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Story-Planungstools: Interview mit Kim Svendsen, CCI Europe

Tue, 2009-01-20 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
7873

Kim Svensen ist Marketingleiter beim Systemanbieter CCI Europe, der unter anderem die Multimedia-Publishing-Lösung CCI NewsGate entwickelt und vertreibt.

IFRA: Was erwarten Redaktionsmanager heutzutage von ihren Planungslösungen?

Kim Svendsen: Es gibt eine Nachfrage vonseiten der Medienunternehmen nach leistungsstarken und flexiblen Lösungen, um nicht nur Content ohne Einschränkungen verwalten und publizieren zu können, sondern auch das eigene Spektrum nach Bedarf um neue Verbreitungskanäle und Medienformate erweitern zu können.

Dies entspringt nicht nur dem Wunsch nach Ausweitung der eigenen Geschäftstätigkeit, sondern der Erkenntnis, dass die „neue Medienlandschaft“ bereits Realität ist und dass die Medienunternehmen ein Tool benötigen, das dem Wunsch der Konsumenten nach kontinuierlicher Nachrichtenversorgung über ein breites Spektrum von Kanälen entspricht.

Wir spüren eine gewisse Panik der Verlage, denn sie wissen, dass sie „Medienkonvergenz“ nicht länger als etwas noch in der Zukunft Liegendes betrachten können, mit dem sie zum Vorreiter werden. Ein wirklich gutes Online-Nachrichtenportal und die Möglichkeit, die Berichterstattung multimedial aufzubereiten, sind heutzutage elementar, um als Nachrichtenanbieter sein Überleben zu sichern.

Mir ist durchaus bewusst, dass sich das wie das übliche Branchen-Blabla anhört, doch NewsGate wurde tatsächlich von Grund auf für diese Denk- und Arbeitsweise hin konzipiert. Dinge wie „Themen-Seiten“ (eine Art Microsite, die eine spezielle Story aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – und dabei so viel Multimedia-Elemente mit einbezieht wie möglich) lassen sich nur schwer handhaben, wenn man nicht an einer zentralen Stelle einen kompletten Überblick über alle die Story betreffenden Informationen erhält (hier kommt das StoryFolder-Konzept zum Tragen).

Viele Systeme bieten von zentraler Stelle aus einen breiten Überblick über verschiedene Content-Arten, doch wenn man einfach nur den Content betrachtet, ist das wie ein Radar am Flughafen, das auch nur angeben kann, wo sich ein Flugzeug zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade befindet. Der Rest der Planung (wann und wo das Flugzeug z.B. landen, rollen oder parken soll) ist nach wie vor ein manueller Prozess. Das Gleiche gilt für viele derzeit angebotene Content-Management-Systeme. Was wirklich den entscheidenden Unterschied ausmacht, ist die Möglichkeit abzurufen, WER an WAS arbeitet, WO die Inhalte verwendet werden sollen, WIE das Hintergrund-/Recherchematerial ermittelt wurde und WELCHE ANDEREN STORYS damit in Verbindung stehen, WANN Aktualisierungen zu erwarten sind und so weiter!

Die Herausforderung liegt darin, so viel von dieser Planungsarbeit zu automatisieren, dass die Planungslisten für jeden Tag/jede Stunde und jede Publikation praktisch selbsttätig erstellt werden können. Wichtig dabei ist, die Metadaten zu erfassen und zu strukturieren. Und hier bietet NewsGate echte Vorteile.

Die Antwort auf die Frage, was Redaktionsmanager heutzutage von ihren Planungslösungen erwarten, lautet: Nicht alle von ihnen wissen es eigentlich so genau. Viele lassen sich vom Begriff Multimedia oder Crossmedia blenden, und ich fürchte, dass einige in Systeme investieren, die zwar unterschiedliche Medienformate importieren und exportieren können, aber in wenigen Jahren mit der Komplexität dessen, was eine Redaktion bewältigen muss, überfordert sein werden. Die Kunden werden dann wieder ein neues Tool anschaffen müssen, das eine bessere Planung ermöglicht…

Redaktionsmanager gehen heute noch immer weitgehend von der „alten Realität“ aus, wonach eine Story aus Text und Fotos bestand und Planung eine Sache der konkreten Platzierung war. Nun müssen sie nicht nur mit mehr Medien umgehen, sondern haben es mit vielen neuen Mitarbeiterteams zu tun, die mit Technologien, Terminen, Möglichkeiten und Einschränkungen klarkommen müssen, von denen sie eigentlich nicht unbedingt etwas verstehen. Einen Bildredakteur zu bitten, nun plötzlich Video-Inhalte zu bearbeiten, ist nicht nur eine Frage der Dateiformate!

