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Interview mit Stefan Beke-Bramkamp, Krause, zur IFRA Expo 2009

Mon, 2009-08-31 18:29 — Charlotte Janis...

Article ID:
10361

IFRA Expo 2009 Interview

Stefan Beke-Bramkamp ist Verkaufs- und Marketingleiter bei der Krause-Biagosch GmbH.
 

WAN-IFRA: Was werden aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen dieser IFRA Expo sein?

STEFAN BEKE-BRAMKAMP: Die diesjährige IFRA Expo wird sicherlich unter dem Schatten der derzeitigen wirtschaftlichen Situation stehen, jedoch ist es aus unserer Sicht ein guter Zeitpunkt für einen Blick nach vorne. Dabei wird es für die Zeitungen in erster Linie darum gehen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die technische Basis für die Zukunft mit diesen neuen Geschäftmodellen zu schaffen. Zudem wird die Produktion umweltfreundlicher.

Wir sehen die Zukunft in einer „vernetzten Zeitungslandschaft“, die online sowie im Print zuhause ist und einen Mehrwert für ihre speziellen Zielgruppen schafft.

So wird es um die crossmediale Ausgabe von Inhalten über die Zeitung, im Internet, über mobile Dienste sowie E-Reader gehen und auf der anderen Seite natürlich um weitere Effizienzsteigerungen, die Erhöhung der Qualität und die zielgruppenspezifische Ansprache über Printausgaben, die aus unserer Sicht zum Tagesmagazin werden müssen.

Für den Bereich digitale Vorstufe sind Themen wie Farbreduzierung, Qualitätserhöhung und die weitere Automatisierung der CTP Plattenproduktion spannende Themen der IFRA Expo. So ändern sich die Kriterien der Plattenproduktion derzeit von einer seitenorientierten Ausgabe hin zu einer Just-In-Time Belichtung für die Druckmaschinenzylinder, die vom Leitstand bzw. von Logistiksoftware gesteuert wird. Hier ist ein präzises Zusammenspiel von Logistiksoftware (bzw. dem Planungssystem oder dem Druckmaschinenleitstand), dem CTP-Workflow, den Belichtern und der Plattensortierung erforderlich.

WAN-IFRA: Würde eine Just-in-Time-Belichtung in der Zeitungsproduktion nicht die Gefahr von Produktionsengpässen bergen (künstlich erzeugter Spitzenbedarf), wenn man mit der Belichtung bis zu dem Zeitpunkt wartet, wenn die Platten für die nächste Produktion abgerufen werden?

Ja es kommt dabei zu Spitzenbelastungen in der CTP Ausgabe, falls so gearbeitet wird, aber es ist immer im Zusammenhang mit der zur Verfügung stehenden CTP- Kapazität zu sehen. Zeitungen arbeiten ja schon seit langer Zeit unter starkem Termindruck und das Kriterium „Platten pro Stunde pro Belichter“ ist immer schon wichtig gewesen. Bei einer Just–in–Time Produktion sollten wir davon ausgehen, dass die Seitendaten für die Belichtung verfügbar sind, denn ansonsten kann die Druckmaschine nicht starten.

Es ist in der Praxis ja so, das die meisten Seiten schon frühzeitig vorliegen und entweder ausgegeben werden (d.h. die Plattenproduktion erfolgt gleichmäßiger und weniger Kapazität reicht aus) oder die Seitendaten werden vorgehalten und erst recht spät ausgegeben, weil die Produktion planbarer ist. Im ersten Fall müssen die Platten sortiert oder vorgehalten werden und es wird dafür Personal oder ein Nela-Logistack (Plattenschrank für fertige Platten) benötigt. Im zweiten Fall müssen die CTP-Belichter, Prozessoren und Stanz/Abkanter entsprechend so schnell sein, das während der eine Auftrag gedruckt wird, die Platten für den nächsten Auftrag produziert werden können.

