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Interview mit Philippe Riegel, Wifag
Mon, 2009-08-31 18:20 — Charlotte Janis...
- Article ID:
- 10357
IFRA Expo 2009 Interview
Fragen an Philippe Riegel, Wifag, zur IFRA Expo 2009
Philippe Riegel ist Leiter Kommunikation bei der Wifag Maschinenfabrik AG, Hersteller von Zeitungsrotationsmaschinen mit Sitz in Bern, Schweiz.
WAN-IFRA: Was werden aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen dieser IFRA Expo sein?
PHILIPPE RIEGEL: Als Trends sehen wir: 1. Möglichst flexible, jedoch zuverlässige Produktionsmittel zur wirtschaftlichen Produktherstellung bei Zeitungen. 2. Eine stärkere Regionalisierung bei Zeitungsprodukten. Und 3. Die Konsolidierung von einzelnen unabhängigen Druckereien zu Druckzentren mit verschiedenen Druckstandorten.
WAN-IFRA: Welche Akzente wird Ihr Unternehmen in diesem Jahr setzen? Werden Sie neue Produkte/Entwicklungen vorstellen?
P. RIEGEL: Ein wichtiges Thema ist Retrofit, also Lösungen zur Verlängerung der Nutzungsdauer bestehender Wifag-Zeitungsrotationen. Zum geführten Stillsetzen der Zeitungsrotation bei Netzausfall stellen wir autoride vor.
WAN-IFRA: Glauben Sie, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft und die Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird? Inwiefern wird sich das auf Ihr Geschäft auswirken und wie reagieren Sie darauf?
P. RIEGEL: Die Zeitungslandschaft wird mehr oder weniger weltweit im Moment arg durchgerüttelt. Der Markt der Hersteller von Zeitungsrollenrotationen hat sich seit letztem Jahr markant verkleinert. Wir rechnen im Vergleich zu 2008 mit einer Stabilisierung, jedoch auf deutlich tieferem Niveau. Länderspezifisch sind Unterschiede zu beobachten. Die Werbeeinnahmen der Zeitungen sind zum Teil massiv eingebrochen. Zeitungen mit kostengünstigem Vertriebsnetz haben in der Regel eher weniger Schwierigkeiten, als jene mit aufwändigem Vertrieb.
Die Zahl der großen Druckereien mit nur einem Druckstandort wird in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich weiter abnehmen. Gleichzeitig wird sich der begonnene Trend bei der Regionalisierung weiter fortsetzen. Kleinere Druckereien an günstigen Standorten werden für jede Form von Zusammenarbeit zunehmend interessanter, weil sie meistens über ein gut organisiertes bzw. einfaches Vertriebsnetz verfügen.
WAN-IFRA: Wie kann die Marktposition der Print-Zeitung neben elektronischen Angeboten gestärkt werden?
P. RIEGEL: Die Marktposition kann durch verstärkte Regionalisierung der Zeitungsproduktion gestärkt werden. Es gilt, das Leserbedürfnis nach klaren Strukturen und zeitlich geordneten Inhalten zu nutzen. Die Zeitungen sollten zielgruppenorientierte Inhalte anbieten.
WAN-IFRA: Bitte beschreiben Sie das Funktionsprinzip der von Wifag neu entwickelten automatischen Plattenwechselvorrichtung.
P. RIEGEL: Der Wifag-Plattenwechsler basiert auf dem Zusammenspiel des Wifag- Halbautomaten und einer separaten Kassette zur Aufnahme der Druckplatten. Die Kombination beider Elemente ergibt die Funktion des vollautomatischen Plattenwechslers (APX).
Dieser modulare Aufbau ermöglicht die stufenweise Einführung des Wechselautomaten in die Druckpresse. Das Grundelement des halbautomatischen Plattenwechsels (SMX) stellt die Funktion ‚Aufziehen‘ und ‚Herausholen‘ der Druckplatten sicher. Hierzu sind pro Druckplatte zwei Saugelemente sowie drei Andruckrollen im Einsatz. Die Druckplatten werden hierbei durch eine aktive Wifag-Plattenklemmung fixiert. Im Unterschied zum Vollautomaten, wo die Druckplatten während der laufenden Produktion zugeführt werden können, müssen die Platten beim halbautomatischen Plattenwechsel während dem Maschinenstillstand zugeführt werden. Optional kann die Bediensicherheit durch einen Barcodeleser zusätzlich unterstützt werden.
Ein höherer Automatisierungsgrad ergibt sich bei Kombination mit der Kassette zu einer vollautomatischen Plattenwechsel-Einrichtung. Hierbei können die neuen Druckplatten schon während einer laufenden Produktion in den Automaten eingeführt werden und somit kann wertvolle Zeit gespart werden. Beim Einlegen der Druckplatten in die Kassette, wird jede Druckplatte durch ein Barcode-Lesegerät (fest installiert an der jeweiligen Druckeinheit) erkannt und durch eine Leuchtdiode am jeweiligen Kassettenfach die Lage eindeutig definiert, um ein mögliches Verwechseln der Platten zu vermeiden. Jede Kassette hat einen entsprechenden Speicher, um jeweils maximal einen kompletten Satz neuer Druckplatten zu wechseln und die gebrauchten Platten aufzunehmen. Sind nur einzelne Druckplatten auszuwechseln, wird dies vom Produktionsmaster vorgegeben, die entsprechende Leuchtdiode wird angesteuert, die jeweilige Druckplatte vom Drucker in das richtige Kassettenfach eingeschoben und beim nächsten Maschinen-Stopp vom Automaten selbständig gewechselt.
Durch die Modularität des Halbautomaten in Verbindung mit der Kassette zum Vollautomat ergibt sich eine redundante Funktionsweise des Automaten (Anm. d. Red.: Backup), d.h. bei Wartung oder Störung des Automaten, kann die Kassette in der Service-Position verharren und ermöglicht somit freie Zugänglichkeit zu den Plattenzylindern. Die Druckplatten können nun mit dem Halbautomaten gewechselt werden. Dies erhöht die Verfügbarkeit der Plattenwechselfunktion und liegt damit klar im Focus einer zuverlässigen Produktions- und Arbeitsweise.
WAN-IFRA: Nachdem der automatische Plattenwechsel realisiert ist, wäre der nächste logische Schritt, Transport und Übergabe der Platte von der CTP-Anlage an das Plattenwechselsystem zu automatisieren. Gibt es Entwicklungspläne in dieser Richtung? Wenn ja, wie sieht der Wifag-Ansatz aus? Welche Bedingungen wären dazu zu erfüllen?
P. RIEGEL: Wir haben diesbezüglich Untersuchungen angestellt und auch verschiedene Varianten bezüglich der Machbarkeit studiert. Diese Entwicklung wird aber momentan nicht vorrangig verfolgt, solange es noch keinen Bedarf gibt, sprich keine konkrete Bestellung dafür vorliegt. Auch haben wir uns noch nicht festgelegt, ob wir in diesem Bereich gegebenenfalls mit einem spezialisierten Partnerunternehmen zusammenarbeiten werden oder eine Eigenentwicklung starten. Aber, wie gesagt, das Thema ist bei uns auf dem Tisch, doch es genießt zurzeit keine Priorität.
WAN-IFRA: Wo gibt es noch Potenziale für weitere Automatisierung im Zeitungsproduktionsprozess?
P. RIEGEL: Bei der Direktbebilderung in der Rotationsanlage.