IFRA: Was macht die Nutzung Ihres Systems so einfach, dass ein außerhalb der Redaktion arbeitender Reporter jederzeit Zugriff auf seine Story, Themenplanung, Aufträge usw. hat und diese aktualisieren kann?

K. Svendsen: Nun, die Technologie hinter der Remote-Anbindung von CCI NewsGate bietet eine Reihe von Zugangs- und Kommunikationsmöglichkeiten, die sich auf die Anforderungen des einzelnen Nutzers abstimmen lassen.

a. „Fat Client“: Normale Anwendung, die auf dem PC oder Mac des jeweiligen Nutzers installiert ist und auf eine zentrale Datenbank zugreift.

b. „Fit Client“: Für IT-Installationen, wo die eigentliche Anwendung auf einem zentralen Server und nur die Benutzeroberfläche auf dem lokalen Rechner läuft.

c. „Thin Clients“: z.B. Citrix, X11 oder andere Terminalserver-Systeme.

d. Mobiler Zugang: NewsGate bietet eine offene API für die Einbindung bestehender Handheld-Formate sowie die Entwicklung neuer Formate und deren Integration in den Workflow.

e. Mobile Aufgabenzuteilung und Benachrichtigung: Beispielsweise könnte ein Redakteur einem Reporter einen Auftrag zuweisen und Sekunden später sendet das NewsGate-System an das Handy des Reporters eine SMS, mit der der Auftrag näher beschrieben wird (die geplante Verwendung der Inhalte, die er liefern soll; relevante Quellen, Termin, Links zu anderen relevanten Storys etc. – sodass er einen kompletten Überblick bekommt, bevor ein Foto aufgenommen oder ein Artikel verfasst wird). Hieran wird deutlich, dass Planung, wie gesagt, nicht nur eine Frage der verschiedenen Arten von Inhalten ist.

f. Webbasiert: Eine gute Möglichkeit für Reporter vor Ort, um von überall her von jedem Computer aus zugreifen zu können.

Das ist aber wie gesagt nur die technische Seite. Vermutlich kann jeder Anbieter in gewissem Umfang Fernzugriffe einrichten, doch die eigentliche Herausforderung liegt darin, diese Remote-Tools in den Kontext einzubinden, d.h. das Wissen darum zu berücksichtigen, wie die verschiedenen Content-Ersteller beim Sammeln und Recherchieren von Informationen und anderen Aufgaben innerhalb ihrer speziellen Arbeitsabläufe vorgehen, um so geeignete Kommunikationstools bereitstellen zu können. Flexibilität bei der Kommunikation des Systems mit den Anwendern vor Ort ist außerordentlich wichtig!

Was macht also das System so simpel? Das ist relativ einfach: Jeder Redaktionsmanager kann selbst entscheiden, wie er vorgehen will. Wir machen keine Vorgaben, wie die Kommunikation mit den Leuten vor Ort erfolgen sollte. Das wissen die Anwender selbst besser als wir. Doch wir bieten ihnen eine Reihe von Best-Practice-Tools, die entsprechend den individuellen Anforderungen konfiguriert werden können.

IFRA: Welche Art von Überblick bietet Ihre Lösung Redakteuren und Reportern, die für multimediale Storypakete arbeiten?

