Stefan Beke-Bramkamp zu neuen Plattentechnologien
Tue, 2010-06-15 12:36 — Charlotte Janis...
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Druckplatten
Juni 2010. Stefan Beke-Bramkamp ist Sales & Product Director bei der Krause-Biagosch GmbH. Krause stellt eine breite Palette von Belichtern für den Zeitungsmarkt her. Zur IFRA Expo 2010 soll ein weiteres Modell hinzukommen.
WAN-IFRA: Sie haben ein umfangreiches Programm an Belichtern und Entwicklern für Zeitungen im Angebot, das jetzt durch ein weiteres Modell (LS Jet Multiformat) ergänzt werden soll. Sind die Anforderungen der Zeitungskunden so unterschiedlich?
STEFAN BEKE-BRAMKAMP: Die Anforderungen der Zeitungsanwender weltweit sind in der Tat unterschiedlich, sowohl was den Grad der Automation als auch was den Durchsatz angeht. Krause möchte mit einer strategischen Ausrichtung auf die Zeitung die verschiedenen Marktsegmente optimal bedienen und bietet deshalb ein breites Produktspektrum. Man könnte eine Einteilung wie folgt vornehmen:
• Highend-Segment: Nationale und auflagenstarke Zeitungen > schnelle Vollautomaten – LS Jet, LS Jet Multiformat, XJet bei Wasserlos
• mittleres Segment: Regionalzeitungen im mittleren Auflagenbereich mit relativ hohem Plattendurchsatz > Vollautomaten mit mittlerer Geschwindigkeit - LS Performance oder LS Jet (Modelle mit geringerem Durchsatz)
• mittleres bis unteres Segment: Regionalzeitungen mit kleineren Auflagen und geringem Plattenbedarf – Smart’n’Easy Auto
• Einstiegsklasse/unteres Segment: asiatischer Raum > manuelle Bedienung – geringer Durchsatz – preisgünstig (Verkaufsschlager: 2010 mit bisher rund 50 verkauften Belichtern ist hier der Smart’n’Easy vor allem als Halbautomat)
• Niedriglohnländer – manuelle Bedienung – relativ hoher Durchsatz - CTP Easy
WAN-IFRA: Können Violett- bzw. Thermoplatten mit denselben Entwicklungsmaschinen und mit derselben Chemie verarbeitet werden? Sind die Verarbeitungsstufen die gleichen?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Im Zeitungsbereich sind dieselben Entwicklungsmaschinen für beide Plattentypen einsetzbar, da auch die Thermalplatten Fotopolymer-basiert sind und die gleichen Verarbeitungsstufen benötigen. Die Entwicklungschemie ist jedoch unterschiedlich.
WAN-IFRA: Welche Rolle spielt das Thema umweltbewusstes Produzieren (Ökologie) in der Plattenherstellung heute im Zeitungsalltag?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Das Thema wird zunehmend interessant und wichtig. Die Nachhaltigkeit, die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und der effiziente Einsatz von Ressourcen nehmen einen immer größer werdenden Stellenwert bei der Investitionsentscheidung ein. Es gibt schon einige Zeitungsbetriebe in Deutschland, die Erfahrungen mit chemiereduzierten Platten sammeln (z.B. die Fränkische Landeszeitung, Main-Echo und die Kieler Nachrichten haben von Silberplatten auf chemiearme Fotopolymer Violettplatten umgestellt. Die Nürnberger Nachrichten haben Tests mit Agfa- und Fujifilm-Platten durchgeführt und im Rahmen eines Öko-Audits exakte Werte ermittelt. Die Anzahl der Installationen mit dieser Technologie steigt schnell und zeigt den zukünftigen Trend in der Zeitungs-Plattenproduktion.
WAN-IFRA: Bietet die Umstellung auf „chemiefrei“ neben ökologischen auch ökonomische Anreize?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Die Plattenpreise befinden sich in etwa auf gleichem Niveau der Fotopolymerplatten. Einsparungen werden bei der Chemie-, dem Wegfall der Regenerierung und vor allem beim Wasserverbrauch (Pre-Wash) erzielt. Positiv ist auch der wesentlich vereinfachte Reinigungsaufwand, da in der Regel ein Ausspülen mit Warmwasser genügt.
WAN-IFRA: Worin unterscheidet sich der BlueFin LowChem-Prozessor vom BlueFin-Prozessor?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Die BlueFin LowChem ist eine eigens für die chemiearmen Violett Polymerplatten entwickelte Auswascheinheit, die auf ein PreWash und Reinigungseinheit verzichtet. Sie bietet jedoch eine zweite Gummierungsstation, um alle chemiearmen Plattentypen verarbeiten zu können. Dadurch ist die Maschine kompakter und verwendet weniger Walzen und Bürsten, was den laufenden Kosten entgegenkommt. Sie ist die bisher einzige Auswascheinheit für das Highend-Segment.