Für das Mittelbayerische Druckzentrum in Regensburg werden auf der neuen manroland Colormann XXL für die 64 Seiten z.B. 256 Platten für eine komplette Neubelegung benötigt. Für Lokalausgaben wird mit 30% neuen Druckplatten = 19 Seiten oder 76 Druckplatten gerechnet. Wir werden dort zwei Krause LS Jet 350-Belichter mit einer Kapazität von jeweils 295 Druckplatten (=590 Platten) pro Stunde bei 1270 dpi installieren, d.h. die benötigten 76 Druckplatten stehen in ca. 8 Minuten zur Verfügung. Sollte ein Auftrag also mit Einrichtung und Druck ca. 8 Minuten benötigen, dann kann Just-In-Time gearbeitet werden und die Platten müssen nicht mit teuerer Logistik oder Personal zwischengelagert werden. Die Seitendaten werden im Workflow zwischengelagert und jetzt fordert der Leitstand (bzw. APL Logistics) die Plattendaten für den nächsten Auftrag an. Damit kann das Personal reduziert werden, teuere Logistik wird nicht benötigt und topaktuelle Inhalte sind sichergestellt. Zudem müssen bei Änderungen in letzter Minute keine vorab belichteten Platten aussortiert werden.

WAN-IFRA: Welche Akzente wird Ihr Unternehmen in diesem Jahr setzen? Werden Sie neue Produkte/Entwicklungen vorstellen?

S. BEKE-BRAMKAMP: Ja, Krause wird auch in diesem Jahr neue Produkte präsentieren. Auf Basis des erfolgreichen BlueFin-Prozessors ist eine „BlueFin LowChem“-Version speziell für die chemie-reduzierten Violett-Polymerplatten entwickelt worden, die der erfolgreichen Violett-Technologie sicherlich noch weiteren Aufwind verschaffen wird. Mit dem zur letzten IFRA Expo vorgestellten Krause XJet gehörigen BlueFin Waterless-Prozessor komplettiert Krause nun das Produktangebot (Belichter und zugehöriger Prozessor), auch für das Marktsegment Wasserloser Offsetdruck. Im Bereich Workflow und bei den Krause-Belichtern werden weitere Detailverbesserungen vorgestellt.

WAN-IFRA: Glauben Sie, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft und die Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird? Inwiefern wird sich das auf Ihr Geschäft auswirken und wie reagieren Sie darauf?

S. BEKE-BRAMKAMP: Ja, wir glauben, dass die gegenwärtige Krise die Zeitungslandschaft verändern wird, sehen es aber eher positiv, auch wenn derzeit negative Schlagzeilen überwiegen. Das Geschäftsmodell Zeitung ist schwieriger geworden, oder sagen wir es mal so: Die Zeitung lebt und kann auch in der Zukunft sehr erfolgreich sein, jedoch nur, wenn sie gut ist! Es ist jetzt die Aufgabe der Zeitungsmanager, entsprechende Strategien zu entwickeln, die die Attraktivität der Zeitung für Leser und Anzeigenkunden weiterhin steigert.

WAN-IFRA: Wie schätzen Sie die Marktchancen für chemiefreie bzw. chemie-reduzierte Platten für den Zeitungsbereich ein?

S. BEKE-BRAMKAMP: Violett-CTP ist die führende Technologie in der Zeitung und wird es aus unserer Sicht auch für lange Zeit bleiben. Die neuen chemie-reduzierten bzw. chemiefreien Platten für den Zeitungsbereich werden zum weiteren Markterfolg beitragen, denn mit dem Wegfall bzw. der Reduzierung von Chemie und vor allem dem Wegfall der pH-Wert-Kontrolle wird der Prozess stabiler und vereinfacht. Zudem gibt es mit den chemie-reduzierten Platten aus unserer Erfahrung keine Einschränkungen im Druck hinsichtlich Qualität oder Auflagenhöhe. Deshalb gehen wir von einer starken Verbreitung dieser Technologie ab dem nächsten Jahr aus und sehen ein großes Potenzial für diese Druckplatten und die Violett-Technologie.

WAN-IFRA: Wird sich Violett auf Dauer gegen Thermo behaupten können?

S. BEKE-BRAMKAMP: Aus unserer Sicht wird die Violett-Technologie ihre Führungsposition gegenüber Thermo weiter ausbauen können, da diese Technologie für die industrielle Zeitungsproduktion die meisten Vorteile bietet. Weil es bei weitaus geringeren Investitionskosten und Betriebskosten keine Einbußen in der Qualität oder Geschwindigkeit gibt, ist Violett die führende Technologie. Mit den neuen chemie-reduzierten bzw. chemiefreien Druckplatten ist ein weiterer wichtiger Schritt für den Erfolg dieser Technologie getan. Die Investitionskosten für Prozessoren sinken und der Produktionsprozess wird vereinfacht und stabiler. Doch damit ist das Innovationspotenzial noch lange nicht erschöpft.

 

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