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Wieland Schwarz zu neuen Plattentechnologien

Tue, 2010-06-15 12:38 — Charlotte Janis...

Article ID:
11381

Druckplatten

Juni 2010. Wieland Schwarz ist Product Manager Pre-Press Solutions bei der Fujifilm Europe GmbH. Fujifilm bietet sowohl Fotopolymer-Violettplatten als auch Thermoplatten für den Zeitungssektor an. Das frühere Fuji-Tochterunternehmen FEEi stellt Belichter her.

WAN-IFRA: Wenn ich ein neues CTP-System anschaffen will, wie gehe ich das Projekt an?

WIELAND SCHWARZ: Es gibt eine Reihe von Fragen, die ein Anwender sich zunächst beantworten muss, z.B.: Wie viele Platten benötige ich in meiner Stoßzeit? Brauche ich ein manuelles oder vollautomatisches System? Will ich unter hellgelbem Sicherheitslicht arbeiten (Violettplatten) oder unter normalem Weißlicht, mit UV-Filterung, wie ich sie für Thermoplatten brauche? Wie weit will ich mich von Platten- und von Belichterlieferanten abhängig machen? Möchte ich umweltgerechter, umweltbewusster produzieren? Wie hoch ist die Auflösung und die Auflage, die ich drucken möchte?

WAN-IFRA: Gibt es Bereiche, wo Thermo besser ist als Violett oder Violett besser als Thermo?

W. SCHWARZ: Es gibt mit Sicherheit Nuancen. Das eine ist, dass eine thermische Platte den Vorteil hat, unter UV-cut Weißlicht gehandhabt werden zu können, wohingegen bei einem violetten System ein hellgelbes Sicherheitslicht gebraucht wird. Früher galt Violett als eindeutig schneller, heute gibt es in beiden Segmenten Belichter, die über 300 Platten pro Stunde ausgeben können.

Ein klarer Unterschied ist definitiv im Entwicklungsprozess nach dem Belichten zu sehen, wenn ich Thermoplatten mit den neuen chemiereduzierten Violettplatten vergleiche. Sowohl Fujifilm als auch Agfa haben in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Entwicklungseigenschaften der Fotopolymerplatten zu verbessern. Jetzt gibt es die so genannte Low-Chem PRO-VN von Fujifilm und die N92VCF bei Agfa. Diese Platten werden nach dem Belichten erhitzt und dann sofort mit einem milden "Entschichter" - LCV Finishing Fluid nennen wir das bei uns - ausgewaschen. Nach diesem einfachen Auswaschschritt wird die Platte sofort getrocknet und ist fertig zum Drucken. Die bei der traditionellen Druckplatte erforderlichen Schritte Vorwaschen, Nachwaschen und Gummieren entfallen bei den neuen chemiereduzierten fotopolymeren Druckplatten.

WAN-IFRA: Welche Prozessschritte sind bei den verschiedenen Plattentypen für den Zeitungsdruck erforderlich?

W. SCHWARZ: Die Prozessschritte nach der Belichtung sind bei allen Zeitungsdruckplatten (Fotopolymer-Violett und Thermo) dieselben, ausgenommen Silber- und chemiereduzierte Violettplatten. Thermo-Zeitungsdruckplatten sind auch fotopolymere Platten, wobei der Fotoinitiator in der Emulsion auf unterschiedliche Wellenlängen (830 nm bei Thermo, 405 nm bei Violett) reagiert. Die Entwicklung von Thermo- und klassischen Violettplatten kann in den gleichen Entwicklungsmaschinen und mit der gleichen Entwicklungschemie erfolgen. (Das gilt zumindest für die Entwicklerchemie LP-DZ von Fujifilm, mit der neben den eigenen Platten LP-NNV, LP-NNW und LH-NN2) auch die Agfa-Violettplatte N91v und die Kodak-Platten ThermalNews Gold und ViolettNews Gold verarbeiten werden können.
• Die Prozessschritte bei normal entwickelten Zeitungsplatten sind: Preheat, Prewash, Entwicklung, Rinse, Gum & Dry.
• Bei chemiereduzierten Platten (Brillia PRO-NV von Fuji und N92VCF von Agfa) sind die Prozessschritte: Preheat, Auswaschen inkl. Gummierung („Gumwash“), Trocknung.

WAN-IFRA: Bieten Thermoplatten eine höhere Qualität?

W. SCHWARZ: Die Thermoqualität ist nicht besser. Selbst wenn es diese angeblich bessere Thermoqualtät geben würde, bliebe angesichts der im Zeitungsdruck eingesetzten Rasterweiten, des groben, saugfähigen Papiers und weiterer Faktoren, die mit dem Akzidenzdruck nicht vergleichbar sind, sowieso nichts davon übrig. Dies trifft auch für den Semicommercial-Bereich zu. Es gibt keine Druckplatte, egal wie sie belichtet wird, die diesen Ansprüchen nicht zu 150% gerecht würde.

