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USA Today per iPhone

Tue, 2009-02-24 00:00 — WAN-IFRA

Article ID:
8004

Matt Jones ist Vice President Mobile Strategy and Operations bei USA Today/Gannett Digital. Im Folgenden erläutert er USA Todays Strategie im Bereich Smartphone-Publishing.

IFRA: Ende Dezember führte USA Today eine Applikation für das iPhone ein. Wie war bisher die Resonanz darauf?

Matt Jones: Bisher waren wir mit der Akzeptanz und dem Erfolg der iPhone-Applikation von USA Today sehr zufrieden. Sie ist seit kurz nach der Einführung durchgehend die beliebteste kostenlose Applikation im Nachrichtenbereich. Vor kurzem lag sie sogar auf dem vierten Platz aller kostenlos abrufbaren Applikationen im App Store. Die außerordentlich positiven Reaktionen der Nutzer auf dieses Produkt sind ein großer Ansporn für mich. iPhone-Anwender sind sehr anspruchsvolle Kunden, und wenn man ein so hohes Maß an positivem Feedback erhält, so ist das prima für unsere Marke und unsere Kunden. Wir sind überzeugt, dass wir auch einige ganz besondere, attraktive Werbemöglichkeiten entwickelt haben, doch wir sind noch etwas vorsichtig und wollen zunächst die Nutzererfahrungen abwarten, bevor wir mit Display-Werbung auf den Markt kommen.

IFRA: Bieten Sie auch Applikationen für andere Smartphones wie Googles T-Mobile G1 oder Geräte von Nokia?

M. Jones: Damit befassen wir uns gerade aktiv. Der Hauptgrund, warum wir dem iPhone gegenüber dem T-Mobile G1 oder verschiedenen Nokia-Modellen den Vorzug gaben, lag einfach darin begründet, dass das iPhone hier in den USA die größte Verbreitung hat, was Smartphones mit fortschrittlichen Funktionalitäten betrifft. Daher waren wir überzeugt, dass wir hier ansetzen sollten. Aber es kann durchaus sein, dass wir das, was wir für das iPhone entwickelt haben, auch auf andere Betriebssysteme und Geräte übertragen.

IFRA: Wie schwierig wäre es, diese iPhone-Anwendung auf andere Plattformen und Betriebssysteme zu übertragen?

M. Jones: Nun, dies erfordert eine geraume Software-Entwicklung. Was für alle künftigen Betriebssysteme und Anwendungen ziemlich einheitlich sein wird, das ist die Gestaltung und das inhaltliche Angebot. So werden beispielsweise News, Money, Sports und Life, einige der zentralen Themenbereiche von USA Today, sicherlich auch Teil der anderen herunterladbaren Applikationen sein, die wir entwickeln. Wir werden auch versuchen, die Gestaltung so einfach wie möglich zu halten. Doch wenn es beispielsweise um Geräte ohne Touchscreen geht, so muss alles völlig neu konzipiert werden, angefangen bei der Gestaltung bis zu allem anderen. Was die eigentliche Programmierung betrifft, so unterscheidet sich Android ganz erheblich vom Betriebssystem des iPhone; die eigentliche Codierung ist ganz anders.

IFRA: Wurde diese Applikation bei Ihnen im eigenen Hause entwickelt?

M. Jones: Wir haben auf die Dienste eines externen Anbieters zurückgegriffen, ein Unternehmen namens Mercury Intermedia (www.mercuryintermedia.com), das die iPhone-Anwendung entwickelt hat.

IFRA: Wie oft werden die über die Applikation abrufbaren Informationen aktualisiert?

M. Jones: Wir aktualisieren die Informationen über XML-Feeds, die von unserem Web-Content-Management-System gespeist werden, und das rund um die Uhr.

IFRA: Ist die Website von USA Today auch für die Darstellung über Safari, den Browser des iPhone, optimiert?

M. Jones: Ja. Wir haben eine spezielle Version von usatoday.com für den iPhone-Browser Safari. In diesem Fall können wir sogar eine der ersten Rich-Media-Werbeanwendungen vorweisen. Auf der Website von USA Today findet man beispielsweise ein Werbeelement, das sich innerhalb des Browsers auf ein größeres Format ausdehnt, ohne dass der Nutzer dazu die Seite verlassen muss. Wir haben uns dazu mit einem Rich-Media-Werbeunternehmen namens PointRoll zusammengetan, das ebenfalls zu Gannett gehört. Wir freuen uns, dass sich uns durch PointRoll die Chance bietet, diese außergewöhnlichen Desktop-Werbemöglichkeiten nun zum Teil auch aufs Handy zu bringen.

IFRA: Ist die Site auch für andere Browser optimiert, die in anderen Smartphones eingesetzt werden, wie Opera, Opera Mini oder Firefox?

M. Jones: Nein, derzeit nur für Safari. Doch wir befassen uns gerade mit anderen Browsern, die wir in verbesserter Weise unterstützen könnten.

IFRA: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile für Nutzer, wenn sie News über eine (native) Applikation auf ihrem Handy abrufen und nicht über eine für Handys optimierte Website? Und was sind die Nachteile?

M. Jones: Nun, ich denke, es ist eine Kombination von beidem. Wenn man über eine native Applikation statt über den Safari-Browser zugreift, hat man die Möglichkeit, Inhalte auf dem Gerät zwischenzuspeichern. Man hat die Möglichkeit, GPS zu nutzen, was bei Safari schwierig ist, aber bei einer nativen Applikation möglich. Wir nutzen das für den Bereich Weather und die Snapshot-Umfragen (beides Merkmale der Applikation). Der Beschleunigungs­sensor ist ein weiteres Beispiel, oder auch alle anderen Funktionalitäten des Mobiltelefons wie das Adressbuch o.Ä. Dies sind die zentralen Vorteile einer nativen Umgebung. Hinzu kommen einige Dinge, die man in gestalterischer Hinsicht und im Hinblick auf die Benutzeroberfläche tun kann. Wenn man die native Applikation von USA Today mit der Web-Anwendung von USA Today vergleicht, kann man den Unterschied gut erkennen.

