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Interview mit Jürg Möckli
Mon, 2010-11-15 10:12 — Charlotte Janis...
- Article ID:
- 11516
IFRA Expo 2010
Jürg Möckli ist CEO der Ferag AG. Im Vorfeld der IFRA Expo 2010 äußerte er sich zu den aktuellen Trends in der Weiterverarbeitung im Zeitungsbereich.
WAN-IFRA: Wo setzt die Ferag AG bei der diesjährigen IFRA Expo ihre Schwerpunkte?
JÜRG MÖCKLI: In der Zeitungsproduktion hält der Bedarf nach neuen Added-Value-Funktionen an. Mit der vor Jahresfrist eingeführten Dreifalzlinie StreamFold hat Ferag ein Bedürfnis der Drucker und Verleger getroffen. Kunden in Deutschland, England, Irland, Skandinavien und Finnland arbeiten inzwischen mit der neuen Dreifalzlinie.
Auf der IFRA Expo 2010 wird mit ‹fold n‘ stitch› eine weiterentwickelte Lösung präsentiert, in welcher der Dreifalzprozess um die Funktion Rückstichheftung [Anm. d. Red.: Drahtheftung im Heftrücken] erweitert ist. Für Zeitungsdrucker bedeutet das eine weitere Leistungssteigerung im Hinblick auf die Semicommercial-Produktion.
WAN-IFRA: Wie hat sich das Beilagengeschäft und damit die Nachfrage nach Vorsammel- und Einsteckanlagen in den letzten Jahren entwickelt? Aus welchen Ländern kommen vermehrt Bestellungen für solche Anlagen?
J. MÖCKLI: Die Regionalisierung gewinnt an Bedeutung, bei einem immer feineren Auflagensplitting. Hier zeigt die Zeitungsindustrie ein zunehmendes Interesse am Einsteckverfahren EasySert. Diese standardmässig im Format verstellbare Verarbeitungslinie produziert in Verbindung mit den Vorsammelstrecken RollStream und FlyStream, die Konfigurationen von der kurzen mit zwei oder vier bis zur langen Linie mit 40 Anlegestationen ermöglichen. Neben der Einsteckproduktion kommt EasySert zunehmend für die Herstellung von Anzeigeblättern für den Direktversand zum Einsatz. Seit der Einführung anlässlich der IFRA Expo 2008 in Amsterdam gingen EasySert-Linien bei Kunden in Europa einschliesslich England und Irland, in den USA, Kanada und in Südafrika in Produktion. Die bislang längste Anlage mit 32 Stationen wird demnächst die Presse-Druck- und Verlags-GmbH in Augsburg für die Werbedirektverteilung und die Anzeigenblätterproduktion in Betrieb nehmen.
WAN-IFRA: Glauben Sie, dass Finishing-Anlagen (z.B. Zusammentragen, Heften, Dreiseitenbeschnitt und Falzen auf kleinere Formate) bald zur Standardausstattung von Zeitungsdruckereien zählen werden? Wird die Zeitungsdruckerei mittelfristig zur Allround-Druckerei, die Druckprodukte aller Art produzieren und verarbeiten kann?
J. MÖCKLI: In der Tat ist ein Trend erkennbar, wonach bei neuen Anlagen für die Druckweiterverarbeitung Zusatzfunktionen wie Heften, Schneiden und Falzen von Anbeginn in das Projekt miteinbezogen werden. Vermehrt entscheiden sich Zeitungsdrucker für Druckmaschinen mit einer Trockenofenausrüstung, was ihnen die Möglichkeit gibt, neben dem Zeitungspapier auch auf gestrichene Qualitäten zu drucken. Mit der entsprechend ausgestatteten Druckweiterverarbeitung sind sie in der Lage, hochwertige Produkte herzustellen, wie sie heute mehrheitlich noch reinen Akzidenzbetrieben vorbehalten sind.
WAN-IFRA: Welche Stufen in der Weiterverarbeitung bzw. Produktveredelung sind bisher dem Akzidenzbereich vorbehalten, und wäre eine Adaptierung für zeitungsähnliche Produkte denkbar bzw. sinnvoll?
J. MÖCKLI: Zeitungsdruckereien und Akzidenzrollenoffsetdruckereien grenzen sich in erster Linie durch die unterschiedlichen Bauweisen der Druckmaschinen voneinander ab. Hier ist es wiederum der Falzüberbau und der Falzapparat, der auf Heatset-Maschinen wesentlich mehr Spielraum in der Gestaltung von Printerzeugnissen zulässt als in Zeitungsdruckmaschinen.
Demgegenüber bieten sich Zeitungsdruckereien in der Druckweiterverarbeitung durchaus Möglichkeiten, um Prozesse für die Herstellung zeitungsähnlicher Produkte zu adaptieren. Hier sei auf die Funktionen Heften, Schneiden und Falzen hingewiesen, die sich bei Ferag als drei autonome Prozessstufen relativ einfach in bestehende Systemstrukturen integrieren lassen. Die Formatvariabilität der einzelnen Systemkomponenten und schnell ausgeführte Umstellungen unterstützen die Diversifizierung in andere, neue Printprodukte.
Abgesehen von der bestmöglichen technischen Ausrüstung spielen andere Ressourcen eine wichtige Rolle: Zeitungsunternehmen verfügen über eine eigene Redaktion und sind daher in der Lage, auch die Inhalte neuartiger Printerzeugnisse selber zu generieren und das Layout in Eigenregie zu gestalten. Von grossem Wert ist zudem die Tatsache, wonach für die Lancierung neuer Printprodukte sowohl in Bezug auf die Leserschaft wie auch auf die Inserenten auf einem bestehenden Datenstamm aufgebaut werden kann.