K. Svendsen: Wie bereits erwähnt bietet CCI NewsGate einen konstant aktualisierten Überblick über alle relevanten Informationen (was, wo, wer, wie, wann etc.) für jede Content-Art, jede Aufgabe, jeden Mitarbeiter etc., aber auch die Einbindung in den Gesamtkontext. Ein Content-Element kann für eine Publikation geplant sein, aber wenige Minuten nach dem Einstellen für eine andere genutzt werden – d.h. dass alle Verwendungen, Versionen und Änderungen eines Content-Elementes, die es im Laufe von dessen Lebensdauer gibt, vom System verfolgt werden müssen. So ist es einfach, die richtige Version für das richtige Medium zu wählen.

Natürlich spielen Metadaten hier eine wichtige Rolle. Die meisten Metadaten werden automatisch vom System hinzugefügt und gehen automatisch in die Planungslisten etc. ein. Der Nutzer kann jedoch Inhalte sortieren, filtern, anreichern, vereinfachen und in Listen, bezogen auf ein einzelnes Medium bzw. ressort- oder standortüberg

reifend, darstellen. Es handelt sich ja um eine zentrale Datenbank (bzw. mehrere kombinierte Datenbanke, doch aus Systemsicht kann NewsGate beliebig viele Dateisysteme, Archive und Ähnliches durchsuchen und indexieren). Also lässt sich alles, was für den Benutzer relevant ist, leicht mittels Metadaten suchen und in dynamisch aktualisierten Listen abspeichern.

Zur Verdeutlichung hier ein übertragenes Bild: Stellen Sie sich vor, sie gehen mit Ihren Kindern in den Zoo und statten die Kinder mit einem Gerät mit GPS-Ortung aus, damit Sie jederzeit wissen, wo sie sich befinden. Möchten Sie nun eine Karte mit allen Kindern im Zoo sehen? Oder vielleicht eine Karte mit allen Kindern, die eine blaue Jacke tragen? Vermutlich nicht – sie interessieren sich für ganz bestimmte Kinder. Dazu müssten Sie alle Metadaten zur Beschreibung der Kinder eingeben können und dürften nicht durch vordefinierte Listen eingeschränkt sein, die vom System mitgeliefert werden. Vielleicht könnte ein Übersicht über alle Klassenkameraden oder die Eltern der Klassenkameraden in bestimmten Situationen hilfreich sein, aber auch hier gilt: den Content so zu strukturieren und zu arrangieren, wie man es selbst braucht.

IFRA: Inwiefern hat sich die Entwicklung der letzten Monate auf Verlage ausgewirkt, die nach neuen Lösungen suchen, insbesondere unter dem Aspekt, dass viele Redaktionen vor der großen Herausforderung stehen, ihre redaktionellen Aufgaben mit drastisch reduziertem Personal zu bewältigen? Uns ist aufgefallen, dass einige Anbieter von Redaktionssystemen betonen, wie sehr ihre Systeme zur Effizienzsteigerung beitragen. Redaktionsverantwortliche, die sich nach neuen Systemen umsehen, möchten daher vermutlich wissen, wie sie fehlende Kapazitäten durch Technologie so weit wie möglich kompensieren können.

K. Svendsen: Den Überblick zu behalten, ist in dieser Lage natürlich von enormer Bedeutung, um sicherzustellen, dass alle Ressourcen jederzeit effizient genutzt werden, doch eine weitere bewährte Möglichkeit liegt in der Automatisierung.

Roularta in Belgien ist hierfür ein gutes Beispiel: Sie erreichten einen Produktivitätszuwachs von 700 Prozent (und produzieren nun 3000 Seiten pro Woche) durch die Implementierung eines template-basierten Workflows. Dies ist keine theoretische Zahl, sondern Realität! Können Sie sich vorstellen, welche Einsparungen sie damit erzielen konnten?

Eine weitere gute Möglichkeit, Ressourcen zusammenzuführen und das in den verschiedenen Redaktionen eines Medienunternehmens verteilte Know-how besser zu nutzen, ist die Einrichtung von gemeinsamen Redaktionen und von „virtuellen Redaktionen“.

Durch die Entwicklungen der vergangenen Monate wird unsere Lösung von Kunden und Interessenten mit anderen Augen betrachtet. Dabei stellen sie fest, dass CCI sie dabei unterstützen kann, mehr mit weniger Mitarbeitern zu produzieren und ihre Aktivitäten auf mehr Medienkanäle in kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen auszudehnen.