WAN-IFRA: Mit der Kombination aus XJet und BlueFin WL haben Sie eine dedizierte Belichter-Entwickler-Linie für Wasserlos-Offsetplatten auf den Markt gebracht. Stößt das Angebot auf Interesse bei den Wasserlos-Anwendern? Gibt es erste Installationen?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Das Angebot trifft auf großen Zuspruch. Es gibt bereits 3 Installationen unserer XJet Belichter und zwei davon mit dem BlueFin WL: Die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, der Südkurier in Konstanz und bei der Rheinische Post in Düsseldorf erfolgt gerade die Inbetriebnahme von 2 XJet und BlueFin WL Linien. Das moderne Konzept des XJet, in Verbindung mit der BlueFin WL, ist optimal auf die zukunftorientierte Wasserlos-Technologie mit der KBA Cortina abgestimmt.
WAN-IFRA: Kann man sagen, dass die Technologien Fotopolymer Violett und Thermal sich in Bezug auf ihre Leistungsmerkmale angeglichen haben (Belichtungsgeschwindigkeit, Auflagenbeständigkeit etc.)? Sehen Sie eindeutige Vorteile für die eine oder andere Technologie?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Ja, die Merkmale haben sich aus unserer Sicht angeglichen. Früher war Thermal zu langsam für die Belichtung in der Zeitung, hat aber aufgeholt. Hier waren NdYag und Violettbelichter einfach schneller. Heute kann auch mit Thermal über den Einsatz sehr starker Laser die erforderliche Geschwindigkeit erreicht werden, was aber nach wie vor zu höheren Laserkosten führt.
Thermal hatte früher Vorteile in der Prozessstabilität im Vergleich zu Polymer, da hier die eingesetzte Chemie, die Regeneratzugabe und insbesondere ein schwankender pH-Wert Einflüsse auf die Entwicklungsqualität hatten. Violett hat in dieser Hinsicht mittlerweile klare Vorteile, denn bei der chemiearmen Verarbeitung entfällt die pH-Wert Kontrolle und das Regenerieren ebenfalls. Die Auswaschlösung wird eingefüllt und kann ca. 20 m² Platte pro Liter verarbeiten, wobei die Verdunstung der Finishing-Lösung einfach mit Osmosewasser ausgeglichen wird. Während der Standzeit der Auswaschlösung entfallen also jegliche manuellen Eingriffe oder Kontrollmessungen, was einem einfachen und sicheren Prozess bedeutet. Heute sind die beide Technologien in Bezug auf Auflagenbeständigkeit und Qualität (auf Zeitungspaper) vergleichbar.
Im Zeitungsbereich werden zu 70-80% Belichter eingesetzt, die im sichtbaren Lichtspektrum arbeiten (Violett- oder Grünlaser) und 20-30% Thermal-Belichter. In der Akzidenz ist das Verhältnis vermutlich umgekehrt.
Es gibt aber auch geografische Unterschiede. z.B. Japan: 100% Thermal; EU: Hier ist Visible/Violett von jeher sehr stark.
WAN-IFRA: Wie wird Prozessstabilität erreicht?
ST. BEKE-BRAMKAMP: Prozessstabilität erreicht man, wenn man alle Stufen im Prozess kontrolliert und stabilisiert: die Laserleistung, die Belichtungs- und Entwicklungs-Parameter, Stanzung und Abkantung und das Verhalten der Druckplatten in der Druckmaschine. Je weniger Variablen es gibt, desto weniger kann schief laufen, d.h. desto stabiler ist der gesamte Prozess.
Die früher diskutierte Closed-Loop-Plattenkontrolle reicht nicht aus, denn sie stellt Prozessfehler praktisch erst fest, wenn die Platte den gesamten Prozess bereits durchlaufen hat und vermutlich viele weitere mit diesen Fehlern produziert wurden. Das ist zu spät und stellt auch kein Closed-Loop dar.
Die Parameter im Prozess müssen stabilisiert und automatisch kontrolliert werden, damit man zukünftig mit der Platte aus dem CTP-System direkt auf die Druckmaschine gehen kann, ohne manuelles Eingreifen. Auch ist eine Kontrolle der Platte anhand eines einbelichteten Kontrollkeils am Rand nicht ausreichend. Wenn, dann müsste die gesamte Platte gescannt und mit den Daten aus dem RIP bzw. Workflowsystem verglichen werden.
Krause verfolgt den Ansatz von vielen kleinen, in den Maschinen automatisiert zu kontrollierenden wirklichen Kreisläufen: So regeln wir die Laserleistung automatisch per Messung während der Belichtung, die Platten werden per Double Mediasensor auf z.B. darunter befindliches Papier oder verklebt Platten kontrolliert und vor der Belichtung ausgeschleust. Die BlueFin ist mit sehr exakten Regelungen für das Pre-Heat und die Entwickler / Finishing-Lösung Temperatur ausgestattet und sämtliche Kreisläufe werden per Flow-Control überwacht. Die Entwicklungsmaschinen sind mit den Belichtern über ein modernes CAN-Bus Interface verbunden und können etwaige Fehler an einen zentralen Überwachungsrechner schicken, der an Wartungsysteme der Zeitungshäuser angebunden werden kann. Damit wird der Prozess stabil und die Fehlerrate deutlich reduziert.
