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Smartphone-Applikationen: The Telegraph entwickelt zunächst Android-Applikation und zieht mit iPhone-Applikation nach
Wed, 2009-03-04 00:00 — WAN-IFRA
- Article ID:
- 8077

IFRA: Die Telegraph Media Group war der erste britische Content-Anbieter für das G1-Handy von Telekom, mit Android als Betriebssystem. Wie wurde dieser Service vom Markt aufgenommen?
Aashish Chandarana: Wir führten die Applikation in enger Zusammenarbeit mit Google, einem der wichtigsten Partner von The Telegraph, ein. Dabei achteten wir darauf, dass die Anwendung genau zu dem Tag bereitgestellt werden konnte, als das Smartphone auf dem US-Markt und eine Woche später auch auf dem britischen Markt vorgestellt wurde. Unsere Applikation zählt nach wie vor zu den nachgefragtesten Nachrichten-Applikationen im Android Market. Sie gewinnt eine stetig steigende Zahl von Nutzern. Die Applikation liegt nun in Version 3 vor und wir verbessen und erweitern sie beständig um neue Merkmale. Unser Produkt zählt sicherlich zu den erfolgreichsten und am häufigsten heruntergeladenen Anwendungen im Nachrichtenbereich.
IFRA: Und wie war die Resonanz vonseiten der Werbetreibenden?
A. Chandarana: Derzeit bieten wir noch keine Werbung über unsere Applikation. Allerdings haben wir einen Sponsor, die Firma Cisco. Sie wollten davon profitieren, dass wir mit diesem Produkt die ersten auf dem Markt sein würden. Vorläufig kann ich mich nicht dazu äußern, welches Volumen dieses Sponsoring hat und auf welchen Zeitraum es angelegt ist.
IFRA: Sie haben doch kürzlich auch eine Applikation für das iPhone vorgestellt?
A. Chandarana: Ja, eine solche Applikation für das iPhone wurde bereits vorgestellt, doch sie hat noch einige kleinere Fehler, an denen wir gerade arbeiten. Hinsichtlich der Gestaltung und Funktionalität ist sie identisch mit der Android-Anwendung. Der einzige Unterschied liegt darin, wie sich die Applikation auf dem jeweiligen Gerät verhält bzw. dass einige Kleinigkeiten auf einem Android-Gerät möglicherweise anders wiedergegeben werden.
IFRA: Ist es schwierig und aufwendig, eine Applikation, die für ein bestimmtes Mobiltelefon und ein spezielles Betriebssystem entwickelt wurde, für ein anderes Gerät bzw. Betriebssystem anzupassen?
A. Chandarana: Ja sehr. Jedes Gerät hat seine eigenen Merkmale und Programmierungen, sodass es mit einfachem Cut&Paste nicht getan ist. Es erfordert eine gewisse Überarbeitung mithilfe der Toolsets, die für all diese Geräte erhältlich sind. Wir sind zuversichtlich, dass wir hier gute Fortschritte machen. Wir nutzen bei unseren Bemühungen die Partnerschaften, die wir bei The Telegraph haben, und dies trägt sicherlich erheblich dazu bei, dass wir gute Produkte entwickeln.
IFRA: Warum haben Sie zunächst eine Applikation für Android entwickelt, wo doch das iPhone zuerst auf den Markt kam?
A. Chandarana: Vor allem aufgrund unserer Beziehung zu Google. Wir konnten die Ressourcen nutzen, die wir zu dem Zeitpunkt intern zur Verfügung hatten, und auf die Unterstützung und Hilfe von Google zählen. Nachdem die Android-Applikation erfolgreich eingeführt war und stabil lief, haben wir die iPhone-Version entwickelt. Für die Reihenfolge gab es eigentlich keinen bestimmten Grund; es war lediglich eine Frage der Umstände, dass die Android-Version zuerst entwickelt wurde.
IFRA: Wurden die Applikationen für das Google-Handy und das iPhone intern bei Ihnen im Haus entwickelt?
A. Chandarana: Wir haben eine langjährige Partnerschaft mit einem externen Unternehmen, das uns bei der Entwicklung dieser Applikationen unterstützte. Dieses Unternehmen hat mit The Telegraph bereits bei einer Reihe anderer Projekte, nicht nur im Mobilbereich, zusammengearbeitet und uns gute Unterstützung geleistet.
IFRA: Ist die Website von The Telegraph auch für mobile Browser wie Opera, Safari, Firefox und andere optimiert?
A. Chandarana: Ja, wir achten hinsichtlich der Zugänglichkeit darauf, dass wir so viele Browser wie möglich unterstützen. Natürlich gibt es einige kleinere Browser, bei denen unsere Website möglicherweise anders reagiert, doch wir unterstützen alle führenden Browser. Was die Handys selbst betrifft, so bieten wir verschiedene Ebenen der Gerätesicherung, damit für den Nutzer der bestmögliche Zugang sichergestellt ist.
IFRA: Erfolgt die Anpassung intern bei The Telegraph oder übermitteln Sie lediglich den Content und überlassen dem Browser die Aufbereitung und Aufmachung?
A. Chandarana: Nein, unser Content-Management-System, über das die Inhalte für die Website bereitgestellt werden, liefert auch den Content für die mobile Site, die also eine spezielle Version der regulären Website eigens für Mobilgeräte ist. Dies ist jedoch ein vollautomatisierter Prozess, der keinerlei Eingreifen von Bedienerseite erfordert. Allerdings prüfen wir gerade, ob dieses Modell langfristig tragfähig ist.
