Radiodifusión, die 300 Radiosender in Ländern wie Brasilien, Chile, Costa Rica, Kolumbien, Mexiko, Panama und den USA betreibt.

Durch die Transaktion mit Liberty hofft Prisa, wie El País berichtet, für 2010 auf ein Ergebnis zwischen 152 und 190 Mio. Euro. Damit hofft man, das im Geschäftsjahr 2009 erzielte Nettoergebnis von 50,47 Millionen verdreifachen zu können. Den Schätzungen für 2011 zufolge könnte sich der Erlös zwischen 188 und 259 Mio. Euro bewegen. Die Umsätze werden sich, zum Teil bedingt durch die Verkäufe, allerdings noch nicht wieder erholen.
 

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