IFRA: Die Preisgestaltung ist derzeit sicherlich eine echte Herausforderung, angesichts der Tatsache, dass die Zeitungen finanziell unter Druck stehen und sich einen zu hohen Preis einfach nicht leisten können. Wie reagieren Sie in dieser schwierigen Situation?

K. Svendsen: Hmm… Eine alte Regel besagt, ein Geschäft ist nur dann gut, wenn es sich für beide Seiten lohnt. Natürlich passen auch wir uns der gegenwärtigen Marktsituation an, doch wir betonen auch, dass wir dafür sorgen, dass die Anforderungen des Kunden wirklich klar herausgearbeitet werden und dass das von uns angebotene System einen ROI aufweisen kann, mit dem wir der Konkurrenz voraus sind.

Auch spielt unser Datencenter-Konzept eine große Rolle, wenn sich Zeitungen, die unter finanziellem Druck stehen, nach einem neuen System umschauen.

IFRA: Man hört, dass verschiedene Anbieter ihr Geschäft diversifizieren, z.B. indem sie sich stärker dem Zeitschriftenmarkt zuwenden, Lösungen an Banken, Regierungsbehörden etc. verkaufen, die zunehmend Bedarf an einer Veröffentlichung ihrer Informationen haben. Denkt man in Ihrem Unternehmen ebenfalls darüber nach? Wenn ja, was sind die Hauptgründe und welches Potenzial sehen Sie hier?

K. Svendsen: Derartige Nachfragen wurden auch an uns herangetragen, und wir erwägen auch eine Ausweitung unseres Angebotes, doch insgesamt ist CCI der Verlagsbranche verpflichtet. Wir werden also keine Systeme für die gemeinsame Wissensnutzung (was NewsGate im Prinzip auch bietet) z.B. an Anwaltskanzleien oder Regierungsbehörden liefern.

IFRA: Inwieweit sind Ihre Planungstools auf die spezielle Zielgruppe der Herausgeber zugeschnitten, die Sie ansprechen möchten, d.h. was bieten Sie bzw. was können Sie einer Publikation mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren bieten, im Unterschied zur Publikation einer großen Mediengruppe?

K. Svendsen: Wie Sie wissen, ist Konsolidierung im IT-Bereich derzeit ein wichtiges Thema – und da viele kleinere Zeitungen ohnehin zu größeren Mediengruppen gehören, ist eine Datencenter-Lösung eine hervorragende Alternative zur Installation eines Stand-alone-Systems mit entsprechenden Hardwarekosten, Wartung, Backups etc. Die Tribune Company in den USA setzt ihre CCI-Datencenter-Lösung hierbei auf ganz spezielle Art und Weise ein: Der Betrieb erfolgt zwei Wochen lang von Chicago und die nächsten zwei Wochen von Los Angeles aus auf synchronisierten Servern. In das Gesamtsystem können jederzeit innerhalb weniger Wochen weitere Zeitungen mit beliebiger Größe oder Auflagenzahl eingebunden werden.

Die Saarbrücker Zeitung (Holtzbrink) hat etwas Ähnliches realisiert: Innerhalb von nur fünf Wochen hat sie die Lausitzer Rundschau eingebunden, und dabei kaum auf die Unterstützung durch CCI zurückgegriffen. Die Lausitzer Rundschau wird nun komplett mit der SZ-Software produziert. Das ist echte Kosteneffizienz!

Um ihre Frage zu beantworten: Die Funktionalität ist die gleiche, ob das System nun als Stand-alone-System eingerichtet wird oder für kleinere Zeitungen als „Anhang“ zu einer anderen Installation. Eine Zeitung mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren dürfte enorm davon profitieren können, sich anderen Redaktionen anzuschließen. Es lässt sich dabei frei konfigurieren, was für die beteiligten Einheiten sichtbar ist und in welchem Stadium des Story-Workflows eine Story für andere Redaktionen auf dem gleichen System sichtbar ist. Offenheit ist zwar eine schöne Sache, aber ein unbeschränkter Zugriff auf alles ließe sich unmöglich kontrollieren!

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