IFRA: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile bzw. Nachteile für Nutzer, wenn sie News über eine (native) Applikation auf ihrem Handy abrufen und nicht über eine für Handys optimierte Website?
A. Chandarana: Meiner Ansicht nach ist der entscheidende Aspekt bei einer Applikation, dass damit ein höheres aktives Interesse der Nutzer an unseren Inhalten verbunden ist, da diese ja die Applikation aktiv herunterladen und nicht einfach nur per Handy auf die Inhalte zugreifen. Ich denke, auf beiden Wegen gelangt man letztendlich zu den gleichen Inhalten. Bei unserer Strukturierung achten wir darauf, dass der Endnutzer eine breite Vielfalt an Optionen zur Auswahl hat, wie er unsere Inhalte abrufen kann. Ich glaube nicht, dass die verschiedenen Varianten besondere Vor- oder Nachteile haben. Worin eine Applikation Vorzüge gegenüber einer optimierten Handy-Website bietet, das ist beispielsweise die (bessere) Darstellung von Videos. Außerdem können neue Merkmale und Funktionalitäten besser genutzt werden. Da die Geräte immer „intelligenter“ werden, bieten Applikationen die Möglichkeit, sämtliche Funktionalitäten der Geräte zu nutzen. So kann beispielsweise das GPS-System des Handys genutzt oder auf standortbezogene Dienste zugegriffen werden, was mit einer optimierten Website so nicht möglich ist. Das sind Dinge, die für uns interessant wären.
IFRA: Worin liegen für einen Verlag die jeweiligen Vorteile? Ist eine der Möglichkeiten besser geeignet, was die Werbemöglichkeiten für die Verlage betrifft?
A. Chandarana: Ich denke, beide Varianten bieten wirklich gute Möglichkeiten für Werbetreibende und für die Verbreitung von Inhalten. Beide Varianten funktionieren etwas unterschiedlich, doch Werbung lässt sich sowohl für die Applikations- wie die Website-Variante verkaufen. Auch Sponsoring ist in beiden Fällen möglich. Ich glaube, dass Applikationen künftig etwas andere und weniger traditionelle Werbemöglichkeiten bieten werden, denn bisher ist mobile Werbung stark Display-orientiert. Applikationen könnten die Chance für eine weitergehende Interaktion bieten, was mit optimierten mobilen Websites so nicht unbedingt möglich ist.
IFRA: Einige Verlage haben Bedenken geäußert, dass es Browser gibt, die die Inhalte für das jeweilige Gerät in einer Art aufbereiten, die optisch nicht ansprechend ist. Und überdies bieten diese Browser den Verlagen keine Details über die User, die auf ihre Websites zugreifen. Sie erklärten, dass Ihr CMS die Website-Inhalte automatisch für die Darstellung in mobilen Browsern aufbereitet?
A. Chandarana: Ja. Unsere mobilen Web-Inhalte sind identisch mit dem Content unserer Website. Unsere derzeitigen Messmethoden zur Werbemessung funktionieren für beide Plattformen genau gleich. Schließlich hat ein Handy genauso eine IP-Adresse wie ein Desktop-Computer, sodass es hier keinen Unterschied gibt. Wir achten darauf, dass wir die „richtige“ Art von Inhalten auf dem Mobiltelefon präsentieren. Wir haben so die Kontrolle darüber, wie die Inhalte präsentiert werden; wir sorgen dafür, dass die Bereitstellung in guter und gleichmäßiger Qualität erfolgt, statt dass wir das einer Software auf der Client-Seite überlassen.
IFRA: Wie wichtig ist der Mobil
markt Ihrer Ansicht nach für Nachrichtenanbieter? Welche Empfehlung würden Sie anderen Verlagen geben, die in diesem Bereich aktiv werden möchten?
A. Chandarana: Meiner Ansicht nach ist der Mobilmarkt sehr wichtig und man sollte hier präsent sein, in einheitlicher Form für alle verfügbaren Geräte. Es wird in der nächsten Zeit keinen klaren Sieger geben. Vor 12 oder 15 Monaten sah es so aus, als ob ein Betriebssystem die Oberhand gewinnen würde, doch dann kam Apple mit dem iPhone auf den Markt und auch Google ist auf große Marktresonanz gestoßen...Es gibt also vier oder fünf große Akteure mit einem eigenen Betriebssystem, die sich sicherlich eine ganze Zeit lang halten werden. Daher ist es wichtig, so viele Geräte wie möglich zu unterstützen.
Was den Werbemarkt und die Werbemöglichkeiten betrifft, so ist der Markt noch relativ jung. Mit zunehmender Entwicklung wird sich der Markt in diesem und im nächsten Jahr stärker öffnen. Eines ist jedoch klar: Der Nutzerkreis von Smartphones wird weiter wachsen. Die Zeiten, wo die Leute lediglich einfache Geräte zum Telefonieren gekauft haben, sind vorüber. Als Verlage müssen wir die Bedeutung dieser Entwicklung erkennen, und wenn wir möchten, dass unsere Inhalte die Nutzer erreichen, so müssen wir jetzt handeln und von Anfang an in diesem Markt aktiv werden.
Das Interview führte Mari Pascual.