Zu den Nachteilen nativer Applikationen zählen für Verlage die höheren Kosten der Entwicklung für einzelne Smartphone-Geräte. Bei Website-Lösungen hingegen muss einfach nur die Website auf einen bestimmten Browser abgestimmt werden. Außerdem ist es, je nach Marke, nicht unbedingt einfach, die Distribution einer nativen Applikation zu organisieren. Viele der kostenlosen oder kostenpflichtigen Downloads (je nachdem, wie man die Applikation konzipiert) erfolgen über den App Store, während man in der Safari-Umgebung die Nutzer lediglich auf eine Web-URL lenken muss, die ihnen vielleicht ohnehin schon vertraut ist.

IFRA: Einige Verlage haben Bedenken geäußert, dass sie einerseits ihre Inhalte so anpassen müssen, dass sie von verschiedenen Browsern und Geräten gelesen werden können, und dass es andererseits Browser gibt, die die Inhalte in einer Art aufbereiten, die ihnen als Verlag nicht zusagt. Und überdies bieten diese Browser den Verlagen keine Details über die User, die auf ihre Websites zugegriffen haben. Was ist Ihre Ansicht hierzu?

M. Jones: Wir möchten die Inhalte von USA Today in einer möglichst vielfältigen Form präsentieren, unabhängig vom Gerätemodell. So kann USA Today beispielsweise auch auf einem Motorola Razr oder auf Handys der Nokia Series 60 oder anderen Geräten dargestellt werden. Wir bemühen uns um die jeweils bestmögliche Darstellung abhängig von den Fähigkeiten des jeweiligen Browsers.

Auch wir machen uns Gedanken, was die mangelnden Informationen und den fehlende Kontrolle über die Nutzerdaten betrifft. Uns ist es natürlich lieber, wenn die Nutzer direkt zu uns kommen, über unsere URL usatoday.com oder über einen unserer Mobilfunkpartner wie AT&T, Verizon, Sprint oder andere Anbieter hier in den USA. Wir möchten auch die Kontrolle darüber haben, wie wir die Informationen den Nutzern darbieten.

IFRA: Wie ist Werbung in ihre Handy-Applikation integriert?

M. Jones: Die meisten unserer mobilen Applikationen sind werbeunterstützt. Wir bieten aber auch ein kostenpflichtiges Produkt für das iPhone, USA Today Crosswords (Kreuzworträtsel), das im App Store für 4,99 Dollar heruntergeladen werden kann. Die meisten unserer Nachrichten- und Informationsprodukte sind jedoch werbeunterstützt, und die Werbekunden zeigen großes Interesse an unserer nativen Applikation und an Rich-Media-Werbemöglichkeiten, wie etwa den oben erwähnten größer werdenden Werbeelementen.

IFRA: Das iPhone unterstützt kein Flash. Hat sich dies negativ auf das Interesse vonseiten der Werbetreibenden ausgewirkt?

M. Jones: Dieses Problem hat sic

h bisher noch nicht gestellt. Wir haben in die meisten unserer Produkte eine Adserving-Funktion eingebaut, die uns Impression- und Click-Daten und Ähnliches liefert. Ich denke, mobile Werbung bietet viele Möglichkeiten, die Desktop-Werbung so nicht bieten kann. Wer die Safari-Site von USA Today besucht, kann sich von einigen der Möglichkeiten selbst ein Bild machen.

IFRA: Wenn Sie anderen Zeitungen in anderen Teilen der Welt einen Rat dahingehend geben sollten, auf was man bei der Entwicklung einer Smartphone-Applikation achten sollte, was würden Sie empfehlen?

M. Jones: Grundsätzlich fragen wir zunächst immer danach, worin unsere Stärken liegen und was die Nutzer mit unserer Marke verbinden. USA Today ist ein Produkt, das sich seit jeher insbesondere an Reisende und Leute unterwegs richtet. Die Zeitung und die Website sind so strukturiert, dass das Auffinden und Lesen der Inhalte möglichst einfach ist. Das Gleiche wollten wir im Mobilbereich realisieren. Viele Leute hier in den USA kennen unsere Marke, unsere Ressorts und unser Farbschema. Deshalb behielten wir dies bei. Es ging nun darum, unseren Content und unser Marken-Kapital möglichst gut zu nutzen und gleichzeitig etwas Besonderes zu schaffen, was den Nutzern zusagt: So haben wir insbesondere einen umfangreichen Wetter- und Sport-Bereich eingerichtet, da diese für den Abruf per Mobiltelefon sehr beliebt sind – und auch standortbezogene Dienste in die Applikation eingebunden etc.

IFRA: Was ist Ihrer Ansicht nach ein „Muss“ für Zeitungsverlage im Bereich Mobile Publishing?

M. Jones: Wichtig ist für Zeitungsverlage zunächst, für ihren Markt zu ermitteln, auf welchem Wege die Inhalte zu den Nutzern gelangen, ob per SMS, mobilem Web, Applikationen. Dann gilt es dafür zu sorgen, dass die Inhalte bestmöglich präsentiert werden und dass auf der Grundlage dieser Produkte skalierbare Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Das Interview führte Mari Pascual.

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