WAN-IFRA: Welchen Betrag leistet die chemiefreie Platte zum Umweltschutz?

W. SCHWARZ: Der Kunde, der Verbraucher muss wach werden, egal ob es sich um ein 3-Liter-Auto handelt oder um einen LED-Bildschirm mit sehr wenig Energieaufnahme. Und genauso muss die Industrie sich überlegen, wie sie günstiger und unweltgerechter produzieren kann. Es darf einem nicht egal sein, wie mit Energie und Abwässern umgegangen wird. (…) Und das ist die Message, die Fuji auch deutlich in den eigenen Produktionen vertritt: Wir schützen unsere Ressourcen und wir geben auch dem Kunden die Möglichkeit, Ressourcen zu sparen. Und da sehe ich die PRO-VN-Platte ganz weit vorne.

WAN-IFRA: Lohnt sich der Umstieg auf chemiereduzierte Platten?

W. SCHWARZ: Auf jeden Fall, wobei der Umfang der Einsparungen abhängig ist vom Plattenverbrauch (Quantität) und vom Plattensystem. Bei einem Wechsel von Fotopolymer muss der Unterschied nicht riesig sein, jedoch bei einem Wechsel von "Silber" verdient der Kunde sofort, wie z.B. Kieler Nachrichten, Fränkische Landeszeitung, Main-Echo. Wenn man nur den Materialpreis nimmt und gegenrechnet, was ein Liter Chemikalie kostet, dann ist der Unterschied nicht signifikant Wenn ich jedoch den gesamten Produktionsapparat dazunehme, wie die Ersparnis beim Wasser, die Standzeit der Chemie, das einfache Maschinenreinigen, die Chemie-Entsorgungskosten, dann erreiche ich sofort auch meine ökonomischen Einsparungen. Umweltschutz hat früher Geld gekostet. Heute ist es so, dass Umweltschutz dank der Unterstützung von Fujifilm Geld spart.

Warum ich mich als Kunde für das chemiereduzierte System entscheiden sollte, anstatt für die klassische Prozedur, ist: Es gibt eigentlich keinen Schwachpunkt zwischen den beiden Systemen; es sind keine Kompromisse einzugehen. Die chemiereduzierte Platte von Fujifilm ist hat eine Unmenge hochzufriedener Kunden, z. B. Nürnberger Nachrichten, Mannheimer Morgen, Kieler Nachrichten, Savon Paino Oy, Nordjyske Medier … insgesamt ca. 40 Installationen.

WAN-IFRA: Neben der chemiereduzierten Violettplatte gibt es eine prozessfreie Platte. Fujifilm bietet keine prozessfreie Platte für die Zeitung an, warum nicht?

W. SCHWARZ: Zwei Gründe sprechen gegen den Einsatz von prozessfreien Thermoplatten in der Zeitungsproduktionsumgebung. Erstens ihr geringerer Kontrast, der das Vertauschen von Platten, bei einer Menge von über 400 zu bestückenden Positionen begünstigt. Auch könnten optische Stanz- & Abkanntmaschinen Schwierigkeiten haben die Passkreuze zu erkennen. Zweitens die Tatsache, dass eine nicht entwickelte Platte immer noch gegen UV-Einstrahlung empfindlich ist und zwischen Belichtung und Andruck im Zeitungsumfeld langfristig nicht ausreichend dagegen geschützt werden kann, besonders in der Zeitung, wo Platten vorsortiert werden und lange ungeschützt an der Druckmaschine bzw auf Transport- und Sortierwagen liegen. Eine ungewollte Nachbelichtung führt zum Tonen der Platte, was sie unbrauchbar macht und Zeit- und Materialverlust bedeutet. Im Akzidenzdruck spielen diese Kriterien keine Rolle weil dort einfach anders gearbeitet wird

WAN-IFRA: Worauf konzentriert Fujifilm seine Entwicklung im Zeitungsplattenbereich?

W. SCHWARZ: Die Entwicklungsschwerpunkte sind permanente Verbesserungen der existierenden Produkte in alle Richtungen. Im Zeitungsbereich ist eine ganz klare Anforderung, die Standfestigkeit und der Robustheit gegen sowohl mechanische als auch druckchemikalische Einflüsse weiter zu verbessern. An der Empfindlichkeit braucht man, glaube ich, nichts mehr machen, denn die Mechanik der Belichter ist bei 300, 350 Platten in der Stunde ausgereizt.

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